{"id":2779,"date":"2021-02-21T15:49:04","date_gmt":"2021-02-21T14:49:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=2779"},"modified":"2021-02-28T20:23:30","modified_gmt":"2021-02-28T19:23:30","slug":"ehrensache-ueber-bezahlung-in-der-musikbranche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/ehrensache-ueber-bezahlung-in-der-musikbranche\/","title":{"rendered":"Ehrensache \u2013 \u00fcber Bezahlung in der Musikbranche"},"content":{"rendered":"\n<p>Freie MusikerInnen in Deutschland werden bis auf wenige Ausnahmen zu schlecht bezahlt. Diese Tatsache ist kein Geheimnis und d\u00fcrfte auch kaum angezweifelt werden. Nach einer Ausbildung, die sich \u2013 wenn man die Zeit in der Musikschule hinzuz\u00e4hlt \u2013 \u00fcber zwanzig Jahre hinziehen kann, landen viele von uns unvorbereitet auf dem freien Markt und werden pl\u00f6tzlich mit harten Realit\u00e4ten konfrontiert. Musikalisch sind wir \u00fcberqualifiziert, w\u00e4hrend die Begriffe \u201eArbeitsvertrag\u201c, \u201eSelbstmanagement\u201c und \u201eVertragsverhandlungen\u201c f\u00fcr uns Fremdw\u00f6rter sind. In diesem Artikel wollen wir der Frage nachgehen, warum das so ist und wie man es besser machen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer erwartet, dass wir an dieser Stelle \u00fcber die fehlgeleitete Kulturpolitik schimpfen, den m\u00fcssen wir entt\u00e4uschen. Das Problem der prek\u00e4r besch\u00e4ftigten MusikerInnen ist viel komplexer. Wir glauben, dass wir MusikerInnen selbst nicht ganz unschuldig an der verfahrenen Situation sind. Um der Sache auf den Grund zu gehen, werden wir aber zun\u00e4chst etwas weiter ausholen. Also bleibt dran und viel Spa\u00df beim Lesen!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wer bezahlt unsere Renten?<\/h3>\n\n\n\n<p>Fangen wir einmal ganz vorne an und stellen uns eine Frage, die auf den ersten Blick nichts mit dem Thema zu tun hat: Wie werden eigentlich die Renten in Deutschland finanziert? Die Antwort scheint offensichtlich: Als fest angestellte(r) ArbeitnehmerIn zahlt man einen Teil seines Gehalts in die staatliche Rentenkasse ein, um sp\u00e4ter eine Rente ausgezahlt zu bekommen. Selbstst\u00e4ndige und FreiberuflerInnen m\u00fcssen privat vorsorgen. Doch ganz so einfach ist es leider nicht: Demografischer Wandel, Inflation und nicht zuletzt die Arbeitsmarktreformen haben dazu gef\u00fchrt, dass heute die Renten durch die gesetzliche Rentenversicherung allein nicht mehr finanziert werden k\u00f6nnen. Nun k\u00f6nnte man die Renten einfach senken, doch dem stehen gesetzliche und politische H\u00fcrden im Weg. Als L\u00f6sung dieses Problems wird daher ein Teil der Renten \u00fcber den Bundeshaushalt ausgeglichen. Aktuell betr\u00e4gt dieser Zuschuss des Bundes etwa 30 %.<\/p>\n\n\n\n<p>Moment mal, wird der Bundeshaushalt nicht \u00fcber Steuereinnahmen finanziert? Ganz genau! Und Steuern zahlen nicht nur ArbeitnehmerInnen, sondern auch \u2013 zu einem nicht unerheblichen Teil \u2013 Selbstst\u00e4ndige und FreiberuflerInnen. Wir K\u00fcnstlerInnen haben dabei noch Gl\u00fcck, weil wir \u00fcber die K\u00fcnstlersozialkasse in die Rentenkasse einzahlen und sp\u00e4ter wenigstens auf eine kleine gesetzliche Rente bauen k\u00f6nnen. Doch f\u00fcr alle anderen Selbstst\u00e4ndigen gilt: Obwohl sie nicht in die Rentenkasse einzahlen, werden aus ihren Steuern die Renten mitfinanziert, die sie selbst nicht erhalten werden! Das ist wegen einiger l\u00e4stiger Paragrafen des Grundgesetzes (Stichwort Gleichbehandlungsprinzip) problematisch und Rechtsexperten warnen davor, dass der Anteil des Bundeszuschusses nicht \u00fcber 50 % steigen darf.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_1');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_1');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_1\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[1]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_1\" class=\"footnote_tooltip\">Sascha Lobo: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/corona-hilfen-der-deutsche-staat-verachtet-selbststaendige-kolumne-a-49d0ce81-8b0b-4ee7-ada1-5a6f38382ea9\" target=\"_blank\">Der deutsche Staat verachtet Selbstst\u00e4ndige und Kreative<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 19.12.2020 auf spiegel.de<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_1').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_1', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script><\/p>\n\n\n\n<p>Was hat das nun mit den schlechten Arbeitsbedingungen f\u00fcr K\u00fcnstlerInnen zu tun? Auf den ersten Blick erscheint es paradox, dass besonders \u00f6ffentlich finanzierte Stellen wie die der MusikschullehrerInnen in Honorarvertr\u00e4ge umgewandelt werden. Der Staat kann sich dies eigentlich nicht leisten, weil so der Anteil derer, die nicht in die Rentenkasse einzahlen, weiter steigt. Die Erkl\u00e4rung liegt in der Idee, die urspr\u00fcnglich hinter dem Honorar lag.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Honorar als Ehrensold<\/h3>\n\n\n\n<p>Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff \u201eHonorar\u201c? Um diese Frage zu beantworten, muss man weit zur\u00fcckblicken, genauer gesagt: Bis ins Alte Rom. Dort erhielten Rechtsberater kein festes Gehalt, sondern boten ihre Arbeit kostenlos an, um ihr Ansehen zu steigern und ihre Chance auf eine politische Karriere zu erh\u00f6hen. Es war erlaubt, kleine (Geld-)Geschenke anzunehmen, die als \u201ehonorarium\u201c (lat.: \u201ehonor\u201c \u2192 \u201eEhre\u201c) bezeichnet wurden. Daraus entwickelte sich mit der Zeit das feste Honorar, das einem f\u00fcr viele T\u00e4tigkeiten sogar rechtlich zustand.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_2');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_2');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_2\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[2]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_2\" class=\"footnote_tooltip\">vgl. Wikipedia-Eintrag \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Honorar\" target=\"_blank\">Honorar<\/a>\u201c<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_2').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_2', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> Zwar hat sich der Charakter des Honorars \u00fcber die Jahrhunderte sehr ver\u00e4ndert, doch ein Kernmerkmal ist bis heute erhalten geblieben: Da das Honorar kein Gehalt oder Lohn im juristischen Sinne ist, herrscht bei vielen immer noch die Meinung vor, ein Honorar bilde nicht den Gegenwert der Arbeitsleistung ab, sondern sei etwas Zus\u00e4tzliches, quasi ein \u201eEhrensold\u201c, den man sich mehr durch seine Lebensleistung als durch seine tats\u00e4chliche T\u00e4tigkeit verdient h\u00e4tte. Dementsprechend gibt es wenig juristische Vorgaben bez\u00fcglich Honoraren bzw. Honorarvertr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist besonders problematisch, wenn Arbeitskr\u00e4fte dauerhaft auf Honorarbasis besch\u00e4ftigt werden, wie es an Musikschulen h\u00e4ufig der Fall ist: Auf der einen Seite kann der Auftraggeber die Vertr\u00e4ge relativ frei und individuell gestalten \u2013 was, wie kaum \u00fcberraschen d\u00fcrfte, selten zu Gunsten der AuftragnehmerInnen geht \u2013, auf der anderen Seite m\u00fcssen juristische Fragen immer im Einzelfall gekl\u00e4rt werden, sprich: Eine Honorarkraft muss klagen, um festzustellen, ob ihr Honorarvertrag gesetzeswidrig ist. Bei festangestellten ArbeitnehmerInnen ist das deutlich einfacher: Unz\u00e4hlige Paragrafen des BGB schr\u00e4nken die M\u00f6glichkeiten der ArbeitgeberInnen zur Ausbeutung ohnehin ein (K\u00fcndigungsfristen, Mutterschutz, etc.) und es lassen sich leichter gewerkschaftliche Aktionen koordinieren, wenn alle Angestellten \u00e4hnliche Arbeitsvertr\u00e4ge haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von der Festanstellung zum Honorarvertrag<\/h3>\n\n\n\n<p>Erinnern wir uns ein paar Jahrzehnte zur\u00fcck: In den 1980ern und 1990ern war das Wirtschaftswunder lange vorbei, stattdessen gab es \u00d6lkrise, Kohleausstieg und Wiedervereinigung. In der Folge ging immer mehr Kommunen das Geld aus. Aufgrund der komplexen Steuergeld-Verteilung in Deutschland (Stichwort F\u00f6deralismus) konnten die L\u00f6cher in den kommunalen Haushalten nicht einfach mit Bundesmitteln gestopft werden. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach kulturellen Angeboten. Doch da den Musikschulen wenig bis gar kein Geld f\u00fcr diese Bildungs- und Kulturoffensive zugestanden wurde, musste man sich anders behelfen. Und so kam die Idee auf, dass man ja statt der bis dahin \u00fcblichen \u2013 aber teuren \u2013 Festanstellung eine Stelle in viele kleine Honorarvertr\u00e4ge aufteilen k\u00f6nnte. Das hatte den Vorteil, dass man kaum f\u00fcr Zusatzarbeit der Honorarkr\u00e4fte wie Unterrichtsvorbereitung zahlen musste und man dazu noch s\u00e4mtliche Sozialabgaben einsparte. Die Rheinische Musikschule K\u00f6ln beispielsweise konnte bei gleichbleibendem Budget ihr Unterrichtsangebot so ausbauen, dass sich die Zahl der Sch\u00fclerInnen zwischen 1994 und 2018 verdoppelte.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_3');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_3');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_3\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[3]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_3\" class=\"footnote_tooltip\">\u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/koeln-bonn.dgb.de\/themen\/++co++2993b04a-9497-11e8-832c-52540088cada\" target=\"_blank\">Nachgefragt: Honorarkr\u00e4fte der Rheinischen Musikschule wehren sich!<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 31.07.2018 auf koeln-bonn.dgb.de<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_3').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_3', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Idee war urspr\u00fcnglich gar nicht so schlecht, wie es klingt, denn im Kultursektor gibt es naturgem\u00e4\u00df einen hohen Grad an Spezialisierung. Das hei\u00dft: Ein fest angestellter Tuba-Musikschullehrer kommt beispielsweise selten auf eine volle Auslastung, da es logischerweise (bedauerlicherweise?) nicht so viele Kinder gibt, die Tuba lernen wollen wie beispielsweise Gitarre. Er kann aber auch nicht einfach zus\u00e4tzlich Posaune und Trompete unterrichten, wenn er diese Instrumente nicht studiert hat. Bei einem kleinen Budget kann eine Musikschule also nicht endlos verschiedene Unterrichtsangebote im Programm haben. Bei vielen kleinen Stellen mit geringer Stundenzahl k\u00f6nnen sich die Musikschulen dagegen wesentlich breiter aufstellen. Eine Tubaklasse mit drei und eine Posaunenklasse mit vier Sch\u00fclerInnen sind kein Problem mehr, w\u00e4hrend man sich bei einer fest angestellten Lehrkraft wahrscheinlich f\u00fcr ein Fach h\u00e4tte entscheiden m\u00fcssen (vermutlich f\u00fcr Gitarre\u2026).<\/p>\n\n\n\n<p>Die urspr\u00fcngliche Idee war also m\u00f6glicherweise gar nicht, MusikerInnen in die Freiberuflichkeit zu zwingen. Und hier wird die Bedeutung des Wortes Honorar wichtig: Wahrscheinlich ging man davon aus, dass ein(e) MusiklehrerIn niemals nur von Honorarvertr\u00e4gen leben konnte oder wollte! Wie im Alten Rom sollte das Honorar als <em>Zusatzverdienst<\/em> zum eigentlichen Broterwerb dienen. Die Musikschulen und die PolitikerInnen als deren Geldgeber bauten wohl darauf, dass man als MusikerIn schon irgendwo fest angestellt sei und das Unterrichten auf Honorarbasis somit zur \u201eehrenvollen\u201c Zusatzt\u00e4tigkeit w\u00fcrde. Das gleiche gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr Orchester bei ihren Aushilfen und Musikhochschulen bei ihren Lehrbeauftragten. Doch wie kam man auf die Idee, dass die Musikwelt heute noch so auss\u00e4he? Wir f\u00fcrchten, daf\u00fcr sind die MusikerInnen selbst verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die verzerrte Eigenwahrnehmung der klassischen Musik<\/h3>\n\n\n\n<p>Die klassische Musik war bis lange nach dem zweiten Weltkrieg die \u201ePopmusik\u201c der Gesellschaft. So wie man heute die neuesten Songs von Ariana Grande, Justin Bieber oder Weeknd mitpfeifen kann, kannten unsere Eltern und Gro\u00dfeltern die Texte und Melodien aus beliebten Opern und Operetten auswendig. Die Schlagerstars der 1950er und 1960er hatten selbstverst\u00e4ndlich klassische Gesangsausbildungen; auf ihren Platten fanden sich neben deutschen Schlagern auch Arien aus \u201eDie lustige Witwe\u201c oder \u201eDie Fledermaus\u201c. Gleichzeitig war Musik etwas f\u00fcr reiche Leute: Ein Instrument zu lernen kostete Geld, daher war die Nachfrage nach guten LehrerInnen begrenzt. Doch dann kamen auch andere Bev\u00f6lkerungsschichten auf die Idee, Musik machen zu wollen. Die ersten Rockbands tauchten auf und die Jugend sang statt \u201eDa geh\u2019 ich ins Maxim\u201c pl\u00f6tzlich \u201eI can\u2019t get no satisfaction\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben den Eindruck, dass die klassische Musik diesen Wandel bis heute nicht verkraftet hat. Unter klassischen MusikerInnen gilt klassische Musik immer noch als das H\u00f6chste; man muss sie weder vermarkten noch erkl\u00e4ren. Klassische Musik spricht f\u00fcr sich und wer das nicht erkennt oder versteht, hat eben keine Ahnung. Ein sch\u00f6nes Beispiel, das jede(r) MusikerIn kennen d\u00fcrfte, ist, wenn einem im Unterricht erkl\u00e4rt wird, man w\u00fcrde der Musik nicht \u201egerecht\u201c werden. Wir erinnern uns noch gut an einen Meisterkurs aus unserer Studienzeit, bei dem eine Professorin einer Studentin mitteilte, so wie sie spiele sei es \u201eschade f\u00fcr die Musik\u201c. Die Musik wird hier personifiziert; man kann ihr huldigen, sie aber auch missachten und beleidigen. Dieser Meinung ist auch Will Cheng, Chair and Associate Professor of Music am US-amerikanischen Dartmouth College. In seinem Buch \u201eLoving music till it hurts\u201c<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_4');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_4');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_4\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[4]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_4\" class=\"footnote_tooltip\">Will Cheng: <a href=\"https:\/\/willxcheng.com\/loving\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Loving music till it hurts<\/a>, Oxford University Press, 2019, S. 20-27<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_4').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_4', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> schreibt er:<\/p>\n\n\n\n<span class=\"tooltip tooltip-img\"><span class=\"tooltip-content\">\u201eWir lieben Musik so sehr, dass wir \u00fcber sie als lebendes, f\u00fchlendes Wesen sprechen. (\u2026) Aber hat ein musikalisches Werk W\u00fcrde? Kann es Schmerzen sp\u00fcren? Hat es Rechte? (\u2026) Wenn wir die Vibrationen der Musik in unserem K\u00f6rper f\u00fchlen, bewegt sie uns dazu, einf\u00fchlsam zu reagieren. Wenn wir den Eindruck haben, dass unserer geliebten Musik weh getan wird, tut es auch uns ein bisschen weh. (\u2026) Noch schlimmer: Das Besch\u00fctzen der Lieblingsmusik k\u00f6nnte einen dazu bringen, einen Star zu verteidigen, dem mehrfach Sexualverbrechen vorgeworfen wurden, und weiterhin sein musikalisches Schaffen zu f\u00f6rdern.\u201c<\/span>\u201eWe love music so much that we might talk about it as an animate, sentient being. (\u2026) But does musical work have dignity? Can it sense pain? Does is have rights? (\u2026) As music vibrates our bodies sympathetically, it moves us to react empathetically. When we perceive our beloved music hurting, we hurt a little, too. (\u2026) More grievously, a protectiveness of your favorite music could motivate you to defend and continue to patronize the music of a superstar who has been multiply accused of sex crimes.\u201c<\/span>\n\n\n\n\n<p>\u2013 Prof. Will Cheng<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Musik nicht gerecht werden<\/h3>\n\n\n\n<p>Aus dieser Haltung heraus entsteht schnell der Verdacht, ein(e) MusikerIn ohne solistische Weltkarriere habe es nicht geschafft, der Musik \u201egerecht\u201c zu werden. Wir beobachten schon l\u00e4nger, dass dadurch eine unangenehme Zweiteilung der Szene entsteht: Auf der einen Seite stehen die MusikerInnen in den gro\u00dfen Orchestern, die ProfessorInnen und die SolistInnen, auf der anderen Seite die freien MusikerInnen wie Orchesteraushilfen, Lehrbeauftragte und Honorarkr\u00e4fte. Das Problem dabei ist, dass die Interessen der Musikszene nach au\u00dfen fast ausschlie\u00dflich von Angeh\u00f6rigen der ersten Gruppe vertreten werden. Logischerweise bilden diese Interessen aber eher die Bed\u00fcrfnisse dieser Gruppe ab. Anders ausgedr\u00fcckt: Ein(e) ProfessorIn wird sich wohl eher nicht f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen von Honorarkr\u00e4ften oder Orchesteraushilfen einsetzen (au\u00dfer seine oder ihre Aufmerksamkeit wird durch pers\u00f6nliche Verstrickungen auf das Thema gelenkt).<\/p>\n\n\n\n<p>Was gerne vergessen wird: Diese erste Gruppe wird massiv subventioniert, sonst k\u00f6nnte sie in dieser Form gar nicht existieren. In der zweiten Gruppe l\u00e4uft dagegen viel mehr nach den Regeln des freien Marktes ab. Ein besonders eindr\u00fcckliches Beispiel hierf\u00fcr sind die Orchesteraushilfen: W\u00e4hrend die Geh\u00e4lter der fest angestellten OrchestermusikerInnen in der Regel durch die \u00f6ffentlichen F\u00f6rdermittel gedeckt sind, gelten Aushilfsgagen als \u201eBetriebskosten\u201c, die z.B. durch Kartenverk\u00e4ufe gegenfinanziert werden m\u00fcssen. Es verwundert daher nicht, dass die meisten Orchester versuchen, diese Kosten so gering wie m\u00f6glich zu halten bzw. sie gar nicht in der Lage sind, faire Bezahlungen durch ihre Einnahmen zu decken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unterrichten \u2013 nur eine Nebent\u00e4tigkeit?<\/h3>\n\n\n\n<p>Leider stellt eine T\u00e4tigkeit als MusikschullehrerIn oder Orchesteraushilfe f\u00fcr viele MusikerInnen der ersten Gruppe tats\u00e4chlich nur eine Zusatzbesch\u00e4ftigung dar. Nicht wenige fest angestellte MusikerInnen unterrichten nebenher noch ein bisschen privat oder spielen gelegentlich als Aushilfe in anderen Orchestern. Manche haben auch ohne finanzielle Not zwei oder mehr Jobs. Das alles muss in unserer Branche angeblich so sein, um \u201edie Karriere\u201c voranzutreiben. Diese Art des Unterrichtens gilt dann doch wieder als \u201eehrenvoll\u201c. Was gibt es schlie\u00dflich honorigeres, als das <em>eigene Wissen<\/em> an k\u00fcnftige Generationen weiterzugeben? Es gibt viele MusikerInnen, die fest in einem Orchester angestellt sind und nebenher noch eine Professur innehaben. Wir haben einige Jahre Berufserfahrung gebraucht, um zu erkennen, dass diese Art Mehrfachanstellung in anderen Branchen absolut un\u00fcblich ist. Juristisch ist das auch nicht unproblematisch: In der Regel ist man ArbeitgeberInnen gegen\u00fcber auskunftspflichtig \u00fcber etwaige Nebeneink\u00fcnfte; manche Arbeitnehmerschutz-Regelungen wie die Einhaltung von Ruhezeiten gelten \u00fcbergreifend f\u00fcr alle T\u00e4tigkeiten. Doch anscheinend kann man das alles noch toppen: Uns wurde berichtet, dass manche fest angestellten MusikerInnen Zusatzbesch\u00e4ftigungen wie Mucken komplett ohne Bezahlung ausf\u00fchren. Weil es f\u00fcr sie \u2013 ganz im Sinne der r\u00f6mischen Rechtsberater \u2013 eine solche Ehre ist. F\u00fcr die freien MusikerInnen, die auf solche Einnahmen angewiesen sind, zerst\u00f6rt es leider den Arbeitsmarkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele MusikerInnen der zweiten Gruppe schweigen dazu; sie sch\u00e4men sich, weil sie ihrer Meinung nach der Musik nicht gerecht geworden sind. In ihren K\u00f6pfen ist das Unterrichten auch nur eine Nebent\u00e4tigkeit \u2013 die sie leider in Vollzeit aus\u00fcben m\u00fcssen, weil es mit der Karriere \u201enicht so geklappt\u201c hat. Dass sie hervorragende p\u00e4dagogische Arbeit leisten, kann ihre Minderwertigkeitskomplexe kaum verringern. Das h\u00e4lt sie davon ab, sich f\u00fcr ihre Rechte einzusetzen und gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu protestieren. Diese zweite Gruppe wird immer gr\u00f6\u00dfer. Allein im Zeitraum von 2000 bis 2012 hat sich die Zahl der AbsolventInnen an deutschen Musikhochschulen um 43 % erh\u00f6ht, w\u00e4hrend die Zahl der festen Stellen, beispielsweise in Orchestern, zur\u00fcckgegangen ist. Als Konsequenz stieg die Zahl der freiberuflichen MusikerInnen von 1992 bis 2015 um 250 %. Etwa 70 % der deutschen MusikhochschulabsolventInnen gab 2014 in einer Studie an, sie seien im Studium schlecht zu beruflichen Perspektiven beraten worden.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_5');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_5');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_5\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[5]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_5\" class=\"footnote_tooltip\">Die Angaben stammen aus einer bundesweiten Studie der Oboistin und Musikforscherin Esther Bishop. Die Ergebnisse wurden im Artikel \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/van.atavist.com\/post-musikstudium\" target=\"_blank\">Nach uns die Sintflut<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 29.08.2018 auf van.atavist.com, besprochen.<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_5').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_5', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> Diese Entwicklung ist an Teilen der Musikszene anscheinend unbemerkt vorbeigezogen \u2013 der Ausbildungsfokus liegt an deutschen Musikhochschulen nach wie vor auf den solistischen F\u00e4higkeiten und dem Orchesterspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild der klassischen Musik, welches in unseren K\u00f6pfen vorherrscht, hat mit dem Berufsalltag der meisten MusikerInnen nichts mehr zu tun. In den letzten Jahrzehnten hat die Auff\u00fchrung von Musik in den klassischen Formaten an Bedeutung verloren, w\u00e4hrend die P\u00e4dagogik immer wichtiger geworden ist \u2013 eigentlich, denn mit dem Verlust des Status als Popmusik ging auch ein Realit\u00e4tsverlust einher. Daher wurde der Zustand, in dem wir uns in den 1960ern befanden, quasi eingefroren und konserviert. Das trifft neben dem oben beschriebenen Bild auch auf die p\u00e4dagogischen Standards zu, die an Musikhochschulen und teilweise auch an Musikschulen gelten. An der #metoo-Debatte l\u00e4sst sich ablesen, dass manche LehrerInnen noch heute unterrichten wie vor 70 Jahren. Einige der schlimmsten Ausw\u00fcchse dieser \u201eP\u00e4dagogik\u201c haben wir k\u00fcrzlich in unserem Beitrag \u201eDu spielst wie M\u00fcll\u201c f\u00fcr den \u201eBad Blog Of Musick\u201c der nmz gesammelt.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_6');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_6');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_6\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[6]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_6\" class=\"footnote_tooltip\">Laura Oetzel &amp; Daniel Mattel\u00e9: \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2021\/01\/20\/du-spielst-wie-muell-gastbeitrag-des-harfenduos-zum-thema-machtmissbrauch-in-der-musikalischen-ausbildung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Du spielst wie M\u00fcll<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 20.01.2021 auf blogs.nmz.de\/badblog\/<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_6').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_6', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-wp-embed is-provider-bad-blog-of-musick wp-block-embed-bad-blog-of-musick\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote hcb-fetch-image-from=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2021\/01\/20\/du-spielst-wie-muell-gastbeitrag-des-harfenduos-zum-thema-machtmissbrauch-in-der-musikalischen-ausbildung\/\" class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"AVjmqx7mTg\"><a href=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2021\/01\/20\/du-spielst-wie-muell-gastbeitrag-des-harfenduos-zum-thema-machtmissbrauch-in-der-musikalischen-ausbildung\/\">&#8222;Du spielst wie M&#252;ll&#8220; Gastbeitrag des &#8222;Harfenduos&#8220; zum Thema Machtmissbrauch in der musikalischen Ausbildung<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;&#8222;Du spielst wie M&#252;ll&#8220; Gastbeitrag des &#8222;Harfenduos&#8220; zum Thema Machtmissbrauch in der musikalischen Ausbildung&#8220; &#8212; Bad Blog Of Musick\" src=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2021\/01\/20\/du-spielst-wie-muell-gastbeitrag-des-harfenduos-zum-thema-machtmissbrauch-in-der-musikalischen-ausbildung\/embed\/#?secret=AVjmqx7mTg\" data-secret=\"AVjmqx7mTg\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unterst\u00fctzung f\u00fcr freie K\u00fcnstlerInnen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Es ist nicht so, dass es keine MusikerInnen der \u201eersten Gruppe\u201c, wie wir sie genannt haben, gibt, die sich f\u00fcr die Belange der \u201ezweiten Gruppe\u201c einsetzen. Der Komponist Matthias Hornschuh kritisiert in einem Beitrag f\u00fcr die FAZ beispielsweise den Umgang des Staates mit den K\u00fcnstlerInnen.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_7');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_7');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_7\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[7]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_7\" class=\"footnote_tooltip\">Matthias Hornschuh und Nina George: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/matthias-hornschuh-und-nina-george-zur-lage-der-kuenstler-17171962.html\" target=\"_blank\">Denn sie wissen nicht, was wir tun<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 30.01.2021 auf faz.net<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_7').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_7', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> Er bem\u00e4ngelt, dass die K\u00fcnstlerInnen nicht als ganz normale SteuerzahlerInnen oder UnternehmerInnen gesehen w\u00fcrden, sondern in die Schublade \u201eLebensk\u00fcnstlerInnen\u201c gesteckt w\u00fcrden. Doch auch bei solchen F\u00fcrsprechern der freien Szene kann man unserer Meinung nach das veraltete Selbstbild der MusikerInnen erkennen. So meint Hornschuh beispielsweise, ein Gitarrist w\u00fcrde vom Urheberrecht leben. An anderer Stelle schreibt er, K\u00fcnstlerInnen verst\u00fcnden sich als Teil einer \u201eSymbiose, mit Labels, Verlagen, B\u00fchnen\u201c. Damit zieht er exemplarisch die Grenze zwischen Kreativschaffenden und MusiknutzerInnen dort, wo sie vielleicht vor einigen Jahrzehnten verlief: Die MusikerInnen befinden sich alle auf der profitierenden Seite der Rechteverwertung, die Musiknutzer auf der zahlenden. Aus dieser Vorstellung heraus kritisiert er die Gesetzgeber: Um den Selbstst\u00e4ndigen zu helfen, m\u00fcssten sie die RechteinhaberInnen st\u00e4rken, zum Beispiel durch ein besseres Urheberrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist unserer Meinung nach ein Fehlschluss, denn im Berufsalltag profitieren eben nicht alle MusikerInnen von der Rechteverwertung. Jede(r) InstrumentallehrerIn d\u00fcrfte beispielsweise das Problem kennen, dass Noten f\u00fcr Sch\u00fclerInnen zwar nicht kopiert werden d\u00fcrfen, gekaufte Noten f\u00fcr jede(n) einzelne(n) Sch\u00fclerIn aber viel zu teuer sind. Als L\u00f6sung dieses Problems schreiben viele LehrerInnen selbst \u00dcbungsst\u00fccke f\u00fcr ihre Sch\u00fclerInnen \u2013 eine Arbeit, die ihnen im Zuge eines Honorarvertrags nicht verg\u00fctet wird. Oder sie kopieren eben doch unerlaubterweise gesch\u00fctzte Werke. F\u00fcr Musikschulen gibt es inzwischen einen Pauschalvertrag mit der GEMA, um dieses Problem zu l\u00f6sen.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_8');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_8');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_8\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[8]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_8\" class=\"footnote_tooltip\">\u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.freie-musikschulen.de\/fotokopieren-in-musikschulen-gema-und-vg-musikedition-schliessen-pauschalvertrag-mit-bundesverband-der-freien-musikschulen\/\" target=\"_blank\">Fotokopieren in Musikschulen: GEMA und VG Musikedition schlie\u00dfen Pauschalvertrag mit Bundesverband der Freien Musikschulen<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 22.01.2018 auf freie-musikschulen.de<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_8').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_8', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> Dieser existiert allerdings erst seit 2018. PrivatlehrerInnen stehen nach wie vor diesem Problem. Ein anderes Beispiel haben wir in unserem Artikel \u201eMusik mit Staubflocken dran \u2013 Begegnungen mit der GEMA\u201c<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_9');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_9');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_9\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[9]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_9\" class=\"footnote_tooltip\">Laura Oetzel &amp; Daniel Mattel\u00e9: \u201e<a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/unser-alltag\/musik-mit-staubflocken-dran-begegnungen-mit-der-gema-teil-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Musik mit Staubflocken dran \u2013 Begegnungen mit der GEMA<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 09.08.2019 auf dasharfenduo.de<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_9').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_9', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> beschrieben: Wenn man als MusikerIn selbst ein Konzert veranstaltet, das nicht subventioniert wird, k\u00f6nnen die GEMA-Geb\u00fchren den gesamten Gewinn auffressen. Im veralteten Bild der klassischen Musik kommt dieser Fall nicht vor, denn hier wird man nat\u00fcrlich von VeranstalterInnen, die auch die GEMA-Geb\u00fchren bezahlen, engagiert. Man kann als freie(r) K\u00fcnstlerIn heutzutage aber nicht endlos darauf warten, dass man f\u00fcr Auftritte engagiert wird, weil es einfach zu viele freie K\u00fcnstlerInnen gibt. Mit anderen Worten: Viele MusikerInnen der \u201ezweiten Gruppe\u201c m\u00fcssen sich beruflich breiter aufstellen und stehen mittlerweile auf beiden Seiten der Rechteverwertung \u2013 wenn \u00fcberhaupt: Es gibt bestimmt viele MusikerInnen, die in ihrer ganzen Karriere keinen Cent durch Rechteverwertung verdienen (so wie wir, das Harfenduo!).<div class=\"column one-second mobile-one\"><div class=\"mcb-column-inner\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-bundesverband-der-freien-musikschulen wp-block-embed-bundesverband-der-freien-musikschulen\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote hcb-fetch-image-from=\"https:\/\/www.freie-musikschulen.de\/fotokopieren-in-musikschulen-gema-und-vg-musikedition-schliessen-pauschalvertrag-mit-bundesverband-der-freien-musikschulen\/\" class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"nYWrtUbT6k\"><a href=\"https:\/\/www.freie-musikschulen.de\/fotokopieren-in-musikschulen-gema-und-vg-musikedition-schliessen-pauschalvertrag-mit-bundesverband-der-freien-musikschulen\/\">Fotokopieren in Musikschulen: GEMA und VG Musikedition schlie\u00dfen Pauschalvertrag mit Bundesverband der Freien Musikschulen<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Fotokopieren in Musikschulen: GEMA und VG Musikedition schlie\u00dfen Pauschalvertrag mit Bundesverband der Freien Musikschulen&#8220; &#8212; Bundesverband der Freien Musikschulen\" src=\"https:\/\/www.freie-musikschulen.de\/fotokopieren-in-musikschulen-gema-und-vg-musikedition-schliessen-pauschalvertrag-mit-bundesverband-der-freien-musikschulen\/embed\/#?secret=nYWrtUbT6k\" data-secret=\"nYWrtUbT6k\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/div><\/div>\n<div class=\"column one-second mobile-one\"><div class=\"mcb-column-inner\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-das-harfenduo wp-block-embed-das-harfenduo\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote hcb-fetch-image-from=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/unser-alltag\/musik-mit-staubflocken-dran-begegnungen-mit-der-gema-teil-1\/\" class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"64cW6xvLyx\"><a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/unser-alltag\/musik-mit-staubflocken-dran-begegnungen-mit-der-gema-teil-1\/\">\u201eMusik mit Staubflocken dran\u201c \u2013 Begegnungen mit der GEMA, Teil 1<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u201eMusik mit Staubflocken dran\u201c \u2013 Begegnungen mit der GEMA, Teil 1&#8220; &#8212; Das Harfenduo\" src=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/unser-alltag\/musik-mit-staubflocken-dran-begegnungen-mit-der-gema-teil-1\/embed\/#?secret=64cW6xvLyx\" data-secret=\"64cW6xvLyx\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/div><\/div>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Und es gibt einen weiteren Fehlschluss in dieser Argumentation, mit dem wir wieder auf den Anfang dieses Artikels zur\u00fcckkommen: Der Gesetzgeber hat \u00fcberhaupt kein Interesse daran, die Arbeitsbedingungen f\u00fcr selbstst\u00e4ndige K\u00fcnstlerInnen zu verbessern. Das w\u00fcrde n\u00e4mlich bedeuten, dass die Freiberuflichkeit eine ernsthafte Alternative zur Festanstellung w\u00fcrde, was die gesetzliche Rentenversicherung sich nicht leisten kann. \u201eDer deutsche Staat verachtet Selbstst\u00e4ndige und Kreative\u201c formuliert es Sascha Lobo im SPIEGEL etwas \u00fcberspitzt.<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_10');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_10');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_10\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[10]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_10\" class=\"footnote_tooltip\">Sascha Lobo: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/corona-hilfen-der-deutsche-staat-verachtet-selbststaendige-kolumne-a-49d0ce81-8b0b-4ee7-ada1-5a6f38382ea9\" target=\"_blank\">Der deutsche Staat verachtet Selbstst\u00e4ndige und Kreative<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 19.12.2020 auf spiegel.de<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_10').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_10', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> Matthias Hornschuhs Engagement f\u00fcr die Selbst\u00e4ndigen ist aller Ehren wert und wir m\u00f6chten ihm \u2013 trotz seines Aufsichtsratsposten bei der GEMA \u2013 auch keinen einseitigen Lobbyismus unterstellen. Doch auch bei so einem gut gemeinten Engagement besteht immer die Gefahr, dass Verbesserungen nur denen n\u00fctzen, die so gut von der Freiberuflichkeit leben k\u00f6nnen, dass sie tats\u00e4chlich keine Festanstellung wollen oder brauchen. Das trifft aber nur auf ganz wenige der Szene zu. Wenn man dagegen Umfragen an Musikschulen durchf\u00fchrt, ob man lieber fest angestellt w\u00e4re, d\u00fcrfte dem die \u00fcberwiegende Mehrheit zustimmen. Die Verbesserung der Arbeitsbedingen f\u00fcr Honorarkr\u00e4fte stellt f\u00fcr sie nur eine \u00dcbergangsl\u00f6sung dar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wer hat \u00fcberhaupt ein Interesse an besseren Arbeitsbedingungen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Die GeldgeberInnen von Kultureinrichtungen haben kein Interesse daran, die Breite des Kulturangebots auf Kosten besserer Arbeitsbedingungen einzuschr\u00e4nken. Im Musikschulbereich konnten durch Projekte wie \u201eJedem Kind ein Instrument\u201c (JeKI) bzw. dessen Nachfolger \u201eJedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen\u201c (JeKits)<span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_11');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_2779_1('footnote_plugin_reference_2779_1_11');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_2779_1_11\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[11]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_11\" class=\"footnote_tooltip\">vgl. Wikipedia-Eintrag \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/JeKits_%E2%80%93_Jedem_Kind_Instrumente,_Tanzen,_Singen\" target=\"_blank\">JeKits \u2013 Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen<\/a>\u201c<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_2779_1_11').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_2779_1_11', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script> Kinder erreicht werden, die sonst keinen Zugang zu Musik gehabt h\u00e4tten. Quantit\u00e4t statt Qualit\u00e4t ist die Devise \u2013 aktuell im Trend sind Kooperationen mit Kitas und Grundschulen im Bereich der musikalischen Fr\u00fcherziehung. Das ist nur durch den fl\u00e4chendeckenden Einsatz von \u00fcberqualifizierten Honorarkr\u00e4ften bzw. deren Selbstausbeutung m\u00f6glich. Ein Umdenken ist erst zu erwarten, wenn die Musikschulen keine K\u00fcnstlerInnen mehr finden, die bereit sind, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Das gleiche trifft auf andere ArbeitgeberInnen zu, zum Beispiel die Orchester: Wir haben es oft erlebt, dass das Niveau vor allem kleinerer Orchester durch den exzessiven Einsatz von externen Aushilfen stieg, obwohl sie nur ein Bruchteil von dem verdienten, was die fest angestellten MusikerInnen bekamen. F\u00fcr die Orchester eine Win-Win-Situation: Sie sparen durch die Stellenk\u00fcrzungen bares Geld, doch das Niveau und damit das Ansehen des Orchesters steigt. Auch sind so selbst in kleinen Orchestern publikumswirksame Projekte mit riesigen Besetzungen m\u00f6glich. Man k\u00f6nnte nun glauben, dass die Dienste einer Aushilfe dadurch besonders gesch\u00e4tzt w\u00fcrden, doch leider ist das Gegenteil der Fall: Oft werden Aushilfen \u00fcberkritisch beurteilt und sind nicht selten Mobbing und Ausgrenzung ausgesetzt. Auch hier wird das Ansehen und damit die Bezahlung erst dann aufgewertet werden, wenn kein \u00dcberangebot an Aushilfen mehr existiert, aus dem man sich die Rosinen herauspicken kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das d\u00fcrfte erst dann erreicht werden, wenn wir an unseren Musikhochschulen deutlich weniger MusikerInnen ausbilden und die Ausbildung besser am aktuellen Berufsbild ausrichten. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Musikhochschulen m\u00fcssten damit zumindest kurzfristig gegen ihre eigenen Interessen handeln. Vom \u00dcberangebot des Marktes profitieren letztendlich auch sie selbst. Es ist schwer zu beurteilen, ob der massive Ausbau des Angebots an Musikhochschulen und die damit steigende Anzahl an AbsolventInnen eine Folge des Arbeitsmarktwandels war oder umgekehrt. Wahrscheinlich war es ein Teufelskreis, der f\u00fcr beide Seiten zu viele Vorteile hatte, um die langfristigen Folgen zu bedenken. Doch die Musikhochschulen w\u00e4ren in der Lage, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Die Zahl der AbsolventInnen lie\u00dfe sich schon ganz am Anfang des Studiums durch eine Versch\u00e4rfung der Aufnahmepr\u00fcfung reduzieren. In den letzten Jahren geschah leider das Gegenteil: An vielen Hochschulen wurden und werden zunehmend (gut bezahlte) Stellen f\u00fcr exotische Instrumente und Nebenf\u00e4cher geschaffen, f\u00fcr die es zwar keinen Arbeitsmarkt gibt, die aber dem Haus den Ruf eines weltoffenen und allumfassenden Bildungstempels einbringen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Und nun?<\/h3>\n\n\n\n<p>Fassen wir zusammen: Wenn wir etwas an den Arbeitsbedingungen der K\u00fcnstlerInnen verbessern wollen, sind h\u00f6here Honorare auf Dauer nicht die L\u00f6sung. Der Staat als Geldgeber vieler Kultureinrichtungen hat kein Interesse daran, die Selbstst\u00e4ndigkeit attraktiver zu machen, weil er sich dies wegen des m\u00f6glicherweise verfassungswidrigen Zuschusses aus Steuermitteln zur Rentenkasse nicht leisten kann. Eine Einschr\u00e4nkung des Angebotes, welche mit der R\u00fcckkehr zur Festanstellung vermutlich einhergehen w\u00fcrde, wird nicht freiwillig erfolgen. Daher ist aus dieser Richtung langfristig keine Hilfe zu erwarten, im Gegenteil: Grunds\u00e4tzlich w\u00e4re es f\u00fcr die Rentenkasse besser, wenn die Arbeitsbedingungen der Honorarkr\u00e4fte oder Orchesteraushilfen schlecht blieben, damit sie sich andere, feste Jobs suchen oder diese T\u00e4tigkeiten als Nebenjobs zu einer Festanstellung aus\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir bessere Arbeitsbedingungen f\u00fcr viele und nicht nur einzelne haben wollen, werden wir als klassische Musikszene in Zukunft besser zusammenarbeiten m\u00fcssen. Dazu m\u00fcssen wir endlich das veraltete Bild der 1950er und 1960er Jahre aus unseren K\u00f6pfen bekommen! Die Welt hat sich weiterentwickelt: Vollzeit-MusiklehrerInnen sind nicht mehr die gescheiterten SolistInnen, sondern die Eckpfeiler der Szene. Sie erm\u00f6glichen der ganzen Gesellschaft einen Zugang zur klassischen Musik, indem sie Kindern zeigen, wie wunderbar und vielseitig sie sein kann. Eindimensionale Sinfoniekonzerte und v\u00f6llig abgehobene Operninszenierungen sind schon lange nicht mehr das Zugpferd der klassischen Musik. Diese Erkenntnis muss sich in den Musikhochschulen durchsetzen. Dort entscheidet sich letztendlich, welches Bild wir MusikerInnen in Zukunft abgeben werden. Wir fordern die Musikhochschulen auf, sich der Verantwortung, die sie f\u00fcr die gesamte Szene haben, zu stellen!<\/p>\n\n\n\n<p>Bis es soweit ist, k\u00f6nnen wir MusikerInnen im Kleinen selbst \u00fcberlegen, was wir zur Verbesserung beitragen k\u00f6nnen. Muss ich als OrchestermusikerIn wirklich noch drei Musikschulstellen haben, auch wenn ich von meinem Orchestergehalt eigentlich gut leben kann? Muss ich als ProfessorIn wirklich st\u00e4ndig Aushilfe in Orchestern spielen und dabei noch nicht mal nach Fahrtkosten fragen? Muss ich als SolistIn wirklich eine f\u00fcnfstellige Gage bekommen, w\u00e4hrend meine Ensemblekollegen mit 100 \u20ac und einem warmen H\u00e4ndedruck abgespeist werden? Wir hoffen, dass durch diesen Artikel der eine oder die andere zum Nachdenken angeregt wird und eine (oder alle&#8230;) dieser Fragen mit \u201eNein\u201c beantworten kann. Das w\u00fcrde schon jetzt die Arbeitsmarktsituation f\u00fcr viele freie MusikerInnen dramatisch verbessern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Laura &amp; Daniel<\/h3>\n<div class=\"speaker-mute footnotes_reference_container\"> <div class=\"footnote_container_prepare\"><p><span role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"footnote_reference_container_label pointer\" onclick=\"footnote_expand_collapse_reference_container_2779_1();\">Quellen und Anmerkungen<\/span><span role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"footnote_reference_container_collapse_button\" style=\"display: none;\" onclick=\"footnote_expand_collapse_reference_container_2779_1();\">[<a id=\"footnote_reference_container_collapse_button_2779_1\">+<\/a>]<\/span><\/p><\/div> <div id=\"footnote_references_container_2779_1\" style=\"\"><table class=\"footnotes_table footnote-reference-container\"><caption class=\"accessibility\">Quellen und Anmerkungen<\/caption> <tbody> \r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi\" ><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_1\" class=\"footnote_backlink\" onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_1');\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>1,<\/a> <a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_10\" class=\"footnote_backlink\" onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_10');\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>10<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Sascha Lobo: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/corona-hilfen-der-deutsche-staat-verachtet-selbststaendige-kolumne-a-49d0ce81-8b0b-4ee7-ada1-5a6f38382ea9\" target=\"_blank\">Der deutsche Staat verachtet Selbstst\u00e4ndige und Kreative<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 19.12.2020 auf spiegel.de<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_2');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_2\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>2<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">vgl. Wikipedia-Eintrag \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Honorar\" target=\"_blank\">Honorar<\/a>\u201c<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_3');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_3\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>3<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">\u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/koeln-bonn.dgb.de\/themen\/++co++2993b04a-9497-11e8-832c-52540088cada\" target=\"_blank\">Nachgefragt: Honorarkr\u00e4fte der Rheinischen Musikschule wehren sich!<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 31.07.2018 auf koeln-bonn.dgb.de<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_4');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_4\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>4<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Will Cheng: <a href=\"https:\/\/willxcheng.com\/loving\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Loving music till it hurts<\/a>, Oxford University Press, 2019, S. 20-27<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_5');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_5\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>5<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Die Angaben stammen aus einer bundesweiten Studie der Oboistin und Musikforscherin Esther Bishop. Die Ergebnisse wurden im Artikel \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/van.atavist.com\/post-musikstudium\" target=\"_blank\">Nach uns die Sintflut<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 29.08.2018 auf van.atavist.com, besprochen.<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_6');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_6\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>6<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Laura Oetzel &amp; Daniel Mattel\u00e9: \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2021\/01\/20\/du-spielst-wie-muell-gastbeitrag-des-harfenduos-zum-thema-machtmissbrauch-in-der-musikalischen-ausbildung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Du spielst wie M\u00fcll<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 20.01.2021 auf blogs.nmz.de\/badblog\/<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_7');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_7\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>7<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Matthias Hornschuh und Nina George: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/matthias-hornschuh-und-nina-george-zur-lage-der-kuenstler-17171962.html\" target=\"_blank\">Denn sie wissen nicht, was wir tun<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 30.01.2021 auf faz.net<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_8');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_8\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>8<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">\u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.freie-musikschulen.de\/fotokopieren-in-musikschulen-gema-und-vg-musikedition-schliessen-pauschalvertrag-mit-bundesverband-der-freien-musikschulen\/\" target=\"_blank\">Fotokopieren in Musikschulen: GEMA und VG Musikedition schlie\u00dfen Pauschalvertrag mit Bundesverband der Freien Musikschulen<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 22.01.2018 auf freie-musikschulen.de<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_9');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_9\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>9<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Laura Oetzel &amp; Daniel Mattel\u00e9: \u201e<a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/unser-alltag\/musik-mit-staubflocken-dran-begegnungen-mit-der-gema-teil-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Musik mit Staubflocken dran \u2013 Begegnungen mit der GEMA<\/a>\u201c, ver\u00f6ffentlicht am 09.08.2019 auf dasharfenduo.de<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_2779_1('footnote_plugin_tooltip_2779_1_11');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_2779_1_11\" class=\"footnote_backlink\"><span class=\"footnote_index_arrow\">&#8593;<\/span>11<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">vgl. Wikipedia-Eintrag \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/JeKits_%E2%80%93_Jedem_Kind_Instrumente,_Tanzen,_Singen\" target=\"_blank\">JeKits \u2013 Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen<\/a>\u201c<\/td><\/tr>\r\n\r\n <\/tbody> <\/table> <\/div><\/div><script type=\"text\/javascript\"> function footnote_expand_reference_container_2779_1() { jQuery('#footnote_references_container_2779_1').show(); jQuery('#footnote_reference_container_collapse_button_2779_1').text('\u2212'); } function footnote_collapse_reference_container_2779_1() { jQuery('#footnote_references_container_2779_1').hide(); jQuery('#footnote_reference_container_collapse_button_2779_1').text('+'); } function footnote_expand_collapse_reference_container_2779_1() { if (jQuery('#footnote_references_container_2779_1').is(':hidden')) { footnote_expand_reference_container_2779_1(); } else { footnote_collapse_reference_container_2779_1(); } } function footnote_moveToReference_2779_1(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container_2779_1(); var l_obj_Target = jQuery('#' + p_str_TargetID); if (l_obj_Target.length) { jQuery( 'html, body' ).delay( 0 ); jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight * 0.2 }, 380); } } function footnote_moveToAnchor_2779_1(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container_2779_1(); var l_obj_Target = jQuery('#' + p_str_TargetID); if (l_obj_Target.length) { jQuery( 'html, body' ).delay( 0 ); jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight * 0.2 }, 380); } }<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freie MusikerInnen in Deutschland werden bis auf wenige Ausnahmen zu schlecht bezahlt. Diese Tatsache ist kein Geheimnis und d\u00fcrfte auch kaum angezweifelt werden. 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