{"id":2880,"date":"2021-09-01T14:53:27","date_gmt":"2021-09-01T12:53:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=2880"},"modified":"2021-09-01T14:58:19","modified_gmt":"2021-09-01T12:58:19","slug":"eine-saengerin-verstummt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/metoo\/eine-saengerin-verstummt\/","title":{"rendered":"Eine S\u00e4ngerin verstummt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Anke* ist eine klassisch ausgebildete S\u00e4ngerin und wurde in den sp\u00e4ten Sechzigerjahren in einer deutschen Gro\u00dfstadt geboren. In ihrer musikalischen Ausbildung erlebte sie wiederholt sexuelle Gewalt \u2013 ohne dass dies je ernsthafte Konsequenzen f\u00fcr die T\u00e4ter gehabt h\u00e4tte. Nachdem in den sozialen Netzwerken u.a. vom M\u00fcnchner Kompositionsprofessor Moritz Eggert eine Diskussion \u00fcber solche Vorf\u00e4lle in der Musikbranche angesto\u00dfen wurde, entschloss sie sich, ihre Geschichte aufzuschreiben und in anonymisierter Form auf unserem Blog zu ver\u00f6ffentlichen. Die hier geschilderten Ereignisse liegen teilweise drei\u00dfig Jahre zur\u00fcck. Trotzdem haben sie nichts an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>* Alle Namen wurden so ge\u00e4ndert, dass keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die tats\u00e4chlichen Personen gezogen werden k\u00f6nnen. Die richtigen Namen sind den Autoren bekannt. \u00c4hnlichkeiten zu anderen Personen sind zuf\u00e4llig und unbeabsichtigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ACHTUNG TRIGGERWARNUNG!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>In diesem Text wird sexuelle Gewalt geschildert. Wer selbst von Gewalt betroffen ist oder war, kann dadurch getriggert oder retraumatisiert werden. Das bedeutet, dass durch das Lesen fremder Berichte die eigenen Erlebnisse noch einmal geistig und emotional durchlebt werden. Wer wei\u00df, dass er\/sie anf\u00e4llig f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen ist, der sollte diesen Erfahrungsbericht vielleicht besser nicht lesen oder zumindest sehr vorsichtig sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kindheit in einem katholisch gepr\u00e4gten Elternhaus<\/h3>\n\n\n\n<p>\u00ab Bisher hatte sich niemand f\u00fcr die Geschichte, die ich hier erz\u00e4hlen m\u00f6chte, interessiert. Sie belastet mein Leben aber bis heute und ist bisher das schlimmste Ereignis meines Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wuchs in einem gebildeten, katholisch gepr\u00e4gten Elternhaus auf, in dem die Kinder den Eltern bedingungslos \u201ezu folgen\u201c hatten. Dies erkl\u00e4rt vielleicht meine sp\u00e4tere Sch\u00fcchternheit, mich zur Wehr zu setzen. In der Schulzeit hatte ich keine Probleme, mich ungerechten Lehrern zu widersetzen; diese waren allerdings nicht in dem Ma\u00dfe Vorbilder, wie es ein Musikp\u00e4dagoge f\u00fcr mich sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem sechsten Lebensjahr spielte ich Klavier, ab 14 kam die Kirchenorgel hinzu. Ich sang im Konzertchor, in dem auch meine Eltern und Schwestern als begeisterte Hobbymusiker sangen. Ab der ersten Chorprobe wusste ich meinen Berufswunsch: Ich werde S\u00e4ngerin! Da war ich 12 Jahre alt. Seitdem verfolgte ich beharrlich mein Ziel, aber nicht verbissen, sondern mit viel Freude. Die Musik half mir in der Pubert\u00e4t \u00fcber Schwierigkeiten mit Freunden, Klassenkameraden und Eltern sowie schulischen Kummer hinweg.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der erste Gesangsunterricht<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach ersten Gesangsstunden bei verschiedenen Lehrer*innen nahm ich schlie\u00dflich den Unterricht bei Herrn Schwarz* auf, der in unserem Chor bei Konzerten die Solopartien gesungen hatte. Die erste Begegnung mit ihm hatte ich auf einer Konzertreise, als ich mit einigen jungen Chors\u00e4ngerinnen durch die Stadt ging und er an der Stra\u00dfe l\u00e4ssig auf einem Gel\u00e4nder sa\u00df und uns entgegen grinste. Das Grinsen wirkte auf mich merkw\u00fcrdig und nicht freundlich-v\u00e4terlich. Mit meinen 16 Jahren konnte ich dies aber nicht einordnen und verdr\u00e4ngte die Begegnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst war er im Unterricht sehr freundlich, wenngleich seine Gesangstechnik auch sehr eigen war. Aus Unerfahrenheit nahm ich dies hin und freute mich, dass ich endlich regelm\u00e4\u00dfig ausgebildet wurde. Von Anfang an war Schwarz&#8216; Ehefrau in der letzten Viertelstunde des Unterrichts zum Begleiten anwesend. Das war ein seltener Service, den wir Sch\u00fcler*innen gerne annahmen. Au\u00dferdem waren wir sofort in verschiedene Auftritte, z.B. in Seniorenheimen, eingebunden. Dort sammelten wir Auftrittspraxis und bekamen sp\u00e4ter sogar die ersten Gagen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Kuss und rutschende H\u00e4nde<\/h3>\n\n\n\n<p>Das erste Mal \u00fcbergriffig wurde Herr Schwarz, als ich mit 18 Jahren meinen ersten Freund hatte. Ich erz\u00e4hlte im Unterricht freudestrahlend, dass ich so gl\u00fccklich verliebt sei. Da kam er zu mir, k\u00fcsste mich auf den Mund und begl\u00fcckw\u00fcnschte mich. Ich fand das ekelhaft, konnte aber nicht darauf eingehen, weil er da bereits seine Frau zum Begleiten gerufen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Peu \u00e0 peu wurden solche Situationen h\u00e4ufiger. Dann begann die Arbeit an der sogenannten \u201eSt\u00fctze\u201c: Ein s\u00e4ngerischer Ton muss Spannung haben, und dies wurde mithilfe der Hand auf dem Bauch des Lehrers und wechselweise der Sch\u00fclerin gezeigt. Dabei rutschte die Hand ab und zu \u201ezuf\u00e4llig\u201c tiefer oder h\u00f6her, gerne auch mal auf die \u201eBr\u00fcstchen\u201c der Sch\u00fclerin. Einmal landete meine Hand tats\u00e4chlich komplett auf dem Geschlechtsteil des Lehrers. Meinen Protest konnte ich nie vertiefen, da immer schon die Ehefrau kam. Sie tat mir leid, daher schwieg ich, aber musste danach immer sch\u00f6n meine Arien und Lieder tr\u00e4llern&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fand auch keinen Weg, um mit meinen Eltern \u00fcber die Vorkommnisse zu reden. Mir war die ganze Sache unendlich peinlich und schlie\u00dflich bezahlten sie ja einen Haufen Geld f\u00fcr den Unterricht. Ich war auch gerade im Alter des Abnabelns von Zuhause. Also verdr\u00e4ngte ich das Thema immer wieder. Ich dachte: Wenn ich nach dem Abitur Gesang studiere, bin ich ja ohnehin weg.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Schock der Aufnahmepr\u00fcfung<\/h3>\n\n\n\n<p>Dann kam das Abitur, das ich mit links absolvierte. Das einzig wichtige waren f\u00fcr mich die Aufnahmepr\u00fcfungen f\u00fcr die Musikhochschulen. Herr Schwarz riet mir ab, bereits die Pr\u00fcfungen f\u00fcr ein Gesangsstudium anzugehen: Ich sei noch nicht so weit und sollte erst noch ein Jahr bei ihm mit seiner besonders guten Technik lernen. Seine Aussage war: \u201eIch mache aus dir eine grandiose S\u00e4ngerin!\u201c Ich freute mich einerseits \u00fcber das Kompliment, hatte aber andererseits das dringende Bed\u00fcrfnis, mein Elternhaus zu verlassen und zu studieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Aufnahmepr\u00fcfung war f\u00fcr mich ein Schock. Ich fuhr zur Pr\u00fcfung in eine andere Stadt und traf im Zug auf die Tochter einer ehemaligen Lehrerin. Sie prahlte damit, dass sie das Studium so gut wie sicher in der Tasche habe, da sie seit einem Jahr regelm\u00e4\u00dfig Unterricht bei der Professorin nehme. Da dachte ich schon dar\u00fcber nach, wie naiv und blau\u00e4ugig ich gewesen war. Als ich in der Hochschule die Massen der S\u00e4ngerinnen sah, die alle die Aufnahmepr\u00fcfung machen wollten, verlie\u00df mich etwas der Mut. Ich wurde dann dort auch nicht genommen. Zu einer zweiten Hochschule fuhr ich noch, ging dort aber die Pr\u00fcfung gar nicht erst an, da noch mehr S\u00e4ngerinnen warteten. Niemand von den Profimusiker*innen aus meinem Bekanntenkreis hatte mich auf eine solche Situation vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>So kam es, dass meine dritte Pr\u00fcfung am Konservatorium stattfand. Herr Schwarz arbeitete dort als Dozent f\u00fcr Sprecherziehung, war jedoch kein hauptamtlicher Gesangsdozent. Er versprach mir, ein gutes Wort f\u00fcr mich einzulegen und erz\u00e4hlte hinterher, er habe um mich \u201egek\u00e4mpft wie ein L\u00f6we\u201c. Trotzdem wurde ich nur als externe Studierende aufgenommen, sodass ich den Gesangsunterricht selbst bezahlen musste. Ich war mit den Nerven am Ende und f\u00fchlte mich wertlos und unerw\u00fcnscht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere \u00dcbergriffe im Studium<\/h3>\n\n\n\n<p>Als das Studienjahr begann, freute ich mich trotzdem sehr darauf. Mein Hauptfachunterricht erfolgte beim Gesangsdozenten Herrn Duerr*. Mit Flei\u00df und sehr guten Leistungen arbeitete ich mich zu einer anerkannten Studentin hoch, die immer wieder f\u00fcr Konzertprojekte gefragt wurde. Im zweiten Studienjahr bewarb ich mich f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr Klavier als zweites Hauptfach. Mein Dozent f\u00fcr Physiologie im Fach Klavier drohte mir vor der Aufnahmepr\u00fcfung damit, dass ich sie nicht schaffen w\u00fcrde, wenn ich nicht ihn als Lehrerwunsch ang\u00e4be. Er hatte mir vorher oft \u201eKomplimente\u201c gemacht wie \u201eDa kommt ja die sch\u00f6ne Melusine\u201c. Ich bestand die Pr\u00fcfung, doch auch mein neuer Klavierlehrer fing im Unterricht an, mich zu betatschen; seine Hand landete oft auf meinem Knie. Das alles zerm\u00fcrbte mich zusehends, ich wusste aber nicht, mit wem ich \u00fcber die Probleme reden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gipfel aber war ein Erlebnis mit Herrn Duerr im zweiten Studienjahr. Nach einem Konzert fuhr er mich mit dem Auto nach Hause zu meinen Eltern. Als wir angekommen waren warf er sich im Auto richtig auf mich. Ich riss die Autot\u00fcr auf, fl\u00fcchtete in mein Elternhaus und ging danach nicht mehr zu seinem Unterricht. Das ging so ein Vierteljahr, in dem ich ohne Hauptfachlehrer studieren musste. Erst kurz vor den Sommerferien fasste ich mir ein Herz und sprach den angesehenen Gesangsdozenten Herrn Bosch* auf Unterricht an. Mein Selbstbewusstsein und meine Stimme waren in dieser Zeit winzig und k\u00f6rperlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich konnte dann ab dem dritten Studienjahr \u2013 zun\u00e4chst weiter extern, also mit Bezahlen des Hauptfachunterrichts! \u2013 bei Herrn Bosch weiter studieren. Gleichzeitig bem\u00fchte ich mich auch um einen anderen Lehrer im Fach Klavier. Herr Bosch empfahl mich an das Opernhaus der Stadt, an dem ich in den folgenden Jahren einige Gastrollen annehmen konnte. Dadurch, dass meine Konzertt\u00e4tigkeit wieder an Fahrt aufnahm, stieg auch mein Selbstwertgef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein unerfreuliches Wiedersehen<\/h3>\n\n\n\n<p>Im letzten Studienjahr ging ich verst\u00e4rkt zu Vorsingen, da ich neben dem Examen ja auf Jobsuche gehen musste. Bei einem dieser Vorsingen kam es zu folgendem Zwischenfall: W\u00e4hrend ich vor der Jury stand und mich f\u00fcr das Vorsingen sammelte, rief jemanden aus den Zuh\u00f6rerreihen: \u201eHuhu, Anke!\u201c. Ich schaute hoch und sah den verhassten Lehrer Herrn Duerr. Das Vorsingen brachte ich trotzdem konzentriert zu Ende, aber ab da wusste ich, dass ich verhindern musste, dass er als Mitglied der Pr\u00fcfungskommission in meinem Examen sitzen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich h\u00f6rte mich in der Hochschule um und sammelte am Ende zehn Kommilitoninnen um mich, die auch von Herrn Duerr begrapscht worden waren. Gemeinsam suchten wir das Gespr\u00e4ch mit der Direktion, wo uns die n\u00e4chste b\u00f6se \u00dcberraschung erwartete: Der Direktor, der sogar einst mein Klavierlehrer gewesen war, versuchte uns zu beschwichtigen. Wir w\u00fcrden uns diese Vorf\u00e4lle einbilden, meinte er, und es sei alles nicht so schlimm. Irgendwann haute ich buchst\u00e4blich auf den Tisch und wurde laut. Da dieses Gespr\u00e4ch nichts gen\u00fctzt hatte, wandte ich mich an die Frauenbeauftragte der Stadt. Das Ergebnis: Herr Duerr war bei meiner Pr\u00fcfung nicht anwesend und wurde verwarnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ich weiter studieren konnte, brauchte ich in meinem Examen eine gute Note. Meinen Eltern hatte ich die ganze Geschichte mit Herrn Duerr irgendwann erz\u00e4hlt; diese rieten mir ab, alles vor meiner Pr\u00fcfung aufzuw\u00fchlen: Das werde f\u00fcr mich negativ ausgehen, sagten sie. Sie sollten recht behalten: Ich bekam lediglich eine 2,5. Diese Note reichte nicht aus, um ein Aufbaujahr zu absolvieren. Meine Eltern waren \u00fcber meine Examensnote entsetzt, vor allem, da sie den direkten Vergleich mit zwei Kommilitoninnen ziehen konnten, deren Examen sie geh\u00f6rt hatten. Die beiden S\u00e4ngerinnen hatten eine 1,7 bekommen. Meine Eltern meinten, ich h\u00e4tte sicher mindestens genau so gut gesungen wie diese, wenn nicht besser.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiter Pech mit Lehrern<\/h3>\n\n\n\n<p>Von diesen Ereignissen habe ich mich nie erholt. Durch die Anspannung und den Stress bedingt \u00fcberwarf ich mich auch noch mit Herrn Bosch. Im Jahr nach meinem Examen hatte ich noch einige sehr gute Engagements, geriet dann aber an einen Lehrer, der meine Stimme ruinierte und mich beschimpfte. Von einer Kommilitonin, die die gleiche Erfahrung mit ihm gemacht hatte, h\u00f6rte ich, dass er \u00fcber mich erz\u00e4hlte, ich sei psychisch \u201enicht ganz normal\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Jahre nach meinem Abschluss hatte meine Stimme gerade noch den Umfang einer Quinte, die Stimmb\u00e4nder schlossen nicht mehr, ich war ein psychisches Wrack und begann sowohl eine Stimmtherapie wie auch sp\u00e4ter einige \u2013 immer selbst bezahlte \u2013 Psychotherapieversuche. Dennoch wurde meine Stimme nie wieder die, die sie einmal gewesen war: Leicht, mit einer sehr guten H\u00f6he und Koloraturverm\u00f6gen. Ganz zu schweigen von meinem Selbstbewusstsein als S\u00e4ngerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat sich nie jemand aus meinem Bekannten- und Verwandtenkreis wirklich f\u00fcr meine Geschichte interessiert. Die Reaktionen gehen von \u2013 bei den M\u00e4nnern ver\u00e4rgert \u2013 \u201eLass mich damit in Ruhe, ich mach&#8216; so was doch nicht!\u201c bis zu \u2013 von Kolleginnen \u2013 \u201eVielleicht hast du das so angezogen, also mir ist so was noch nie passiert.\u201c In der aktuellen Diskussion an Musikhochschulen h\u00f6re ich auch: \u201eDer arme Professor XY, da will ihn jemand aber dringend abs\u00e4gen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heute unterrichte ich sehr erfolgreich \u2013 aber schlecht bezahlt \u2013 als Honorarkraft an einer Musikschule und bin als S\u00e4ngerin vorwiegend auf Neue Musik spezialisiert. Gl\u00fccklicherweise hatte ich in den vergangenen Jahrzehnten Kolleg*innen und Chef*innen, die mich sch\u00e4tzen und mir Chancen geben. Ich bin trotzdem nie wieder \u201egesund\u201c geworden. \u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Kommentar<\/h3>\n\n\n\n<p>Ankes Geschichte l\u00e4sst uns betr\u00fcbt zur\u00fcck, denn eigentlich hat sie im Umgang mit sexuellen \u00dcbergriffen alles richtig gemacht: Sie hat sich mit Kommilitoninnen zusammengetan, hat das Gespr\u00e4ch mit der Hochschulleitung bzw. der Frauenbeauftragten gesucht und hat f\u00fcr sie gef\u00e4hrliche Situationen konsequent gemieden. Sie ist damals nicht zur Polizei gegangen oder vor Gericht gezogen, sondern hat versucht, die Probleme innerhalb der Hochschule zu kl\u00e4ren. Doch selbst dieses Vorgehen wurde im Kosmos Musikausbildung nicht geduldet. F\u00fcr ihr Gespr\u00e4ch mit der Direktion wurde sie mit einer schlechten Note \u201ebestraft\u201c und damit faktisch des Hauses verwiesen. Als sie dann \u2013 von den Ereignissen traumatisiert \u2013 versucht hat, bei einem neuen Lehrer ihre Karriere zu retten, hie\u00df es nur, sie sei psychisch nicht normal.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der alte Mythos der Musik: Wer es nicht schafft, der war eben zu schwach, hat nicht hart genug gearbeitet oder hat seinen Lehrer*innen nicht gen\u00fcgend Respekt entgegengebracht. In diesem Falle hie\u00df Respekt wohl, dass man es als junge S\u00e4ngerin einfach hinzunehmen hat, dass man von \u00e4lteren M\u00e4nnern begrapscht, bel\u00e4stigt und sogar fast vergewaltigt wird. Und noch etwas f\u00e4llt uns an dieser Geschichte auf: Alle hier benannten T\u00e4ter legten in ihren \u00dcbergriffen eine Abgekl\u00e4rtheit und Furchtlosigkeit an den Tag, dass man daraus nur schlie\u00dfen kann, dass sie dies nicht zum ersten Mal taten. Man kann sich fragen, wie viele Frauen und M\u00e4dchen ihnen noch zum Opfer gefallen sind. Im Falle des Herrn Duerr haben wir sogar eine ganz konkrete Zahl: Zehn (!) Kommilitoninnen berichteten von \u00dcbergriffen \u2013 und sie waren garantiert nicht die einzigen Betroffenen. F\u00fcr den Direktor schien dies trotzdem kein Grund zu sein, t\u00e4tig zu werden. Die Schuld, die er damit auf sich genommen hat, wiegt unserer Meinung nach genau so schwer wie die der eigentlichen T\u00e4ter. Wenn der Leiter einer Einrichtung, wom\u00f6glich sogar ein Beamter, so offensiven T\u00e4terschutz betreibt, sieht es f\u00fcr die Betroffenen von Machtmissbrauch wirklich d\u00fcster aus. Wie viele Frauen h\u00e4tte es denn noch gebraucht, damit man ihnen Glauben schenkt?<\/p>\n\n\n\n<p>Anke schreibt am Ende ihres Berichts noch, dass ihr ehemaliger Lehrer mittlerweile verstorben sei und alle Taten verj\u00e4hrt sind. Akten zu den Vorf\u00e4llen einzusehen w\u00e4re sehr schwierig, da es die Institutionen oder Fakult\u00e4ten in der damaligen Form heute nicht mehr gibt. Lediglich beim Personalamt der Stadt erhielt sie eine knappe Auskunft: In der Akte der Lehrkraft steht nichts. F\u00fcr sie ist die Geschichte allerdings noch nicht abgeschlossen: \u201eDas Vergehen wird psychisch nie verj\u00e4hrt sein\u201c, schreibt sie, und: \u201eDie Folge davon ist, dass eine S\u00e4ngerin verstummt&#8230;\u201c Wir hoffen, dass ihre Stimme nun auf diesem Wege geh\u00f6rt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Laura &amp; Daniel<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anke (Name ge\u00e4ndert) wurde in ihrer musikalischen Ausbildung mehrfach sexuell bel\u00e4stigt. Die S\u00e4ngerin wurde sowohl als Sch\u00fclerin wie auch als Studentin begrapscht, beleidigt und sogar beinahe vergewaltigt. Obwohl sie sich bei den offiziellen Stellen beschwerte, hatte keiner der T\u00e4ter Konsequenzen zu f\u00fcrchten. Hier erz\u00e4hlt sie nun ihre Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1284,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[417,480],"tags":[212,233,231,483,204],"class_list":["post-2880","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-metoo","category-erfahrungsbericht","tag-metoo","tag-musikhochschule","tag-erfahrungsberichte","tag-gesang","tag-sexueller-missbrauch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2880","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2880"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2880\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2884,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2880\/revisions\/2884"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2880"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2880"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2880"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}