Osvaldo Pugliese: La Yumba

Auch bei uns ist der Meister abwesend.

Osvaldo Pugliese (1905–1995) zählt zu den einflussreichsten Musikern des Tango. Als bekennender Kommunist führte er sein Orchester in Gemeinschaft mit den anderen Musikern; alle Einnahmen wurden geteilt. Das brachte ihm die langjährige Loyalität seiner Musiker ein – die meisten spielten über einen Zeitraum von 30 Jahren mit ihm zusammen. Wegen seiner politischen Überzeugungen saß er mehrfach in Argentinien im Gefängnis. Wenn sein Orchester dann ohne ihn Konzerte spielte, legten die Musiker ihm zu Ehren eine rote Nelke auf das verwaiste Klavier.

Pugliese ist bekannt für seine rhythmisch besonders anspruchsvollen Arrangements. Er entwickelte den Tango in eine Richtung, die manchem Zeitgenossen bereits zu experimentell war. Erst Piazzolla komponierte noch gewagter als Pugliese, und auch er wurde dafür kritisiert. Puglieses bekannteste Komposition ist La Yumba, ein rhythmisch expressiver Tango mit vielen perkussiven Effekten. Der Tango-Autor Robert Farris-Thompson schreibt über La Yumba, die Musik sei eine Mischung aus Strawinski, afrikanischer Musik und Blues. Um das zu verstehen, muss man das sperrige Werk einige Male angehört haben.

Die Bedeutung von La Yumba

Der Titel des Werks ließ die Zeitgenossen rätseln. Yumba, ausgesprochen im Dialekt von Buenos Aires mit weichem dsch - war das ein afrikanisches Wort, oder womöglich eine Person? Pugliese spielte mit verschiedenen Erklärungen zu diesem Titel, mal erklärte er, er habe an das perkussive Keuchen des Bandoneons gedacht, mal wies er auf die Herkunft des Begriffs aus dem Candombe hin, wo es soviel wie „Tanzt!“ bedeutet.
Bei der Uraufführung sagte Pugliese über sein Werk: „Mein Stück heißt ‚La Yumba‘, weil ich versucht habe, mit dieser Komposition eine Synthese meines Orchesterstils zu schaffen. Yum-Ba ist eine lautmalerische Umsetzung des Tango-Rhythmus, wie ich ihn fühle und spiele.“
Mag mit dieser kryptischen Äußerung etwas anfangen, wer will...

Bildquellen:
„Osvaldo Pugliese (links) und Fito Paéz (1889)“:  Quelle, Autor: Suplemento Si, Lizenz: Public Domain-Lizenz

Literaturempfehlung:
Robert Farris Thompson, Tango: The Art History of Love

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