{"id":1568,"date":"2018-11-23T11:31:52","date_gmt":"2018-11-23T10:31:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=1568"},"modified":"2019-09-14T10:43:59","modified_gmt":"2019-09-14T08:43:59","slug":"die-horror-mucke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/vermischtes\/aus-daniels-leben\/die-horror-mucke\/","title":{"rendered":"Die Horror-Mucke"},"content":{"rendered":"<p>(Vor-)Weihnachtszeit ist ja bekanntlich Muckenzeit, und wer hat nicht schon mal eine Mucke gehabt, die der absolute Horror war? Hier m\u00f6chte ich von einer berichten, die ich vor einiger Zeit erlebt habe.<!--more--><\/p>\n<h3>Eine typische Mucken-Anfrage<\/h3>\n<p>Es begann ganz harmlos: Ich bekam einen Anruf, ob ich am Wochenende Zeit f\u00fcr ein Orchesterprojekt habe. Morgens Probe, abends Konzert, Harfe nur bei wenigen St\u00fccken besetzt. Die Gage war nicht \u00fcppig, aber in Ordnung. Einziger Nachteil: Probe und Konzert w\u00fcrden Open-Air stattfinden und ich m\u00fcsste meine eigene Harfe mitbringen. Klar, kein Problem, solange es nicht zu kalt wird. F\u00fcr die Harfe m\u00fcsste ich nat\u00fcrlich etwas extra berechnen, wie \u00fcblich. Bis hierhin wirkte alles ganz normal. Vielleicht ein bisschen chaotisch, aber alles im Rahmen.<\/p>\n<p>Die Noten wurden mir nicht zugeschickt, ich bekam nur einen Cloud-Link, bei dem ich mir die Noten selbst herunterladen und ausdrucken sollte. Eigentlich keine schlechte Sache, so konnte ich zumindest sichergehen, dass ich wirklich alle Noten hatte. Dachte ich. Einen Ablaufplan sollte ich noch bekommen. Sollte ich.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag bekam ich eine Mail. Es w\u00fcrden jetzt doch noch mehr St\u00fccke mit Harfe sein, ob ich nicht doch schon am Tag vorher zur Probe kommen k\u00f6nnte. Nun ja, an und f\u00fcr sich kein Problem, ich hatte Zeit und w\u00fcrde nat\u00fcrlich mehr Gage daf\u00fcr berechnen.<\/p>\n<h3>Immer wieder spannend: Was steht in der Probe auf dem Notenpult?<\/h3>\n<p>Aus meiner langj\u00e4hrigen Erfahrung war mir schon klar, dass ich nicht alle Noten bekommen hatte. Doch als ich zur ersten Probe kam, lagen auf meinem Pult nicht wie gedacht sechs St\u00fccke, sondern 13! Ich machte meinem Unmut gegen\u00fcber dem Dirigenten Luft. Sein Kommentar: Ja, er w\u00fcsste, dass die Harfenisten das nicht so gerne h\u00e4tten, aber die Noten w\u00fcrden immer erst so sp\u00e4t geliefert. Hektisch versuchte ich, die unbekannten St\u00fccke noch vor Probenbeginn einzurichten. Und das waren bei weitem nicht nur welche, die man vom Blatt spielen konnte! Mein Blutdruck stieg.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Probe sah ich immer wieder skeptisch auf die Uhr. Das Programm zog und zog sich, keine Chance, dass wir in einer Probe damit durchkommen w\u00fcrden. Und ich sollte recht behalten: Nach drei Stunden hatten wir grade mal die H\u00e4lfte der St\u00fccke geschafft. Ich wollte schon meine Harfe einpacken und wieder nach Hause fahren, da h\u00f6rte ich zuf\u00e4llig, wie sich andere Musiker \u00fcber die zweite, am Abend stattfindende Probe unterhielten. Dass hatte man wohl auch vergessen, mir zu sagen&#8230;<\/p>\n<p>Um ca. 11 Uhr abends war ich wieder zu Hause. Immerhin hatte ich noch herausbekommen, dass die Probe am n\u00e4chsten Tag schon um neun beginnen w\u00fcrde. Nach einer kurzen Nacht (die ich auch, wenn ich alle Termine gekannt h\u00e4tte, bequem in einem Hotel h\u00e4tte verbringen k\u00f6nnen) machte ich mich auf den Weg.<\/p>\n<p>Die Probe war auf vier Stunden angesetzt, die wir auch voll aussch\u00f6pften. Sie fand bereits auf der Open-Air-B\u00fchne statt. Es war k\u00fchl, aber noch ertr\u00e4glich. Die anderen Musiker hatten kein Problem mit den Witterungsbedingungen, da wollte ich nicht den Buhmann spielen. Leider war das Konzert erst f\u00fcr 21 Uhr angesetzt (wieder so eine wichtige Info&#8230;), sodass ich die Wahl zwischen drei zus\u00e4tzlichen Autostunden oder acht Stunden Zeit totschlagen hatte. Die sp\u00e4te Uhrzeit machte mir zunehmend Sorge, weil es den Tag \u00fcber merklich k\u00fchler wurde und au\u00dferdem zu regnen begonnen hatte. Nach meiner Einsch\u00e4tzung w\u00fcrde das Konzert bis mindestens halb zw\u00f6lf dauern.<\/p>\n<h3>Die Saiten l\u00f6sen sich langsam auf<\/h3>\n<p>P\u00fcnktlich zum Konzert h\u00f6rte es auf zu regnen, was eine von mir zu diesem Zeitpunkt herbeigesehnte Absage des Konzerts leider verhinderte. Schon beim Stimmen merkte ich, dass meine Harfe in keinem guten Zustand mehr war. Von der K\u00e4lte und der Feuchtigkeit klangen viele Saiten ganz stumpf und ich hatte Schwierigkeiten, eine einigerma\u00dfen saubere Stimmung hinzubekommen. Zeit, um noch Saiten auszutauschen, war leider keine mehr. Ich hoffte, dass die Stimmung wenigstens bis zur Pause halten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Konzerts konnte ich beobachten, wie manche Saiten anfingen, sich regelrecht aufzul\u00f6sen. \u00dcberall ragten kleine Fasern aus der Saite heraus und klirrten bei jedem Ton. Der Klang wurde immer schrecklicher und es war mir richtig peinlich. Ich versuchte, die schlimmsten Saiten nur ganz leise zu spielen oder da, wo es ging, enharmonisch zu verwechseln. Ich sehnte die Pause herbei.<\/p>\n<p>Doch die kam nicht. Wer kommt bittesch\u00f6n auf die Idee, ein dreist\u00fcndiges Open-Air-Konzert um 21 Uhr ohne Pause zu machen??? Eine Geige kann man ja zwischendurch schnell nachstimmen, aber an mich hatte nat\u00fcrlich niemand gedacht. Ich versuchte, zwischen den St\u00fccken die schlimmsten Saiten nachzustimmen, doch da war mittlerweile kaum noch etwas zu machen.<\/p>\n<p>Irgendwie schaffte ich es bis zum Ende des Konzerts. Anschlie\u00dfend packte ich so schnell wie m\u00f6glich meine Harfe ein und fuhr totm\u00fcde nach Hause, wo ich gegen zwei Uhr nachts ankam.<\/p>\n<h3>Und immer wieder \u00c4rger mit dem Geld&#8230;<\/h3>\n<p>Das dicke Ende kam ein paar Tage sp\u00e4ter, als ich dem Veranstalter meine Rechnung schicken wollte. Ich hatte die Gage an die zus\u00e4tzlichen Termine angepasst und auch einen gewissen Betrag als Harfenmiete deklariert. Zur\u00fcck bekam ich eine w\u00fctende Mail, was denn das mit der Miete solle, wo k\u00e4men wir denn da hin, wenn auf einmal alle Musiker Geld daf\u00fcr verlangen w\u00fcrden, dass sie ihre Instrumente mitbringen, das sei doch selbstverst\u00e4ndlich. Ich wies darauf hin, dass das nun mal unsere Abmachung gewesen sei, und ich merkte auch an, dass ich schon bez\u00fcglich der ganzen zus\u00e4tzlichen St\u00fccke und Proben sehr entgegenkommend gewesen sei. Ja, die Kommunikation sei nicht optimal gewesen, das gebe man ja gerne zu, und bei der Harfenmiete habe man halt nicht schnell genug nein gesagt, erhielt ich als Antwort.<\/p>\n<p>Ich erhielt letztendlich tats\u00e4chlich den von mir verlangten Betrag. Allerdings bezweifle ich, dass von dieser Seite aus noch einmal eine Muckenanfrage kommen wird. Ist vielleicht auch ganz gut so&#8230;<\/p>\n<h3>Daniel<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Vor-)Weihnachtszeit ist ja bekanntlich Muckenzeit, und wer hat nicht schon mal eine Mucke gehabt, die der absolute Horror war? 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