Nachdem wir Euch kürzlich das Klavierkonzert von Mitja Nikisch (Das YouTube-Video ist leider nicht mehr verfügbar) vorgestellt hatten, kommt nun der nächste Beitrag aus der Kategorie „Fundstücke“. In diesem Beitrag geht es diesmal nicht um ein konkretes Werk, sondern um den weitgehend unbekannten Komponisten Kurt Atterberg.

Kurt Atterberg (1887-1974) war ein Komponist der Spätromantik. Er gilt als einer der bedeutendsten schwedischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Werken zählen unter anderem neun Sinfonien, fünf Opern sowie mehrere Solokonzerte. Seinen größten Erfolg feierte er mit der sechsten Sinfonie, mit der er 1928 einen internationalen Kompositionswettbewerb anlässlich des 100. Todesjahres von Franz Schubert gewann. Da das Preisgeld 10.000 $ betrug, bekam das Werk bald den Beinamen „Dollarsinfonie“.

Kurt Atterberg:

Sinfonie Nr. 6 in C-Dur op. 31 (1928)

I. Moderato
II. Adagio
III. Moderato

Atterberg blickte später mit Humor auf den Wettbewerb und seinen Gewinn zurück. Unter anderem schrieb er 1929 einen Zeitungsartikel mit dem Titel „Wie ich die Musikwelt an der Nase herumführte“, indem er sich über die angeblichen Kenner der Musik Schuberts lustig machte: Die Wettbewerbsbeiträge hatten laut Ausschreibung „im Geiste Schuberts“ komponiert sein sollen, Atterberg hatte jedoch erst von dem Wettbewerb erfahren, als er die Arbeiten an den ersten beiden Sätzen bereits abgeschlossen hatte. In der Folge wurden sogar Forderungen laut, dass er das Preisgeld zurückgeben solle, was Atterberg jedoch nicht tat. Stattdessen kaufte er sich davon ein Auto und nahm Fahrstunden.

Nach dem zweiten Weltkrieg nahm Atterbergs Popularität ab, da ihm vorgeworfen wurde, zu sehr mit der Ideologie der Nationalsozialisten symphatisiert und antisemitische Äußerungen getätigt zu haben. Er wurde nach einer Untersuchung von diesen Vorwürfen freigesprochen, doch viele Kollegen und Zuschauer mieden ihn in der Folge und 1952 musste sogar eine seiner Opern nach der Premiere abgesetzt werden, da zu wenige Karten verkauft worden waren. Seine Rolle als Generalsekretär der schwedischen Reichsmusikkammer bis 1938 ist bis heute umstritten und konnte nicht abschließend geklärt werden.

Zu meinen Lieblingsstücken dieses Komponisten zählen neben der schon erwähnten Sinfonie vor allem die Solokonzerte. Ich mag diese Gattung generell sehr gerne, weil sie die Klangmöglichkeiten sowohl des Orchesters als auch des einzelnen Instruments zur Geltung bringt. Für diesen Beitrag habe ich das Klavierkonzert, das Violinkonzert und das Cellokonzert herausgesucht:

Das Cellokonzert ist meiner Meinung nach besonders gelungen, vielleicht auch, weil Atterberg selbst Cello spielte. Studiert hat er es allerdings nicht und auch sonst hat er sich das Komponieren vor allem selbst beigebracht. Eingebettet ist hier eine Playlist einer Naxos-CD mit dem Cellokonzert und dem Hornkonzert. Viel Spaß beim Hören!

Daniel


Anmerkung zu den YouTube-Videos: Ob die bei YouTube hochgeladenen Videos Urheberrechtsverletzungen darstellen, können wir nicht beurteilen. Da YouTube die Videos zu dem Zeitpunkt, zu dem dieser Post erschienen ist, nicht gesperrt hat, gehen wir davon aus, dass das Hochladen legal war. Wir haben diese Videos natürlich nicht selbst hochgeladen, sondern sie nur auf unserer Seite eingebunden, was nach gängiger Rechtsauffassung keine Urheberrechtsverletzung darstellt. Wem die Musik gefällt, dem empfehlen wir trotzdem, die Aufnahmen käuflich zu erwerben.


 

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