{"id":2858,"date":"2021-08-04T17:29:32","date_gmt":"2021-08-04T15:29:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=2858"},"modified":"2021-08-04T17:29:32","modified_gmt":"2021-08-04T15:29:32","slug":"muffin-builder-2858","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/harfenduo\/muffin-builder-2858\/","title":{"rendered":"Eine Bitte um Verst\u00e4ndnis"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eUnd, wie geht es Dir denn so mit Corona?\u201c Diese Frage wurde uns und vielen anderen in den letzten Monaten \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig gestellt. Die Frage scheint naheliegend, wo doch die Pandemie und die damit verbundenen Einkommensausf\u00e4lle, Kranken- und Todesf\u00e4lle, psychische Belastungen und wachsende gesellschaftliche Ungerechtigkeit uns allen schwer zusetzt. Und doch d\u00fcrfte die Frage in vielen F\u00e4llen kaum ehrlich beantwortet worden sein. M\u00f6chte man seinem Nachbarn auf die Nase binden, dass man die Eink\u00e4ufe wegen Long-Covid nicht mehr die Treppe hoch tragen kann? M\u00f6chte man seinen Arbeitskolleg*innen beichten, dass man die ganzen Krankentage nicht wirklich krank war, sondern nur aus Sorge gefehlt hat, man k\u00f6nne sich beim Mitarbeiter, der auch nach \u00fcber einem Jahr Pandemie zu doof ist, die Maske \u00fcber die Nase zu ziehen, anstecken? Oder m\u00f6chte man wirklich zugeben, dass man das letzte Jahr gr\u00f6\u00dftenteils mit Netflix verbracht hat, anstatt ganz tolle neue Projekte auszuarbeiten?<\/p>\n\n\n\n<p>Hier mal eine ehrlich Antwort unsererseits: Uns geht es nicht gut. Wir haben im Oktober 2020, als es mit der Inzidenz gerade nicht so schlimm war, ein einzelnes Duo-Konzert gehabt. Das n\u00e4chste Konzert fand erst wieder in diesem Juli statt. Dieses Konzert w\u00e4re wegen einer Verletzung auch noch beinahe ausgefallen (da merkt man, wie sehr man als Musiker*in von der k\u00f6rperlichen Fitness abh\u00e4ngt!). Laura hatte Gl\u00fcck und konnte an ihrer Musikschule weiterarbeiten. Das ist bei Honorarkr\u00e4ften nicht selbstverst\u00e4ndlich \u2013 andere Musikschulen entschlossen sich im April 2020, ihre Honorarkr\u00e4fte vertragsgerecht im Regen stehen zu lassen und allen Unterricht unbezahlt ausfallen zu lassen. Doch auch bei ihr war das Unterrichten mit dem st\u00e4ndigen hin und her zwischen Online- und Pr\u00e4senzunterricht und fast w\u00f6chentlich neuen Hygienevorschriften alles andere als einfach. Daniel hatte mehr Pech und seit M\u00e4rz 2020 nur ein einziges Konzert als Orchesteraushilfe. Dieses Konzert war allerdings auch nicht sonderlich erfreulich. Wir wollen die Geschichte nicht zu weit ausbreiten, nur kurz so viel: Die viel beschworene Solidarit\u00e4t der Orchester mit freien Musiker*innen in der Krise ist manchmal so weit entfernt wie die Herdenimmunit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Probleme der freiberuflichen K\u00fcnstler*innen wurde schon viel berichtet: Wegbrechende Auftr\u00e4ge, fehlende Unterst\u00fctzung durch Staat und Gesellschaft, \u201eSofort\u201c-hilfen, die f\u00fcr uns nicht oder nur unter erheblichem b\u00fcrokratischen Aufwand erreichbar sind&#8230; Die Liste ist lang, doch wie es den K\u00fcnstler*innen pers\u00f6nlich damit geht, das liest man selten. Dabei erreichen uns viele Berichte von anderen Musiker*innen und K\u00fcnstler*innen, die sehr unter diesen Belastungen leiden. Dass sie \u00f6ffentlich nicht dar\u00fcber sprechen, liegt vielleicht auch daran, dass wir oft eine \u201eThe Show must go on\u201c-Mentalit\u00e4t an den Tag legen, die uns davor bewahrt, dem Publikum allzu tiefe Einblicke in unser Privatleben zu gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist es das Privatleben, was die k\u00fcnstlerische Laufbahn bestimmt. Wie soll man sich zu reifen, vielschichtigen K\u00fcnstler*innen entwickeln und innovative Projekte auf die Beine stellen, wenn man an manchen Tagen Schwierigkeiten hat, morgens \u00fcberhaupt aus dem Bett zu kommen? Auch f\u00fcr uns waren die Belastungen des Alltags in der letzten Zeit gro\u00df. Zu den Problemen mit der Pandemie kamen auch noch Schwierigkeiten im privaten Umfeld. Auf unserem Blog haben wir kaum etwas geschrieben, auch wenn viele spannende Dinge passiert sind: Der <a href=\"https:\/\/www.fzs.de\/2021\/04\/29\/brandbrief-rettet-die-musik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Brandbrief der Musikstudierenden<\/a> zum Beispiel, oder die Gr\u00fcndung des <a href=\"https:\/\/www.promusikverband.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vereins \u201ePro Musik\u201c<\/a>. Auch die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-mauser-musikhochschule-gefaengnis-1.5321266\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">never-ending-story Siegfried Mauser<\/a> hat uns besch\u00e4ftigt. Zu manchen dieser Themen finden sich Textanf\u00e4nge und Entw\u00fcrfe in unseren Unterlagen, die es nie \u00fcber Stichpunkte oder einen ersten Absatz hinaus geschafft haben. Beziehungsweise: <em>Wir<\/em> haben es einfach nicht geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber bitte versteht diesen Text nicht falsch: Wir wollen nicht jammern oder anderen die Schuld f\u00fcr diese Belastung in die Schuhe schieben. Wir wollen in erster Linie um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die K\u00fcnstler*innen werben, die in den letzten Monaten keine zehn CDs aufgenommen oder dutzende Livestream-Konzerte veranstaltet haben \u2013 wer dies trotzdem geschafft hat, verdient nat\u00fcrlich unseren gr\u00f6\u00dften Respekt! Verst\u00e4ndnis sollte man auch f\u00fcr die Musikstudierenden haben, die in den letzten Semestern 24 Stunden am Tag in einem winzigen Wohnheimszimmer gehockt haben, auf die wertvollen Erfahrungen des studentischen Lebens fast vollst\u00e4ndig verzichten mussten und nun am liebsten ihr Studium abbrechen w\u00fcrden. Und nicht vergessen wollen wir die Musikschullehrer*innen, die ihren Unterricht vielleicht nicht so gr\u00fcndlich vorbereiten konnten wie sonst, weil ihnen keine angemessene Kinderbetreuung zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind uns sicher: Wenn wir Verst\u00e4ndnis haben, werden uns diese K\u00fcnstler*innen dies mit bewegenden Konzerten oder inspirierendem Musikunterricht zur\u00fcckzahlen! Wir freuen uns jetzt schon auf eine Zeit, wenn alle geimpft sind (Bitte, lasst euch alle impfen!) und wir die Musik wieder gemeinsam genie\u00dfen k\u00f6nnen. Wir haben viele Ideen f\u00fcr gro\u00dfartige Projekte, die wir sofort in Angriff nehmen wollen \u2013 wenn wir wieder die Energie daf\u00fcr haben. Daf\u00fcr bitten wir noch um ein wenig Geduld.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Laura &amp; Daniel<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnd, wie geht es Dir denn so mit Corona?\u201c Diese Frage wurde uns und vielen anderen in den letzten Monaten \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig gestellt. Die Frage scheint naheliegend, wo doch die Pandemie und die damit verbundenen Einkommensausf\u00e4lle, Kranken- und Todesf\u00e4lle, psychische Belastungen und wachsende gesellschaftliche Ungerechtigkeit uns allen schwer zusetzt. 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