{"id":1479,"date":"2018-11-09T17:31:23","date_gmt":"2018-11-09T16:31:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=1479"},"modified":"2019-09-14T10:44:54","modified_gmt":"2019-09-14T08:44:54","slug":"es-sind-sicher-keine-einzelfaelle-interview-mit-den-spiegel-journalisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/metoo\/es-sind-sicher-keine-einzelfaelle-interview-mit-den-spiegel-journalisten\/","title":{"rendered":"\u201eEs sind sicher keine Einzelf\u00e4lle\u201c \u2013 Interview mit den SPIEGEL-Journalisten"},"content":{"rendered":"<p><strong>In ihrem Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/sex-skandal-an-der-musikhochschule-muenchen-a-1207253.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sex im Pr\u00e4sidentenb\u00fcro<\/a>\u201c berichteten Jan-Philipp M\u00f6ller und Martin Knobbe diesen Fr\u00fchling im SPIEGEL \u00fcber die Ereignisse an der Musikhochschule M\u00fcnchen und die Vorw\u00fcrfe gegen den ehemaligen Pr\u00e4sidenten Siegfried Mauser und den Kompositionsprofessor Hans-J\u00fcrgen von Bose. Im Mai 2018 wurde Siegfried Mauser wegen sexueller N\u00f6tigung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft ohne Bew\u00e4hrung verurteilt. Am Bundesgerichtshof ist nun die Revision zu diesem Urteil anh\u00e4ngig. In einem fr\u00fcheren Verfahren war er bereits zu neun Monaten auf Bew\u00e4hrung verurteilt worden. Dieses Urteil ist mittlerweile rechtskr\u00e4ftig.<br \/>\n<\/strong><strong>Wir haben die Journalisten zum Fall Mauser und den weiteren Recherchen befragt.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<hr class=\" hr_color\" style=\"margin:0 auto 30px;\"\/>\n\n<h3>\u201eSiegfried Mauser ist nun also rechtskr\u00e4ftig verurteilt\u201c \u2013 \u00dcber den Fall Mauser<\/h3>\n<p><em>Wie nah sind Sie noch am Thema \u201eSiegfried Mauser\u201c?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Ganz aktuell wurde \u00fcber alle Revisionen des ersten Sexualstrafverfahrens gegen Professor Mauser entschieden. Hier ging es um die Frage, ob der Pianist zwei Kolleginnen gegen deren Willen intim bedr\u00e4ngt hat. Nein, sagten die Richter in einem Fall. Ja, im anderen Fall einer bekannten Cembalo-Professorin.<div class=\"column one-fifth mobile-one\"><div class=\"mcb-column-inner\"><a class=\"content_link \" href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Reportage-Dokumentation\/Die-Story-im-Ersten-Die-Hand-am-Po\/Das-Erste\/Video?bcastId=799280&#038;documentId=57073612\" target=\"_blank\" ><span class=\"icon\"><i class=\"icon-play\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/span><span class=\"title\">Die Hand am Po<\/span><\/a><em>Dokumentation in der ARD-Mediathek, unter anderem \u00fcber den Fall Mauser<\/em><\/div><\/div>\nSiegfried Mauser ist nun also rechtskr\u00e4ftig verurteilt zu neun Monaten Haft auf Bew\u00e4hrung wegen sexueller N\u00f6tigung. Dar\u00fcber hinaus rechnen wir beide im n\u00e4chsten Jahr mit einer Entscheidung aus Karlsruhe. Sollte das aktuelle Urteil dort h\u00f6chstgerichtlich bestand haben, m\u00fcsste der ehemalige Pr\u00e4sident der Musikhochschule M\u00fcnchen eine Haftstrafe antreten. Dar\u00fcber f\u00fchrt Prof. Mauser eine juristische Auseinandersetzung auf arbeitsrechtlicher Ebene und einen Kampf um die Deutungshoheit dieser Vorf\u00e4lle. Wir verfolgen die neuen Entwicklungen intensiv und zeitgleich, auch weil die Hochschule in M\u00fcnchen in naher Zukunft nicht aus den Schlagzeilen kommen wird.<\/p>\n<p><em>Sie haben den Mauser-Prozess pers\u00f6nlich verfolgt. Was f\u00fcr einen Eindruck hat Siegfried Mauser auf Sie gemacht?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Als vor einem Jahr sein vorerst letztes Sexualstrafverfahren gegen ihn begann, sahen wir uns einem Musikexperten gegen\u00fcber, der von seinen bis zu drei Anw\u00e4lten als Popstar der Klassikszene vorgestellt wurde. Mit relativ leiser Stimme, aber durchaus selbstbewusst, erkl\u00e4rte er, dass die Anschuldigungen der gesch\u00e4digten Frauen ein \u201eAnschlag\u201c auf sein Leben darstellten. Den Prozess verfolgte er angespannt und hochkonzentriert, stellte Fragen an Zeugen und Gericht und schien sich sichtlich zu freuen, wenn er Bekannte und Freunde auf der Zuschauerbank sah.<br \/>\nIm Laufe der 19 Verhandlungstage, die sich \u00fcber mehrere Monate hinzogen und teils bis in die sp\u00e4ten Abendstunden andauerten, haben wir beide Zeichen von zunehmender Ersch\u00f6pfung und Nervosit\u00e4t bei ihm wahrgenommen.<br \/>\nWir hatten bis zuletzt den Eindruck, dass sich Siegfried Mauser keiner Schuld bewusst war. Das steht im Gegensatz zu seinem Empathieverm\u00f6gen, was ihn nicht nur als Musiker ausgezeichnet hat. Als begabter Netzwerker pflegte er einen gro\u00dfen Freundeskreis. Und aus pers\u00f6nlichen Begegnungen mit ihm k\u00f6nnen wir sagen, dass er ein angenehmer und eloquenter Gespr\u00e4chspartner ist.<\/p>\n<p><em>Von Mauser bzw. seinem Umfeld wurde und wird die These aufgestellt, die Ankl\u00e4gerinnen h\u00e4tten sich gegen ihn verschworen und ihn f\u00e4lschlich beschuldigt. Gab es im Prozess Anhaltspunkte, die diese These untermauern?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Offensichtlich hat sich Siegfried Mauser mit seinen Rechtsanw\u00e4lten f\u00fcr eine konfrontative Verteidigung entschieden. Im Allgemeinen ist die\u00a0Strategie\u00a0der\u00a0Opferbeschuldigung nat\u00fcrlich f\u00fcr die Gesch\u00e4digten eine Tortur, weil ihnen Naivit\u00e4t, Verf\u00fchrung oder sogar Einwilligung in die sexuelle Handlung unterstellt wird. In dieser Aussage-gegen-Aussage-Konstellation steht das Gericht ja immer vor der Herausforderung, die Aussagen der Belastungszeugen einer besonderen Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfung zu unterziehen. Wenn nun die Aussagen der Belastungszeugen durch die Verteidigung in Misskredit gezogen werden, k\u00f6nnte sich das durchaus positiv f\u00fcr den Angeklagten auswirken.<br \/>\nWir haben in unserer intensiven Recherche, auch mit der Hilfe von Experten, abgewogen, welche Motive uns wahrscheinlich erscheinen. Rache erschien uns als Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Aussagen der Gesch\u00e4digten wenig nachvollziehbar. Das Urteil am Landgericht hat gezeigt, dass auch die Richter den Schilderungen beider Gesch\u00e4digten vollumf\u00e4nglich Glauben schenkten. Nicht aus einem Gef\u00fchl, sondern weil die Glaubw\u00fcrdigkeit der zwei Belastungszeuginnen an bestimmten objektiven Kriterien gemessen wurde, die zum Beispiel auch die Aussageentstehung und Entwicklung im Laufe des Verfahrens beinhalten.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 285px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/5\/51\/Siegfried_Mauser_in_2014.jpg\" width=\"275\" height=\"183\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Siegfried Mauser (2014)<\/p><\/div>\n<p><em>Wie ist es zu erkl\u00e4ren, dass er sich nach wie vor keiner Schuld bewusst ist?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Man sagt, dass je l\u00e4nger der mutma\u00dfliche Vorfall zur\u00fcckliegt, umso st\u00e4rker k\u00f6nnen sich die T\u00e4ter wieder auf das Alltagsgeschehen konzentrieren und die Tat scheinbar in den Hintergrund r\u00fccken lassen. Einen m\u00f6glichen Fehler in solch einer Dimension vor sich selbst und seinem Umfeld einzugestehen, ist nat\u00fcrlich schwer. Daher kommt es bei vielen Straft\u00e4tern zu einer Verdr\u00e4ngung des Vorfalls.<br \/>\nWenn Sie uns nach den Gr\u00fcnden im konkreten Fall fragen, dann m\u00fcssten Sie Professor Mauser fragen. Dass es zu \u00dcbergriffen kam, ist nach den Gerichtsprozessen wohl kaum anzuzweifeln. Au\u00dfer man unterstellt den Richtern, sie seien auf falsche Aussagen der Betroffenen reingefallen. Doch daf\u00fcr sehen wir keine Anzeichen, auch nicht im Fall des Freispruchs. Hier sagten die Richter, dass ihnen das Zurwehrsetzen der Betroffenen nicht \u00fcberzeugend genug erschien. Der Vorfall an sich wurde nicht angezweifelt, ihm fehlte jedoch die strafrechtliche Relevanz.<\/p>\n<p><em>Wenn man seiner Aussage, er habe die Situationen, in denen die \u00dcbergriffe passiert sind, anders wahrgenommen, Glauben schenkt: Wie kommt diese Fehlinterpretation zustande?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Da wir hier nur spekulieren k\u00f6nnen, antworten wir etwas genereller: Solche Taten haben nat\u00fcrlich etwas mit dem Selbstverst\u00e4ndnis des Dozenten zu tun, der glaubt, seine Beziehung zu seinen Sch\u00fclerinnen, Kolleginnen oder Bewerberinnen \u00fcber die rein fachliche Ebene hinaus pflegen zu d\u00fcrfen und zu m\u00fcssen und hierbei es an Sensibilit\u00e4t vermissen l\u00e4sst. Es hat vielleicht etwas damit zu tun, dass aus dieser m\u00e4chtigen Position heraus Signale des Gegen\u00fcbers v\u00f6llig falsch gedeutet werden, wie z.B. beim \u00dcbergriff im Pr\u00e4sidentenzimmer der Musikhochschule beim Vorstellungsgespr\u00e4ch. W\u00e4hrend die Gesch\u00e4digte glaubhaft vor Gericht erkl\u00e4rte, dass sie vor Schmerzen schreien musste, erkl\u00e4rte Herr Mauser bei seiner Vernehmung, ebenfalls durchaus authentisch, diese Laute als Lustschreie vernommen haben. Es k\u00f6nnte damit zu tun haben, dass T\u00e4ter wie Mauser gar nicht in der Lage sind wahrzunehmen, was ihre Opfer in diesen Momenten der Bedr\u00e4ngnis f\u00fchlen. Bei sexuellen \u00dcbergriffen geht es unseres Erachtens nach um die Ausu\u0308bung von Macht und Kontrolle. Die Staatsanwaltschaft glaubt nicht an eine Fehlinterpretation. Sie hielt Sigfried Mauser eine geringe Gewaltbereitschaft zugute, aber hob andererseits auch hervor, dass die Tatumst\u00e4nde besonders erniedrigend f\u00fcr die Frauen waren.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr class=\" hr_color\" style=\"margin:0 auto 30px;\"\/>\n\n<h3>\u201eDie Strukturen im klassischen Musikbetrieb sind anachronistisch streng hierarchisch\u201c \u2013 \u00dcber die Recherche in der Musikszene<\/h3>\n<p><strong>Der Artikel im SPIEGEL vom Mai 2018 sorgte f\u00fcr viel Aufsehen innerhalb und au\u00dferhalb der Musik-Szene. Er konzentrierte sich vor allem auf die F\u00e4lle Siegfried Mauser und Hans-J\u00fcrgen von Bose. Dem Artikel ging eine monatelange Recherche voran \u2013 nicht nur an der HMT M\u00fcnchen. Die Journalisten f\u00fchrten viele Gespr\u00e4che mit von (sexuellen) \u00dcbergriffen Betroffenen aus allen Bereichen der klassischen Musik.<\/strong><\/p>\n<p><em>Was war der Ansto\u00df f\u00fcr Ihre Recherche?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Wir stie\u00dfen \u00fcber die lokale Berichterstattung auf den Fall und entdeckten Querverbindungen. Das Milieu der Musikhochschule, in dem diese Taten geschahen, war neu f\u00fcr uns. Es schien die Taten beg\u00fcnstigt zu haben. Das machte uns neugierig. Schritt f\u00fcr Schritt fanden wir langsam Zugang in diese Kreise.<\/p>\n<p><em>War es schwierig, von F\u00e4llen des Missbrauchs an Hochschulen auch zu erfahren?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Ja, wie fast immer in diesem Bereich war die Recherche zeitweise sehr z\u00e4h, aber schlussendlich sehr ergiebig. Viele Gespr\u00e4chspartner hatten und haben gro\u00dfe Angst, dass eine Ver\u00f6ffentlichung ihrer Schilderungen das Aus ihrer Karriere bedeuten k\u00f6nnten. Das zeugt von dem gro\u00dfen Einfluss, den Dozenten in den Hochschulen haben und der sie, im Fall, dass sie zu T\u00e4tern werden, besonders sch\u00fctzt. Nach unserer Ver\u00f6ffentlichung haben sich aber Studierende von verschiedenen Hochschulen gemeldet und \u00e4hnliche Erlebnisse berichtet.<\/p>\n<p><em>Also sind Mauser und Bose keine Einzelf\u00e4lle?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Nein, sicher nicht. In den Details allerdings sind sie sicherlich einzigartig.<\/p>\n<p><em>K\u00f6nnen Sie absch\u00e4tzen, welches Ausma\u00df die Problematik insgesamt hat?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Das k\u00f6nnen auch wir nicht einsch\u00e4tzen. Wir bekommen ja auch nur, fast zuf\u00e4llig, von einzelnen F\u00e4llen Kenntnis. Eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Studie zu dem Thema fehlt.<\/p>\n<p><em>Wir haben schon oft von anderen zu h\u00f6ren bekommen, die Musiker w\u00fcrden in einer ganz eigenen Welt leben. Da wir selbst Teil dieser \u201eFilterblase\u201c sind, w\u00fcrde uns interessieren, welchen Eindruck Sie als Au\u00dfenstehende von der Musikerwelt haben.<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Ach, fast jede Berufsgruppe lebt in ihrer Blase, Journalisten nicht ausgenommen. Was uns aber schon aufgefallen ist, ist das besondere Verh\u00e4ltnis zwischen Professor und Student oder auch Dirigent und Musiker, das oftmals weit \u00fcber ein professionelles Arbeitsverh\u00e4ltnis hinaus geht. Da stecken viele Emotionen, \u00c4ngste, Erwartungen, Hoffnungen dahinter, die einen Missbrauch dieses Verh\u00e4ltnisses erleichtern.<br \/>\nErschwerend kommt wohl hinzu, dass die Strukturen im klassischen Musikbetrieb anachronistisch streng hierarchisch aufgebaut sind und die T\u00e4ter aus einer vermeintlich erhabenen Sph\u00e4re der hohen Kultur kommen, in der \u00fcber lange Zeit ein eigenes Wertesystem gepflegt wurde.<\/p>\n<p><em>Martin Knobbe, Sie haben ja schon zu vielen anderen F\u00e4llen recherchiert, auch zum Thema Missbrauch, z. B. in der \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Colonia_Dignidad\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Colonia Dignidad<\/a>\u201c. Inwiefern ist die Recherche in der Musikerwelt anders verlaufen? Unterscheidet sich z.B. das Verhalten der T\u00e4ter, Opfer oder Institutionen von diesen anderen F\u00e4llen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe:<\/strong> Gewisse Muster sind gleich: Je mehr reellen Einfluss T\u00e4ter auf ihre Opfer haben, etwa in Fragen der Karriere, der Bewertung, der Glaubw\u00fcrdigkeit, der sozialen Akzeptanz oder einer pseudoemotionalen Abh\u00e4ngigkeit, desto einfacher f\u00e4llt es ihnen, diese zu missbrauchen, ohne dass sie gr\u00f6\u00dfere Konsequenzen f\u00fcrchten m\u00fcssen. Irritiert hat mich, wie schwerf\u00e4llig die Hochschulen und ihre Fachaufsicht in den Ministerien auf die nicht zu leugnenden Vorf\u00e4lle reagieren, nicht nur in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr class=\" hr_color\" style=\"margin:0 auto 30px;\"\/>\n\n<h3>\u201eQuellenschutz hat grunds\u00e4tzlich bei uns h\u00f6chste Priorit\u00e4t\u201c \u2013 \u00dcber den Umgang mit Erfahrungsberichten<\/h3>\n<div style=\"width: 266px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/3e\/Logo-der_spiegel.svg\" width=\"256\" height=\"48\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Die SPIEGEL-Journalisten suchen nach wie vor nach Erfahrungsberichten<\/p><\/div>\n<p><strong>Die Frage, die wir mit unserem Engagement gerne in den Vordergrund r\u00fccken m\u00f6chten, ist, was Betroffene tun k\u00f6nnen. In den beiden anderen Interviews mit <a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/politisch-philosophisches\/interview-mit-moritz-eggert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Moritz Eggert<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/politisch-philosophisches\/ich-fuerchte-es-hat-sich-nicht-viel-getan-interview-mit-freia-hoffmann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Freia Hoffmann<\/a> haben wir schon auf verschiedene M\u00f6glichkeiten hingewiesen, z.B. gibt es Hilfetelefone und Frauenberatungsstellen. Auf unserem Blog stellen wir ein <a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/kontaktformularmetoo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kontaktformular<\/a> zur Verf\u00fcgung, um anonym Erfahrungsberichte zu ver\u00f6ffentlichen.<br \/>\n<\/strong><strong>Wer m\u00f6chte, kann au\u00dferdem in Zusammenarbeit mit den Journalisten entweder mit seiner Geschichte an die \u00d6ffentlichkeit gehen oder anonym Recherchehinweise geben.<\/strong><\/p>\n<p><em>Suchen Sie nach wie vor nach Erfahrungsberichten von Betroffenen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Auf jeden Fall. Je deutlicher wir machen k\u00f6nnen, dass es sich nicht nur um tragische Einzelf\u00e4lle handelt, sondern dass das Problem in der Struktur und einer jahrzehntelang gewachsenen Mentalit\u00e4t liegt, desto h\u00f6her sind die Chancen, dass sich in diesen Strukturen und in dieser Mentalit\u00e4t an den Hochschulen etwas \u00e4ndert. Das aber kann man nur verdeutlichen, in dem man auch journalistisch belegt: Es gibt viele solcher F\u00e4lle. An diesen sind wir weiterhin sehr interessiert.<\/p>\n<p><div class=\"column one-fifth mobile-one\"><div class=\"mcb-column-inner\"><a class=\"content_link \" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/impressum\/autor-21583.html\" target=\"_blank\" ><span class=\"icon\"><i class=\"icon-user\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/span><span class=\"title\">Profil Martin Knobbe<\/span><\/a><em>Die Kontaktdaten der Journalisten sind dem Impressum des SPIEGELS zu entnehmen<\/em><\/div><\/div>\n<em>Wenn ich mich bei Ihnen melde, wie l\u00e4uft das dann ab? Muss ich dann Angst haben, sofort meinen Namen in der Zeitung zu lesen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Nein, es ist ein langsames Herantasten. Unser h\u00f6chstes Gut bei derartigen Recherchen ist, dass uns unsere Gespr\u00e4chspartner vertrauen. Quellenschutz hat grunds\u00e4tzlich bei uns h\u00f6chste Priorit\u00e4t. W\u00fcrden wir hier auch nur einen Fehler machen, k\u00f6nnten wir im SPIEGEL nicht so investigativ arbeiten, wie wir es Woche f\u00fcr Woche tun. Wer gesch\u00fctzt bleiben will, bleibt gesch\u00fctzt und wird nie seinen Namen lesen. F\u00fcr uns sind prim\u00e4r die Informationen wichtig.<\/p>\n<p><em>Warum ist es so wichtig, Erfahrungsberichte zu sammeln?<\/em><\/p>\n<p><strong>Knobbe\/M\u00f6ller:<\/strong> Opfer m\u00fcssen oft damit k\u00e4mpfen, dass ihnen Rachsucht oder moralische Unansta\u0308ndigkeit vorgeworfen wird. Nur indem man \u00fcber schreckliche Taten wie sexuelle \u00dcbergriffe so berichtet, wie sie die Betroffenen erlebt haben, k\u00f6nnen die Leserinnen und Leser nachvollziehen, was ein Missbrauch f\u00fcr die Betroffenen bedeutet. Und nur so entsteht die Bereitschaft, Dinge anders zu betrachten. Diese Art der Aufkl\u00e4rung kann helfen, solche Taten zu vermeiden, weil sich T\u00e4ter nicht mehr darauf verlassen k\u00f6nnen, dass weggeschaut wird. \u00a0F\u00fcr Opfer \u00e4ndert der gesellschaftliche Diskurs hoffentlich das Klima, das es braucht, um sich mit seinen Erlebnissen zu offenbaren, ohne Scham und in der Gewissheit, nichts falsch gemacht zu haben.<\/p>\n<p><em>Wir bedanken uns ganz herzlich f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bildquellen:<\/p>\n<p>Siegfried Mauser (2014): <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Siegfried_Mauser_in_2014.jpg\">Quelle<\/a>, Autor: <a class=\"new\" title=\"User:Sigi Mauser (page does not exist)\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?title=User:Sigi_Mauser&amp;action=edit&amp;redlink=1\">Sigi Mauser<\/a>, Lizenz: <a class=\"extiw\" title=\"w:en:Creative Commons\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/en:Creative_Commons\">Creative Commons<\/a>-Lizenz <a class=\"external text\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\" rel=\"nofollow\">Attribution-Share Alike 4.0 International<\/a><br \/>\nLogo DER SPIEGEL: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Logo-der_spiegel.svg\">Quelle<\/a>, Autor: SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH &amp; Co. KG, Lizenz: <a class=\"extiw\" title=\"w:public domain\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/public_domain\">Public Domain<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrem Artikel \u201eSex im Pr\u00e4sidentenb\u00fcro\u201c berichteten Jan-Philipp M\u00f6ller und Martin Knobbe diesen Fr\u00fchling im SPIEGEL \u00fcber die Ereignisse an der Musikhochschule M\u00fcnchen und die Vorw\u00fcrfe gegen den ehemaligen Pr\u00e4sidenten Siegfried Mauser und den Kompositionsprofessor Hans-J\u00fcrgen von Bose. Im Mai 2018 wurde Siegfried Mauser wegen sexueller N\u00f6tigung zu zwei Jahren<span class=\"excerpt-hellip\"> [\u2026]<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1284,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[417],"tags":[212,233,207,283,234,235,204,200],"class_list":["post-1479","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-metoo","tag-metoo","tag-musikhochschule","tag-der-spiegel","tag-hans-juergen-von-bose","tag-jan-philipp-moeller","tag-martin-knobbe","tag-sexueller-missbrauch","tag-siegfried-mauser"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1479"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1479\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2065,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1479\/revisions\/2065"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}