{"id":2669,"date":"2020-05-17T14:18:21","date_gmt":"2020-05-17T12:18:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=2669"},"modified":"2020-05-17T14:18:22","modified_gmt":"2020-05-17T12:18:22","slug":"corona-verantwortung-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/corona-verantwortung-in-der-krise\/","title":{"rendered":"Corona \u2013 Verantwortung in der Krise"},"content":{"rendered":"\n<p>In diesem Blogbeitrag m\u00f6chten wir der Frage nachgehen, ob und wie freie MusikerInnen in der Krise dazu beitragen k\u00f6nnen, das Corona-Virus nicht weiter zu verbreiten. Ist es im Moment klug, unserem Beruf als MusikschullehrerIn oder KonzertmusikerIn nachzugehen? K\u00f6nnen wir es uns wirtschaftlich leisten, Konzerte abzusagen? Wer tr\u00e4gt die Verantwortung, wenn durch unsere Arbeit Menschen infiziert werden? Dazu machen wir uns hier ein paar Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer unseren Blog schon l\u00e4nger verfolgt, wei\u00df: Wer selbst ein Konzert veranstaltet, braucht eine Veranstaltungshaftpflichtversicherung. Diese verhindert, dass beispielsweise Sch\u00e4den, die durch Besucher am Saal verursacht werden, vom Veranstalter bezahlt werden m\u00fcssen. Oder dass der Veranstalter f\u00fcr die medizinische Versorgung von Besuchern, die sich im Konzert verletzen, aufkommen muss. Auch wenn viele Veranstalter auf eine solche Versicherung verzichten oder gar nichts von ihr wissen, ist dringend davon abzuraten, ein Konzert ohne die Versicherung durchzuf\u00fchren. Die Frage ist n\u00e4mlich nicht, ob die Omi, die \u00fcber den Notenst\u00e4nder stolpert und sich ein Bein bricht, das Harfenduo verklagt, sondern wo sich ihre Krankenversicherung das Geld zur\u00fcckholt. Und nach unserer Erfahrung sind Versicherungsgesellschaften da recht emotions- und kompromisslos.<\/p>\n\n\n\n<p>In Corona-Zeiten k\u00f6nnte eine Versicherung argumentieren, in einem Konzert, in dem sich BesucherInnen angesteckt haben, seien die Hygiene-Vorschriften nicht eingehalten worden. Nun w\u00e4re unter Umst\u00e4nden der Veranstalter in der Pflicht, das Gegenteil zu beweisen \u2013 was schwierig sein d\u00fcrfte, da man wohl immer jemanden f\u00e4nde, der den Sicherheitsabstand nicht eingehalten oder sich nicht die H\u00e4nde gewaschen hat. Besteht dann noch Versicherungsschutz? Inwiefern ist der Veranstalter haftbar? Wir kennen die Antworten auf diese Fragen nicht, aber nach unserer Erfahrung machen sich die wenigsten Veranstalter, geschweige denn MusikerInnen \u00fcber so etwas im Vorfeld Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Risiko Musikunterricht<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieses Szenario scheint weit hergeholt, doch wie sieht es beim Musikunterricht aus? In Musikschulen darf seit kurzer Zeit mancherorts wieder Unterricht stattfinden. Die Auflagen sind zwar streng, allerdings nicht \u00fcberall einheitlich. <a href=\"https:\/\/www.mh-freiburg.de\/hochschule\/covid-19-corona\/risikoeinschaetzung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Laut Risikoeinsch\u00e4tzung der Musikhochschule Freiburg<\/a> ist beispielsweise ein Abstand von 2 Metern auch bei Gesangsunterricht ausreichend, die <a href=\"https:\/\/www.vbg.de\/DE\/3_Praevention_und_Arbeitshilfen\/3_Aktuelles_und_Seminare\/6_Aktuelles\/Coronavirus\/Brancheninfos_Arbeitsschutzstandard\/BuehnenuStudios_Probenbetrieb.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berufsgenossenschaft schl\u00e4gt dagegen 6 Meter vor<\/a>. Auch hier stellt sich die Frage, welche Regelung eine Versicherung zugrunde legen w\u00fcrde, sollten sich Sch\u00fclerInnen in der Musikschule anstecken. 6 Meter Abstand \u2013 das klingt wirklich paranoid und ist in vielen R\u00e4umlichkeiten nicht durchf\u00fchrbar. Doch nach aktuellem Kenntnisstand verbreitet sich das Virus nicht nur durch Tr\u00f6pfchen-Infektion, sondern auch durch winzigste Teilchen, sogenannte \u201eAerosole\u201c, in der Luft. Diese werden beim Singen oder beim Spielen von Blasinstrumenten verst\u00e4rkt im Raum verteilt. Das mussten schon mehrere Ch\u00f6re schmerzlich erfahren: Beispielsweise haben sich <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/musik\/Wie-riskant-ist-Chorsingen-in-Zeiten-von-Corona,coronasingen100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in der Berliner Domkantorei 60 von 80 Chormitgliedern bei einer Probe mit Corona infiziert<\/a> \u2013 obwohl sie die vorgeschriebenen Sicherheitsabst\u00e4nde nach eigenen Angaben eingehalten hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist hier auch niemand direkt juristisch verantwortlich. Dennoch stellt sich die Frage, ob man pers\u00f6nlich und moralisch daf\u00fcr verantwortlich sein m\u00f6chte, f\u00fcr eine Verbreitung des Corona-Virus gesorgt zu haben. Und stellt Euch mal vor, jemand erkrankt schwer an Covid-19, weil Ihr unbedingt ein Konzert durchf\u00fchren oder unterrichten wolltet!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wirksamer Arbeitnehmerschutz \u2013 klappt das unter Corona?<\/h3>\n\n\n\n<p>Soweit zum Schutz von Publikum und Sch\u00fclerInnen. Doch wie sieht es mit dem Schutz der MusikerInnen selbst aus? Fest angestellte MusiklehrerInnen erhalten bei der Unterrichtsplanung Unterst\u00fctzung vom Arbeitgeber und den Gewerkschaften. Die <a href=\"http:\/\/www.vbg.de\/DE\/3_Praevention_und_Arbeitshilfen\/3_Aktuelles_und_Seminare\/6_Aktuelles\/Coronavirus\/Brancheninfos_Arbeitsschutzstandard\/BuehnenuStudios_Probenbetrieb.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berufsgenossenschaft schreibt dazu<\/a>: \u201eDie Verantwortung f\u00fcr die Umsetzung notwendiger Infektionsschutzma\u00dfnahmen tr\u00e4gt der Arbeitgeber entsprechend dem Ergebnis der Gef\u00e4hrdungsbeurteilung. Der Arbeitgeber hat sich von den Fachkr\u00e4ften f\u00fcr Arbeitssicherheit und Betriebs\u00e4rzten beraten zu lassen sowie mit den betrieblichen Interessenvertretungen abzustimmen.\u201c Festangestellte Musiklehrende k\u00f6nnen sich also darauf verlassen, dass bei der Einhaltung der vom Arbeitgeber angeordneten Ma\u00dfnahmen die Verantwortung und Haftung nicht bei ihnen pers\u00f6nlich liegt. Allerdings sind festangestellte Musiklehrende ihrem Arbeitgeber gegen\u00fcber \u201eweisungsgebunden\u201c. Sie k\u00f6nnen dazu verpflichtet werden, zum Pr\u00e4senz-Unterricht zu erscheinen. Im Gegenzug werden sie aber in der Krise weiterbezahlt und sind auch \u00fcber den Arbeitgeber krankenversichert.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwieriger wird es dagegen f\u00fcr PrivatlehrerInnen und Honorarkr\u00e4fte: Sie haben keine betriebliche Interessenvertretung und m\u00fcssen selbst entscheiden, welches Risiko sie auf sich nehmen wollen. Doch stehen sie hier vor einem Dilemma: Unterrichten sie nicht, bekommen sie auch kein Geld und riskieren als Honorarkraft nat\u00fcrlich die K\u00fcndigung. Unterrichten sie und werden krank, bekommen sie aber auch kein Geld. So werden sie unter Umst\u00e4nden zum Unterrichten gedr\u00e4ngt, auch wenn die Hygiene-Vorschriften nicht oder nicht ausreichend eingehalten werden. Dieses Problem trifft \u00fcbrigens nicht nur in Corona-Zeiten zu: Das <a href=\"https:\/\/koeln-bonn-leverkusen.verdi.de\/++file++5abe4ff6af089806b0ceb982\/download\/FfH_Gesamtdarstellung_18-02-13_Mailversion.cleaned.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Forum f\u00fcr Honorarkr\u00e4fte der Rheinischen Musikschule ermittelte 2018 in einer Umfrage<\/a>, dass 67 % der Honorarkr\u00e4fte schon krank unterrichtet haben. Man kann sich ausmalen, wie viele Kinder, Eltern und MitarbeiterInnen auf diese Art schon mit Grippe, Erk\u00e4ltungen o.\u00c4. angesteckt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Honorarkr\u00e4fte befinden sich in einer besonders verwundbaren Lage gegen\u00fcber ihrem Arbeitgeber: Sie tragen ganz allein alle Lohnnebenkosten und das unternehmerische Risiko. Eine solche Konstruktion tr\u00e4gt auch nicht gerade zu einem Betriebsklima bei, in dem Kritik ge\u00e4u\u00dfert wird. Traut man sich als Honorarkraft dann wirklich, sich bei der Musikschulleitung zu beschweren, wenn man die Hygiene-Ma\u00dfnahmen f\u00fcr unzureichend h\u00e4lt?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hilfen f\u00fcr Soloselbstst\u00e4ndige greifen nicht \u00fcberall<\/h3>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der Krise k\u00fcndigte Kulturstaatsministerin Monika Gr\u00fctters vollmundig an, man werde die K\u00fcnstlerInnen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/wir-lassen-niemanden-im-stich-rettungsschirm-fuer-kuenstler-kommt\/25666876.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">nicht im Stich lassen<\/a>. Davon ist mittlerweile leider wenig \u00fcbrig geblieben. Ob und wie gut man als freie(r) K\u00fcnstlerIn durch die Krise kommt, h\u00e4ngt momentan vor allem davon ab, in welchem Bundesland man lebt und wie kulant sich Auftraggeber bei der Zahlung von Ausfallgagen zeigen. Wir wissen es nat\u00fcrlich nicht genau, aber vielleicht baute Frau Gr\u00fctters darauf, dass die Musikszene sich schon irgendwie untereinander hilft. Doch das passierte nur punktuell: <a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/konsequenzen-aus-der-corona-krise\/#solidaritaetnichtueberall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nur wenige Orchester erkl\u00e4rten sich beispielsweise freiwillig bereit, Ausfallgagen zu zahlen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher k\u00fcndigte Frau Gr\u00fctters ein paar Wochen sp\u00e4ter an, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.pnp.de\/nachrichten\/kultur\/54-Millionen-Soforthilfe-fuer-professionelle-Orchester-und-Ensembles-3671416.html\" target=\"_blank\">dass die vom Bund gef\u00f6rderten Orchester Ausfallgagen an die freiberuflichen Aushilfen zahlen sollen.<\/a> Das klang sch\u00f6n, doch seitdem hat man in den Medien dar\u00fcber nichts mehr gelesen. Nach unserer Erfahrung kommen solche Versprechungen selten bei den freien MusikerInnen an. F\u00fcr uns bleiben viele Fragen offen: Wie finde ich heraus, ob das Orchester, in dem ich gespielt h\u00e4tte, vom Bund gef\u00f6rdert wird? Laut Frau Gr\u00fctters sollten auf Landes- und kommunaler Ebene \u00e4hnliche Regelungen getroffen werden. Ist das passiert? Muss ich diese Ausfallgagen extra beantragen oder ist das Orchester verpflichtet, die Gagen zu zahlen? Wer kontrolliert, ob die Orchester der Aufforderung bzw. der Verpflichtung auch nachkommen? Zu guter Letzt noch ein kleiner Haken: Voraussetzung f\u00fcr den Erhalt einer Ausfallgage ist laut der Ministerin, dass der Vertrag mit dem Orchester vor dem 15. M\u00e4rz geschlossen worden ist. Frau Gr\u00fctters ist wohl nicht bewusst, dass die allermeisten Orchester keine Vertr\u00e4ge im Voraus mit ihren Aushilfen abschlie\u00dfen. Selbst langfristig geplante Projekte werden \u201eper Handschlag\u201c am Telefon vereinbart, unter Umst\u00e4nden hat man eine Email als schriftlichen Beweis. Reicht das schon aus, um Anspruch auf die Gagen zu haben?<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/orchesterstiftung.de\/aktuelles\/details\/article\/5\/spendenaktion-musikernothilf-erreicht-ueber-15-mio-euro\/\" target=\"_blank\">Spendenaktionen wie die von der Deutschen Orchesterstiftung<\/a> sind zwar \u00e4u\u00dferst lobenswert, k\u00f6nnen aber die Notlage der MusikerInnen nur lindern, nicht beheben. Zuerst wurden 500 \u20ac Soforthilfe pro Antrag versprochen, dann doch nur 400 \u20ac ausgezahlt. Zwischendurch kommt es immer wieder zu Auszahlungsstopps, weil das Geld ausgegangen ist oder die Antr\u00e4ge nicht mehr bearbeitet werden k\u00f6nnen. Die Antr\u00e4ge werden verst\u00e4ndlicherweise nach Reihenfolge des Eingangs bearbeitet, nicht nach Dringlichkeit. Wie gesagt, dieses ausschlie\u00dflich durch Spenden finanzierte Engagement begr\u00fc\u00dfen wir ausdr\u00fccklich \u2013 doch kann ein einmaliger Betrag von 400 \u20ac niemandem durch die ganze Krise helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Orchester und Veranstalter, die keine Ausfallgagen zahlen wollen, verweisen oft auf die Soforthilfen des Bundes. <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/soforthilfe-greift-nicht-laender-beraten-ueber-dramatische-lage-der-soloselbststaendigen\/25762930.html?ticket=ST-4338176-qxkNab1xkyjdzuG3WXzP-ap3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Doch damit ist es nicht so einfach<\/a>: Neben den freien K\u00fcnstlerInnen leiden auch andere Berufsgruppen wie z.B. freie JournalistInnen darunter, dass das Geld der Soforthilfen nur f\u00fcr \u201ebetriebliche\u201c Ausgaben verwendet werden darf. Ein sogenannter \u201eSoloselbstst\u00e4ndiger\u201c hat aber kaum betriebliche Ausgaben, er ist sein eigener Betrieb und braucht das Geld f\u00fcr den eigenen Lebensunterhalt. Nicht selten wird dann einfach auf Hartz IV als L\u00f6sung verwiesen. In manchen Bundesl\u00e4ndern wurde hier gesetzlich nachgebessert, in manchen nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">So erleben wir pers\u00f6nlich die Krise<\/h3>\n\n\n\n<p>An unserem eigenen Beispiel wollen wir zeigen, wie unangenehm die Lage f\u00fcr die MusikerInnen werden kann, und wie sehr man auf den guten Willen anderer angewiesen ist:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/unsere-konzerte\/harfenduo-konzerte-abgesagt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Unsere Harfenduo-Konzerte mussten wir bis mindestens August absagen<\/a>. Manche davon werden verschoben, andere auf unbestimmte Zeit vertagt. Ein einziger Veranstalter wollte uns unbedingt schon die H\u00e4lfte der Gage auszahlen, und hat einen Nachholtermin f\u00fcr diesen Herbst vereinbart. Bis auf diese eine bewundernswerte Ausnahme k\u00f6nnen wir also mit dem Duo im Moment kein Geld verdienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Laura ist an einer Musikschule als Honorarkraft besch\u00e4ftigt. Das ist unter normalen Bedingungen finanziell jetzt nicht gerade der Sechser im Lotto. Doch die Stadt Sankt Augustin ist sich durch <a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/neues-vom-arbeitsmarkt\/trotz-corona-ausfaellen-musikschule-sankt-augustin-bezahlt-honorarkraefte-weiter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Engagement der Honorarkr\u00e4fte<\/a> ihrer sozialen Verantwortung bewusst geworden und bezahlt ihre freien Lehrenden in der Krise weiter. Das ist unter Musikschulen aber keinesfalls die Regel!<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel verdient sein Geld \u00fcberwiegend mit Orchesteraushilfen und freien Konzerten. Damit kann man \u201ein guten Monaten\u201c deutlich mehr verdienen. Doch im Moment sind alle seine Konzerte abgesagt. Die Orchester, bei denen er gespielt h\u00e4tte, zahlen keine Ausfallgagen, obwohl es sich eindeutig um vom Bundesland gef\u00f6rderte H\u00e4user handelt. Ob sie dazu verpflichtet w\u00e4ren \u2013 wir wissen es nicht genau. Einen schriftlichen Vertrag hatte er jedenfalls nicht vorab, allerdings eine Best\u00e4tigung per Mail von vor dem 15. M\u00e4rz. Die Soforthilfen des Bundes hat er Anfang April beantragt \u2013 au\u00dfer einer Eingangsbest\u00e4tigung hat er noch nichts davon geh\u00f6rt. Wir hoffen, dass sich da noch etwas tut \u2013 aber \u201eSofort\u201c-Hilfe s\u00e4he anders aus&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Um uns m\u00fcsst Ihr Euch aktuell keine Sorgen machen, wir wollen uns nicht beklagen. Doch an unserem Beispiel k\u00f6nnt Ihr sehen, wie willk\u00fcrlich und zuf\u00e4llig die Verteilung der Hilfsmittel ist. Nun stellt Euch vor, jemand muss eine Familie versorgen, ist krank, oder war schon vor der Krise in finanziellen Schwierigkeiten!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, ob ich mich oder andere durch die Aus\u00fcbung meines Berufs anstecke, kann dabei in den Hintergrund geraten. Aus unserem Bekanntenkreis k\u00f6nnen wir von vielen freischaffenden MusikerInnen berichten, die in gro\u00dfe existenzielle N\u00f6te geraten. Honorarkr\u00e4fte, die von ihrer Musikschule gedr\u00e4ngt werden, trotz mangelhafter Hygiene-Bedingungen zu unterrichten; freie OrchestermusikerInnen, die von den Orchestern, f\u00fcr die sie seit Jahren arbeiten, im Regen stehen gelassen werden; DirigentInnen, die nun doch in den Schuldienst gehen wollen. Falls es nicht schon vor Corona klar war, zeigt sich nun immer deutlicher: Die freie Musikszene hat ein Problem!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcbernehmt Verantwortung!<\/h3>\n\n\n\n<p>Letztendlich bleibt es jedem Musiker und jeder Musikerin selbst \u00fcberlassen, zwischen Ansteckungsrisiko und Berufsaus\u00fcbung abzuw\u00e4gen. Wir m\u00f6chten klar dazu ermutigen, vorsichtig zu sein und nicht durch unn\u00f6tigen Kontakt zur Verbreitung des Virus beizutragen. Auch wenn es manchmal unbequem ist oder zu finanziellen Einbu\u00dfen f\u00fchrt. Doch: Verantwortungsbewusstes Handeln muss man sich leisten k\u00f6nnen. Wer wirtschaftlich stark unter den Kontaktsperren leidet oder gar eine Familie versorgen muss, ist nicht frei in seinen Entscheidungen. Deshalb appellieren wir besonders an alle in Verantwortungspositionen, die freien MusikerInnen zu unterst\u00fctzen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>An die Politik: Vergesst uns nicht! Zahlt die geplanten Soforthilfen aus und macht sie unb\u00fcrokratisch und in allen Bundesl\u00e4ndern zug\u00e4nglich!<\/li><li>An die Orchester: Zahlt den freischaffenden Orchesteraushilfen Ausfallgagen! So k\u00f6nnt Ihr daf\u00fcr sorgen, dass die FreiberuflerInnen auch nach der Krise noch ihrem Beruf nachgehen k\u00f6nnen und Euch beim n\u00e4chsten spontanen Ausfall gerne wieder helfen.<\/li><li>An die Musikschulen: Garantiert Euren Honorarkr\u00e4ften die Weiterbezahlung! Sie werden im Gegenzug den Kontakt zu ihren Sch\u00fclerInnen halten, bei Bedarf online unterrichten und so daf\u00fcr sorgen, dass die Sch\u00fclerInnen der Musikschule weiterhin erhalten bleiben.<\/li><li>An alle andere, die privat Musik machen oder ihre Kinder ein Instrument lernen lassen: Wenn Ihr es Euch leisten k\u00f6nnt, bezahlt \u201eEure\u201c MusikerInnen weiter. Ob das der Geigenlehrer der Tochter ist, die Dirigentin Eures Blasorchesters oder die Leiterin Eures Chores \u2013 sie werden es Euch danken und weiter daf\u00fcr sorgen, dass in Eurem Leben die Musik eine wichtige Rolle spielt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Gemeinsam k\u00f6nnen wir das Virus stoppen UND die klassische Musikszene erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Laura &amp; Daniel<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Blogbeitrag m\u00f6chten wir der Frage nachgehen, ob und wie freie MusikerInnen in der Krise dazu beitragen k\u00f6nnen, das Corona-Virus nicht weiter zu verbreiten. Ist es im Moment klug, unserem Beruf als MusikschullehrerIn oder KonzertmusikerIn nachzugehen? K\u00f6nnen wir es uns wirtschaftlich leisten, Konzerte abzusagen? 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