Nachdem ich gefragt wurde, wie denn eine chromatische Harfe klingt, musste ich mich selbst erst mal schlau machen. Im Museum hatte ich schon welche gesehen, oder im Zusammenhang mit historischer Aufführungspraxis schon eine gehört. Aber dass es eine aktive Community moderner chromatischer Harfenisten gibt, war mir auch neu!
Nachdem die Firma Pleyel in den 30er Jahren ihre Produktion chromatischer Harfen im Pedalharfenformat eingestellt hatte, gab es erst einmal eine Flaute in der Szene. Amerikanische Harfenbauer bauten schließlich eine kleinere Version neu, die eher an die existierenden Folk-Harfen angelehnt war. Das machte die Harfen günstiger und leichter zu bauen, sodass sich mehr Harfenisten auf dieses Experiment einließen.

Heute ist eine der größten Communitys für chromatische Harfe in Deutschland. Das liegt am Harfenisten Christoph Pampuch, der vielen durch seine umfangreichen Publikationen für keltische Harfe bekannt sein dürfte. Er entwarf eine neue chromatische Harfe, bei der die Töne in den überkreuzten Saitenreihen so angeordnet sind, dass sie keine Tonart speziell bevorzugen. Die Anordnung der Töne ist an die des Hackbretts angelehnt und wurde von der „Klangwerkstatt“ des Harfenbauers André Schubert umgesetzt. Seitdem interessieren sich nicht nur Musiker aus der Alten Musik, sondern auch Jazzer und viele andere für dieses interessante Instrument!

Ob man es sich antut, nicht nur eine, sonder gleich zwei Reihen gekreuzter Saiten beherrschen zu wollen... nach dem Genuss dieser Videos von der Harfenistin Mirjam Rietberg muss man sagen: Wow! Schon immer juckt es uns als Harfenduo in den Fingern, Chopin zu spielen. Aber selbst zu zweit sind viele Stücke auf der Pedalharfe nicht spielbar. Auf der chromatischen Harfe dagegen kann man solche anspruchsvollen Werke der Klavierliteratur spielen.  Als Pedalharfenistin stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich solche chromatischen Passagen höre... beneidenswert!

Auch für viele moderne Kompositionen ist diese Harfe wunderbar geeignet, z.B. für diesen bekannten Tango von Astor Piazzolla.
(Sollten Schülerinnen von mir diesen Beitrag lesen: Diese Spielweise mit den hochgezogenen Fingern und den tiefen Daumen, wie in diesem Video zu sehen, ergibt sich aus der Bauweise der überkreuzten Saitenreihen und ist auf „normalen“ Harfen bei Todesstrafe verboten!!! ;-) )

Wer jetzt noch nicht vom Nutzen zweier gekreuzter Saitenreihen überzeugt ist, dem kann ich abschließend nur noch das hier ans Herz legen: Das Intro der Sendung mit der Maus auf chromatischer Harfe!

Eure Laura

2 Kommentare

  1. Ulla sagt:

    Ein wirklich interessanter Beitrag! D.h. man hat gar keine Pedale? Wäre das für euch wie ein neues Instrument zu lernen oder könntet ihr auf eure Kenntnisse zurück greifen?

    • Laura sagt:

      Das stimmt, man hat gar keine Pedale mehr. Wenn wir jetzt chromatische Harfe lernen würden, hätten wir natürlich enorme Vorteile. Aber eine große Umstellung wäre es schon, die Fingersätze sind wohl erheblich anders als man es gewöhnt ist. Mirjam Rietberger von den Videos ist studierte Harfenistin, die seit ca. 4 Jahren chromatische Harfe lernt.

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