{"id":1729,"date":"2019-04-02T19:37:14","date_gmt":"2019-04-02T17:37:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=1729"},"modified":"2019-09-14T10:39:16","modified_gmt":"2019-09-14T08:39:16","slug":"die-eu-urheberrechtsreform-eine-analyse-in-vier-teilen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/die-eu-urheberrechtsreform-eine-analyse-in-vier-teilen-teil-1\/","title":{"rendered":"Die EU-Urheberrechtsreform \u2013 Eine Analyse in vier Teilen: Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<p>Am\n26. M\u00e4rz 2019 wurde vom Europaparlament die Richtlinie zur Reform des\nUrheberrechts beschlossen. Da diese Richtlinie uns als MusikerInnen direkt\nbetrifft, haben wir uns dazu entschlossen, einen Artikel zu schreiben, der sich\nmit den Argumenten daf\u00fcr und dagegen besch\u00e4ftigt. Obwohl das Thema bereits zur\nGen\u00fcge diskutiert wurde, tun wir dies, weil es uns missf\u00e4llt, wie ganze gesellschaftliche\nGruppen (\u201eMusikerInnen\u201c, \u201eGeneration YouTube\u201c, etc.) in die Kategorien Pro und\nContra Urheberrecht eingeteilt werden. Von diesem Schubladendenken m\u00f6chten wir\nuns ausdr\u00fccklich distanzieren und jeden dazu aufrufen, sich anhand der Fakten\nselbst ein Bild zu machen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Hier ist der <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/A-8-2018-0245-AM-271-271_DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Link zum Text der Richtlinie<\/a>, Artikel 17 (fr\u00fcher 13) beginnt ab Seite 121.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser\nBlogbeitrag ist zur besseren Lesbarkeit in vier Teile aufgeteilt. Viel Spa\u00df\nbeim Lesen!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Teil 1: Eine kurze Geschichte des Internets.<\/strong><br><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/die-eu-urheberrechtsreform-eine-analyse-in-vier-teilen-teil-2\/\" target=\"_blank\">Teil 2: Die Reform.<\/a><br><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Teil 3: H\u00e4lt die Reform das, was sie verspricht? (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/die-eu-urheberrechtsreform-eine-analyse-in-vier-teilen-teil-3\/\" target=\"_blank\">Teil 3: H\u00e4lt die Reform das, was sie verspricht?<\/a><br><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Teil 4: Proteste und Kritik: Warum ist der Ton so scharf? (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/die-eu-urheberrechtsreform-eine-analyse-in-vier-teilen-teil-4\/\" target=\"_blank\">Teil 4: Proteste und Kritik: Warum ist der Ton so scharf?<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die\nForderung nach einer Reform des Urheberrechts gibt es praktisch schon seit\nBeginn der Internetnutzung. Davor war es technisch relativ aufw\u00e4ndig,\nhochwertige Kopien von urheberrechtlich gesch\u00fctzten Werken anzufertigen und\neiner breiten Masse zug\u00e4nglich zu machen. Dies \u00e4nderte sich im Rahmen der\nDigitalisierung radikal: Pl\u00f6tzlich war es m\u00f6glich, verlustfreie Kopien von\nTexten, Bildern, Musik oder Videos in unbegrenzter Anzahl herzustellen. \u00dcber\ndas Internet konnten diese dann verbreitet werden, ohne dass die Urheber daf\u00fcr\neine finanzielle Gegenleistung erhielten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Stimmen, die sagen, dass schon in den Anfangstagen des Internets die Chance verpasst wurde, gesetzliche Regelungen zu finden, um diese im Alltag der Internetnutzer zu etablieren. Stattdessen wurden das Internet und die damit verbundenen technischen Neuerungen lange politisch ignoriert. Legend\u00e4r ist mittlerweile Angela Merkels Ausspruch vom 19.06.2013, also fast 25 Jahre nachdem das <em>World Wide Web<\/em> online ging: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=D-EUytbzO5Y\" target=\"_blank\">Das Internet ist f\u00fcr uns alle Neuland<\/a>\u201c. Als logische Konsequenz darauf schafften sich die InternetnutzerInnen ihre eigenen Regeln. Diese Regeln sahen leider kaum Zahlungen an Kreativschaffende vor. Stattdessen verdienten sich sp\u00e4ter aufstrebende Tech-Konzerne wie <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.google.de\/\" target=\"_blank\">Google<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Facebook<\/a> eine goldene Nase.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bei allem, was man Negatives \u00fcber das Internet sagen kann, zeigte sich auch ein positives Ph\u00e4nomen: Viele NutzerInnen waren bereit, ohne oder mit nur geringer Bezahlung einen enormen Zeitaufwand zu betreiben, um anderen zu helfen, Wissen zug\u00e4nglich zu machen oder einfach nur zu unterhalten. So entstanden Projekte wie <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wikipedia:Hauptseite\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">YouTube<\/a>, aber auch eine Vielzahl an Foren, Blogs und Chatrooms, in denen man meist kostenlos Fragen stellen konnte und schnell fachkundige Antwort bekam.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich wurden die Strukturen des Internets auch von Anfang an missbraucht. Einige Personen versuchten fr\u00fch, sich selbst mit dem geistigen Eigentum anderer zu profilieren. Ende der 90er waren Musik-Tauschb\u00f6rsen wie <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Napster (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Napster\" target=\"_blank\">Napster<\/a> besonders popul\u00e4r, bei denen NutzerInnen sich gegenseitig im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peer-to-Peer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Peer-to-Peer-Verfahren<\/a> illegale Kopien von Musikst\u00fccken schickten. Diese Urheberrechtsverst\u00f6\u00dfe waren allerdings so offensichtlich, dass die Tauschb\u00f6rsen nach kurzer Zeit wieder schlie\u00dfen mussten. Auch das bereitwillige kostenlose Anbieten von Wissen zeigte schnell seine Schattenseiten. Es etablierte sich die Haltung unter den Nutzern: \u201eWarum f\u00fcr etwas bezahlen, was ich woanders auch umsonst bekomme?\u201c Dies zwang wiederum viele dazu, ihre eigene Arbeit zumindest in Teilen kostenlos anzubieten, um sich auf dem Markt zu etablieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfen Internetkonzerne erkannten diesen Trend zuerst und entwickelten neue Methoden, um mit Klickzahlen Geld zu verdienen \u2013 f\u00fcr sich selbst, wohlgemerkt, nicht f\u00fcr die UrheberInnen! Mit Werbung und Datensammeln erwirtschafteten sie innerhalb k\u00fcrzester Zeit Rekordums\u00e4tze und machten ihre Gr\u00fcnder und CEOs zu Milliard\u00e4ren. Darunter litten vor allem die analogen Kreativschaffenden, also Verlage, die Filmindustrie und nicht zuletzt die Musikbranche. Auf politischem Wege wurde zaghaft versucht, diesem Trend entgegen zu wirken, doch die Bem\u00fchungen scheiterten oft daran, dass das Verst\u00e4ndnis der digitalen Welt begrenzt war und sich die Regeln und Gesetze der analogen Welt nicht so einfach \u00fcbertragen lie\u00dfen. <a href=\"https:\/\/www.jetzt.de\/politik\/junge-politikerinnen-sprechen-ueber-hass-attacken-im-netz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Wer beispielsweise Hasskommentare im Internet bei der Polizei anzeigen m\u00f6chte, sieht sich dort noch immer mit der Frage konfrontiert, in welchem Bundesland denn nun ermittelt werden soll<\/a> \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p>Egal, was man vom Internet h\u00e4lt: Es ist zu einem Teil unseres Lebens geworden. Gerade f\u00fcr j\u00fcngere Menschen ist ein Alltag ohne das Web kaum noch vorstellbar. F\u00fcr manche mag der Anblick eines voll besetzten Busses, in dem alle auf ihr eigenes Smartphone starren, befremdlich erscheinen. Doch das Internet kann mehr als nur <em><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Internet_meme\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Memes<\/a><\/em> und Katzenvideos. Im Laufe der Zeit hat sich eine eigene Kultur entwickelt, mit allen Vor- und Nachteilen. Der Vergleich mit der analogen Welt st\u00f6\u00dft schnell an seine Grenzen, denn hier ist etwas v\u00f6llig Neues entstanden. Die Eigenheiten der digitalen Gesellschaft m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden, besonders, wenn es um Gesetze und Richtlinien geht, die auf Jahrzehnte hin Auswirkungen haben werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Laura\n&amp; Daniel<\/h3>\n\n\n\n<p>Das war <strong>Teil 1<\/strong>, hier geht&#8217;s zu <strong><a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/die-eu-urheberrechtsreform-eine-analyse-in-vier-teilen-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Teil 2: Die Reform.<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber uns: Wir, das Harfenduo Laura Oetzel &amp; Daniel Mattel\u00e9, sind freischaffende MusikerInnen und bei keinem Arbeitgeber fest angestellt. Wir sind keine Mitglieder bei der GEMA oder anderen Verwertungsgesellschaften. Laura Oetzel ist Mitglied im Deutschen Tonk\u00fcnstlerverband (DTKV) und bei Ver.di. Dar\u00fcber hinaus sind wir Mitglieder im Verband der Harfenisten in Deutschland (VdH e.V.). Wir pr\u00e4sentieren einige unserer Konzertmitschnitte \u00fcber die Plattform YouTube, haben dort aber keine Monetarisierung eingeschaltet. Keine der oben genannten Gruppierungen oder Unternehmen unterst\u00fctzt uns finanziell oder hat Einfluss auf unsere Blogbeitr\u00e4ge. Die Beitr\u00e4ge stellen ausschlie\u00dflich unsere pers\u00f6nliche Meinung dar. (Stand: April 2019)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. M\u00e4rz 2019 wurde vom Europaparlament die Richtlinie zur Reform des Urheberrechts beschlossen. Da diese Richtlinie uns als MusikerInnen direkt betrifft, haben wir uns dazu entschlossen, einen Artikel zu schreiben, der sich mit den Argumenten daf\u00fcr und dagegen besch\u00e4ftigt. 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