{"id":2866,"date":"2021-08-21T16:04:48","date_gmt":"2021-08-21T14:04:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=2866"},"modified":"2021-08-21T16:14:09","modified_gmt":"2021-08-21T14:14:09","slug":"irgendwie-wirst-du-immer-nur-schlechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/metoo\/irgendwie-wirst-du-immer-nur-schlechter\/","title":{"rendered":"\u201eIrgendwie wirst du immer nur schlechter\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer im Musikstudium einen Bachelor-Abschluss (fr\u00fcher auch Diplom) erwirbt, kann sich f\u00fcr einen Masterstudiengang bewerben. Theoretisch gibt es hierbei verschiedene Ausrichtungen, doch praktisch geht das Studium oft weiter wie bisher: Man hat Hauptfachunterricht bei einer Lehrkraft und mehr oder weniger unwichtige Nebenf\u00e4cher. Fragen nach der beruflichen Ausrichtung, einem pers\u00f6nlichen Interpretationsstil oder gar nach dem Charakter der Studierenden stellen sich oft nur abstrakt; im Hauptfachunterricht geht es letztlich darum, Repertoire zu erarbeiten, zu \u00fcben und die Korrekturen der Lehrkraft umzusetzen. Dies prallt oft auf die Lebensrealit\u00e4ten der Studierenden: Wer schon vier Jahre studiert und sich in der Klassik-Szene bewegt hat, ist ein anderer Mensch als ein unerfahrener \u201eErstie\u201c. Man hat erste Eindr\u00fccke des Arbeitsmarkts gesammelt, Verbindungen zu anderen Musiker*innen gekn\u00fcpft und nicht zuletzt Lebenserfahrungen hinzugewonnen. Man hat regelm\u00e4\u00dfige berufliche Verpflichtungen wie Sch\u00fcler*innen unterrichten oder Aushilfsengagements in Orchestern. Oder man wohnt in einer anderen Stadt und pendelt nur zum Unterricht in die Hochschule. So war es auch bei Sandra*, mit der wir per Videokonferenz gesprochen haben. Dabei schilderte sie uns ihre Eindr\u00fccke aus dem Masterstudium.<\/p>\n\n\n\n<p><em>* Alle Namen wurden so ge\u00e4ndert, dass keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die tats\u00e4chlichen Personen gezogen werden k\u00f6nnen. Die richtigen Namen sind den Autoren bekannt. \u00c4hnlichkeiten zu anderen Personen sind zuf\u00e4llig und unbeabsichtigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Im Masterstudium<\/h3>\n\n\n\n<p>Als Sandra ihren Master anfing, war sie auf dem H\u00f6hepunkt ihres K\u00f6nnens. \u201eIn der Zeit war ich einfach gut. Ich habe sehr viel ge\u00fcbt, war virtuos \u2013 es lief einfach\u201c, sagt sie. Beim ber\u00fchmten Professor Meier* wollte sie sich den Feinschliff holen, den sie f\u00fcr die ganz gro\u00dfen Probespiele brauchte. Aber sie hatte auch \u2013 wie oben geschildert \u2013 Verpflichtungen, daher wohnte sie nicht in der Stadt ihrer Hochschule und kam nur zum Unterricht vorbei. Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden, kl\u00e4rte sie dies mit Meier direkt zu Beginn des Studiums. Ihm sei dies recht gewesen, sagt Sandra.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Wochen mit ihm liefen gut. Sandra war eine starke Pers\u00f6nlichkeit, die genau wusste, was sie konnte und wollte. Ihr Vater war Musiker in einem gro\u00dfen Orchester gewesen und Sandra kam bereits als Jugendliche zum Jungstudium an eine Musikhochschule. Eine Stelle im Orchester \u2013 das war von Anfang an ihr Ziel gewesen. Meier respektierte sie zun\u00e4chst und bekr\u00e4ftigte sie in ihren Zielen. Den Glaubenssatz \u201eNur wenn Du eine feste Stelle hast, bist Du ein guter Musiker\u201c, den Sandra aus ihrem Umfeld kannte, hatte auch er verinnerlicht. Daher sah sie auch \u00fcber manche menschlichen und fachlichen Probleme hinweg, etwa, wenn er sich regelrecht damit br\u00fcstete, dass er seit drei Jahren keinen Klassenabend mehr veranstaltet hatte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Probespiel<\/h3>\n\n\n\n<p>Erste Risse bekam das Verh\u00e4ltnis, als sie zum Probespiel f\u00fcr die Akademie eines namhaften Orchesters fuhr. Sie f\u00fchlte sich gut vorbereitet; ihr Lehrer best\u00e4tigte ihr dies. Sandra sagt, das Probespiel sei eine \u201egute Erfahrung\u201c gewesen; der Druck sei zwar sehr hoch gewesen, aber sie habe \u201egut abgeliefert\u201c. Sie war zufrieden mit ihrer eigenen Performance, aber die Konkurrenz \u2013 knapp 50 Bewerber*innen \u2013 war nat\u00fcrlich auch gut vorbereitet. Sie bekam die Stelle nicht \u2013 f\u00fcr Meier eine Katastrophe! Als sie wieder in den Unterricht kam, begann das Verh\u00e4ltnis zum Lehrer zu kippen. \u201eEr fragte sofort: Warum hast du die Stelle nicht gekriegt?!\u201c, erinnert sich Sandra. F\u00fcr ihn habe es nur eine Erkl\u00e4rung gegeben: Sie m\u00fcsse einfach mehr \u00fcben. \u201eIch habe <em>so<\/em> viel ge\u00fcbt. Und ich bin dann so ungl\u00fccklich dar\u00fcber geworden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann es sein, dass ein erfahrener Musikprofessor nicht versteht, dass bei der heutigen Arbeitsmarktlage nicht jede*r Bewerber*in die Stelle sofort gewinnt? Wie kann es sein, dass ein Professor die Leistung einer Studentin an einem Tag als zufriedenstellend bewertet, nur um sie kurz darauf vernichtend zu kritisieren? Warum hielt es Meier nicht f\u00fcr n\u00f6tig, bei einem Probespiel, dessen Ausgang ihm offenkundig extrem wichtig war, den Studierenden vorher spezielles Probespieltraining anzubieten? Warum gab er Sandra nicht wenigstens die M\u00f6glichkeit, ihr Programm bei einem Klassenkonzert zu pr\u00e4sentieren? Und die wichtigste Frage: Welches p\u00e4dagogische Konzept verfolgte Meier? \u00dcber die Antworten auf diese Fragen kann auch Sandra nat\u00fcrlich nur spekulieren, doch einen Eindruck wurde sie in ihrem Studium nicht mehr los: Meier war der eigene Ruf offenbar wichtiger als die Karrieren seiner Studierenden. Bestand die Gefahr, dass jemand seinen Ruf \u201ebesch\u00e4digte\u201c, gab es Probleme.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Meisterkurs<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieser Eindruck verst\u00e4rkte sich beim Meisterkurs mit dem ber\u00fchmten Musiker Weber*. Der Kurs fand innerhalb der Hochschule statt, die teilnehmenden Studierenden wurden von Meier handverlesen. Auch Sandra geh\u00f6rte zu den \u201eGl\u00fccklichen\u201c. \u201eWeber war bekannt daf\u00fcr, Menschen extrem abwertend zu behandeln\u201c, sagt Sandra. Bei ihrer Stunde mit ihm schauten die ganze Klasse und viele Personen der Hochschule zu. Es kam, wie es kommen musste: Im Laufe der Stunde zerpfl\u00fcckte Weber alles an ihr und ihrer Interpretation. \u201eIch musste meine ganze Energie darauf verwenden, ihm w\u00e4hrend der Unterrichtsstunde nicht die Noten vor die F\u00fc\u00dfe zu werfen und zu gehen\u201c, sagt sie. Im Nachhinein, denkt sie, w\u00e4re das die einzig richtige Reaktion gewesen. Von den anwesenden Personen sagte niemand etwas \u2013 auch nicht, als Weber immer abwertender und beleidigender wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nachbesprechung fragte Meier sie, was sie aus dem Kurs f\u00fcr sich pers\u00f6nlich mitnehmen w\u00fcrde. Sandra deutete vorsichtig an, dass sie nicht alles, was Weber gesagt hatte, hilfreich gefunden h\u00e4tte. Meier gab ihr zu verstehen, das dies ihre eigene Schuld sei: \u201eEr sagte, man m\u00fcsse sich auf so einen Stil eben auch einlassen. Im Nachhinein frage ich mich, ob Meier mich ausgew\u00e4hlt hat, damit ich diese Erfahrung mache und um meinem Selbstbewusstsein einen D\u00e4mpfer zu verpassen.\u201c Manchen Lehrkr\u00e4ften ist es anscheinend sehr wichtig, auf diese Art Hierarchien deutlich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In der Abw\u00e4rtsspirale<\/h3>\n\n\n\n<p>In der Folge verschlechterte sich Sandras Verh\u00e4ltnis zu Meier zusehends. Immer \u00f6fter war er unzufrieden mit ihr und ihrem Spiel. Sandra war wirklich gewillt, seinen Anspr\u00fcchen zu gen\u00fcgen und hart zu arbeiten. Wie er es eingefordert hatte, \u00fcbte sie noch mehr als sowieso schon. Bei den Probespielen lief es mittlerweile gar nicht mehr. Sie setzte sich immer mehr unter Druck und verkrampfte irgendwann. \u201eIch erinnere mich an eine schlimme Schl\u00fcsselsituation. In einer besonders frustrierenden Stunde sagte er resigniert: \u201aIrgendwie wirst du immer nur schlechter.\u2018 Ich fing an, bitterlich zu weinen. Damit konnte er \u00fcberhaupt nicht umgehen, war sozial v\u00f6llig \u00fcberfordert. Ich hatte das Gef\u00fchl, er denkt: \u201aDa kommt Wasser aus ihren Augen, wie konnte das passieren?\u2018\u201c Immerhin: Eine Ursache hatte er ausgemacht: \u201eMeine Nervosit\u00e4t sei das Problem, meinte er.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch damit hatte Sandra bis dahin nie Schwierigkeiten gehabt. Ihr Lehrer zuvor hatte darauf geachtet, dass man angstfrei spielte. Er wandte Methoden an, die Angst nehmen und Selbstbewusstsein schaffen sollten. Eine Lehrkraft, der auch der psychische Zustand der Studierenden wichtig ist: Damit hatte Sandra gute Erfahrungen gemacht. Meiers \u201eAnsatz\u201c funktionierte bei ihr dagegen gar nicht: \u201eIrgendwann war der Druck so schlimm und so gro\u00df. Am Ende habe ich dar\u00fcber nachgedacht, aufzuh\u00f6ren mit der Musik. Mein Instrument war pl\u00f6tzlich nur noch so ein Ger\u00e4t. An manchen Tagen konnte ich es kaum auspacken. Sehr viel von dem, was ich gerne machte und gut konnte, hatte die Leichtigkeit verloren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Doch noch ein Klassenabend<\/h3>\n\n\n\n<p>Kann man solche Lehrmethoden \u00fcberhaupt als p\u00e4dagogischen Ansatz bezeichnen? Meier sah das Unterrichten offensichtlich nie so, dass er f\u00fcr die Leistung seiner Studierenden verantwortlich war. Gab es gute Musiker*innen in seiner Klasse, schm\u00fcckte er sich nat\u00fcrlich damit. Entsprachen sie nicht seinen Vorstellungen, war dies deren eigene Schuld. Dann war seine gr\u00f6\u00dfte Sorge, dass Au\u00dfenstehende davon erfuhren. Vielleicht war das auch der Grund, warum er die \u00f6ffentlichen Klassenabende scheute. F\u00fcr die Studierenden war das ein gro\u00dfes Problem, meint Sandra: \u201eEs gab keine M\u00f6glichkeit, sich auszuprobieren und entspannt Feedback zu bekommen.\u201c Als er dann, gegen Ende von Sandras zweitem Semester, doch ein Konzert veranstaltete, machte er die Studierenden wochenlang damit verr\u00fcckt, es m\u00fcsse alles \u201eperfekt\u201c werden: \u201eEr gab uns klar zu verstehen, dass wir ihn auf gar keinen Fall blamieren d\u00fcrften!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als ob dies nicht schon genug Druck gewesen w\u00e4re, hatte Sandra am Tag des Konzerts vormittags noch ein Probespiel. Den Morgen verbrachte sie bei ihren Eltern, wo sie pl\u00f6tzlich nervlich zusammenbrach. Ihre Mutter fuhr sie schlie\u00dflich zum Probespiel, wo Sandra zum ersten Mal Betablocker nahm. Sie spielte trotzdem schlecht, sogar so schlecht, dass es ihr richtig peinlich war. Nat\u00fcrlich bekam sie die Stelle nicht. Abends sa\u00df sie komplett am Ende auf der B\u00fchne. \u201eIch dachte: Jetzt spiele ich einfach, wie es mir gef\u00e4llt, und er kann mich nicht unterbrechen. Fuck you!\u201c Ein befreiender Gedanke: Sie spielte mit letzter Kraft und gab alles. \u201eEs war wohl sehr gut. Hinterher sagte er zu mir: \u201aIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass du das in dir hast.\u2018\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein kl\u00e4rendes Gespr\u00e4ch<\/h3>\n\n\n\n<p>Am Ende des Semesters suchte Sandra das Gespr\u00e4ch mit Meier. Sie wussten wohl beide, dass es so nicht weitergehen konnte. In Sandras Erinnerung lief das Gespr\u00e4ch ruhig und konstruktiv ab, doch es wurde auch klar: Meier meinte, dass Sandra ihm nicht gen\u00fcgend Respekt entgegenbrachte. \u201eEr nahm mir beispielsweise \u00fcbel, dass ich einmal nicht sein Konzert, das er gab, besucht hatte. Dabei hatte ich am selben Tag ein eigenes Konzert gehabt.\u201c Er verlangte, dass sie mehr Pr\u00e4senz und mehr Verbindlichkeit zeigen sollte, zum Beispiel indem sie bei anderen Studierenden im Unterricht zuh\u00f6rte. Davon war vorher nie die Rede gewesen und f\u00fcr Sandra war es aufgrund ihrer Wohn- und Arbeitssituation auch nicht ganz einfach. Trotzdem versuchte sie ihm entgegen zu kommen und versprach, sich verbindlicher zu zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt leider Lehrkr\u00e4fte an Musikhochschulen, die p\u00e4dagogisch und menschlich kaum f\u00fcr den Lehrberuf geeignet sind. Wer als gute*r Musiker*in gilt, bekommt auch ohne diese Qualifikationen Stellen. Die menschlichen Dramen, die daraus entstehen, nehmen die Hochschulen leider in Kauf. Doch nicht nur f\u00fcr die Studierenden ist dies schlimm, sondern auch f\u00fcr all die Lehrkr\u00e4fte, die p\u00e4dagogisch hervorragend arbeiten. Ihre Leistung ger\u00e4t in Verruf und sie werden unter Generalverdacht gestellt. Dazu kommt, dass es eigentlich sehr klare Vorgaben der Hochschulen gibt, was eine Lehrkraft im Rahmen ihres Arbeitsvertrages leisten muss. Regelm\u00e4\u00dfige Klassenabende oder auch w\u00f6chentlicher Unterricht sind keine Zusatzleistungen oder gar \u00dcberstunden, f\u00fcr die man der Lehrkraft dankbar sein muss. Es sollte f\u00fcr eine Lehrkraft selbstverst\u00e4ndlich sein, dass sie ihren Arbeitsvertrag erf\u00fcllt. Wer sich das Recht herausnimmt, auf einzelne Aspekte zu verzichten oder wer daf\u00fcr von Studierenden mehr als den selbstverst\u00e4ndlichen Respekt einfordert, der hat seinen Beruf nicht verstanden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Augen\u00f6ffner<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach den Semesterferien ging der Unterricht ganz normal weiter. Ihrer Zusage entsprechend war Sandra nun \u00f6fter in der Stadt und besuchte auch die Stunden der anderen Studierenden. In einer Stunde kam die ganze Klasse zusammen. Ein Kommilitone spielte und wurde von Meier vollkommen auseinandergenommen. Sandra fand: Zu diesem Studenten war er noch viel unangenehmer als zu ihr! \u201eIrgendwann sagte er: \u201aMacht die T\u00fcr zu, ich will nicht dass jemand h\u00f6rt wie schlecht meine Klasse ist.\u2018\u201c Dieser Moment \u00f6ffnete ihr die Augen. \u201eIch verstand auf einmal: Es liegt ja gar nicht an mir, das macht er mit den anderen genauso!\u201c Als sie den Unterrichtsraum verlie\u00df, schwor sie sich, niemals wieder dorthin zur\u00fcck zu kommen. Sie lie\u00df sich ab da f\u00fcr den Rest des Semesters krank schreiben und beendete anschlie\u00dfend ihr Studium. Mit Meier verkehrte sie nur noch per Email. \u201eEr schien auch erleichtert, dass ich ging\u201c, glaubt sie. Sie versuchte nicht mehr, die Situation zu kl\u00e4ren, sondern schrieb nur sehr h\u00f6flich, dass sie sich anders orientieren wolle. \u201eIch wollte ihn einfach nur nie wieder sehen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Sandra ging die Geschichte glimpflich aus. Sie erkannte schlie\u00dflich, woher der Druck, den sie sich machte, wirklich kam. \u201eMeine Mentaltrainerin fragte mich: \u201aWovor hast du Angst, wenn du ein Probespiel machst?\u2018 Ich antwortete: \u201aDass meine Eltern und mein Lehrer entt\u00e4uscht sind, wenn ich ihnen erz\u00e4hlen muss, warum ich schon wieder rausgeflogen bin.\u2018 Als mir das klar wurde, habe ich erst mal entsetzlich geweint.\u201c Sp\u00e4ter l\u00f6ste sie sich von ihrem Berufsziel Orchestermusikerin und arbeitet seitdem als Freiberuflerin. Dieser Schritt war f\u00fcr sie nicht einfach, denn sowohl in ihrem Umfeld als auch in ihrem eigenen Denken gab es bis dahin keinen Raum, freie Musikschaffende zu sein. \u201eDas war einfach kein Berufsbild!\u201c F\u00fcr viele Musiker*innen ist es schwer, so eine Entscheidung nicht als Scheitern zu sehen. Das ist aber Unsinn: Bei nur etwa 20 % der Absolvent*innen, die eine feste Stelle bekommen, finden sich auf dem freien Markt genau so hervorragende K\u00fcnstler*innen wie im Orchester.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Schritt bereut Sandra bis heute nicht. Die Freiheiten, die diese Arbeit mit sich bringt, genie\u00dft sie sehr: \u201eIch muss nicht mit Leuten zusammenarbeiten, wenn ich das nicht will. Ich kann immer meine pers\u00f6nliche und k\u00fcnstlerische Unabh\u00e4ngigkeit bewahren. Dadurch, dass ich diese Erfahrungen machen musste, ist es ein essentieller Teil meiner Arbeit, mit anderen auf Augenh\u00f6he zu kommunizieren. Das versuche ich auch in meinem eigenen Unterricht umzusetzen. Das oberste Gut ist, dass ich zufrieden bin mit dem, was ich mache. Meine individuelle Freiheit ist mir so wichtig, dass ich darauf niemals mehr verzichten m\u00f6chte.\u201c Auch deshalb setzt Sandra sich heute f\u00fcr die Interessen freischaffender Musiker*innen ein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Laura &amp; Daniel<\/h3>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/erfahrungsberichtemetoo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u2192 weitere Erfahrungsberichte lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sandra (Name ge\u00e4ndert) wird in ihrem Masterstudium von ihrem Professor so lange schlecht geredet, bis sie mit der Musik aufh\u00f6ren will. 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