{"id":3043,"date":"2024-06-23T18:19:55","date_gmt":"2024-06-23T16:19:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=3043"},"modified":"2024-06-23T18:19:56","modified_gmt":"2024-06-23T16:19:56","slug":"strassenmusik-in-wuerzburg-interview-mit-lena-meiertoberend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/strassenmusik-in-wuerzburg-interview-mit-lena-meiertoberend\/","title":{"rendered":"Stra\u00dfenmusik in W\u00fcrzburg \u2013 Interview mit Lena Meiertoberend"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Daniel hat die Musikethnologin Lena Meiertoberend in W\u00fcrzburg interviewt. Lena forscht zum Thema Stra\u00dfenmusik und hat dar\u00fcber sowohl ihre Bachelor- als auch ihre Master-Arbeit geschrieben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin hier heute in W\u00fcrzburg und spreche mit der Musikethnologin Lena Meiertoberend. Hallo Lena!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hallo!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erz\u00e4hl doch mal: Wie bist Du dazu gekommen, \u00fcber Stra\u00dfenmusik zu forschen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Stra\u00dfenmusik hat mich schon immer fasziniert. Ich erinnere mich daran, dass wir als Kinder, wenn wir durch Hamburg gelaufen sind, immer bei den Stra\u00dfenmusiker*innen stehengeblieben sind. Da gab es eine Gruppe, die hatten einen Kontrabass, eine Gitarre, eine Fl\u00f6te und ein Schlagzeug dabei, was sie aus einem alten Koffer gebaut hatten. Die haben immer am selben Platz gestanden. Das hat mich total angezogen! Unbewusst war Stra\u00dfenmusik immer pr\u00e4sent. Im dritten Semester meines Ethnologie-Studiums sollten wir dann eine Praxiserfahrung machen. Es sollte eine kleine Feldforschung werden, und die einzige Vorgabe war, dass es irgendwas mit der Stadt zu tun haben musste. Die Dozentin meinte, wir sollten einfach rausgehen und gucken, was uns ins Auge springt. Mir ist dann direkt ein Stra\u00dfenmusiker ins Auge gesprungen. Ich habe mit ihm ein Interview gef\u00fchrt, und seitdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Mittlerweile kann ich nur noch ganz selten durch die Stadt gehen, ohne zu denken: \u201eDa ist ein Stra\u00dfenmusiker, den muss ich ansprechen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das glaube ich gerne! Das geht doch bestimmt jedem so, dass man aus der Kindheit einzelne Bilder von Stra\u00dfenmusik vor Augen hat. <a href=\"http:\/\/www.leierkastenmann-koeln.de\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">In K\u00f6ln auf der Schildergasse zum Beispiel gibt es einen Drehorgel-Spieler<\/a>, der relativ auff\u00e4llig ist. Zum einen wegen seines Instruments, zum anderen aber auch, weil er eine k\u00f6rperliche Behinderung hat. Der steht da seit ich ganz klein war. Wenn man das erlebt hat, dann vergisst man das nicht mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und es ist tats\u00e4chlich so, dass viele Kinder stehen bleiben und sich von der Stra\u00dfenmusik angezogen f\u00fchlen. In meiner Forschung war es spannend zu beobachten, dass dann teilweise eher die Eltern versucht haben, die Kinder davon wegzulocken \u2013 gerade wenn es Stra\u00dfenmusiker waren, die vielleicht auf den ersten Blick etwas \u201eheruntergekommen\u201c wirkten. Die Kinder waren aber von der Musik so fasziniert, dass sie gar nicht weitergehen wollten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Reaktionen auf Stra\u00dfenmusik konntest Du noch beobachten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das war tats\u00e4chlich sehr durchwachsen. Die Reaktion auf Stra\u00dfenmusik an sich f\u00e4llt hier in W\u00fcrzburg recht positiv aus, weil es mit dem <a href=\"https:\/\/www.stramu-wuerzburg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">StraMu<\/a> eines der gr\u00f6\u00dften Stra\u00dfenmusikfestivals Europas gibt. Da gelten nat\u00fcrlich Qualit\u00e4tsstandards und es wird gezielt ausgew\u00e4hlt, wer auftreten kann. Damit hat es nicht mehr so viel mit der eigentlichen Stra\u00dfenmusik zu tun, die ja eigentlich ohne Qualit\u00e4tsstandards funktionieren sollte. Es gibt St\u00e4dte in Deutschland, die trotzdem Qualit\u00e4tsstandards f\u00fcr Stra\u00dfenmusik festlegen. In M\u00fcnchen ist das beispielsweise sehr streng geregelt. Ich wei\u00df nicht, wie es aktuell ist, aber vor Corona mussten Stra\u00dfenmusiker*innen vorspielen, um eine Erlaubnis zu bekommen, in der Stadt spielen zu d\u00fcrfen. Das schr\u00e4nkt die Idee der Stra\u00dfenmusik, die ja alle auf die Stra\u00dfe bringen sollte, nat\u00fcrlich ein. Allerdings hat man damit auch nicht mehr das Problem der Bettel-Musiker*innen. Auch bei meiner Forschung gab es dieses Bild von Stra\u00dfenmusik als Bettelei. Ein paar Interviewpartner*innen haben sogar von organisierter Bettelei gesprochen. Das konnte ich allerdings nicht best\u00e4tigen. Und tats\u00e4chlich wird die Bettelei oft mit osteurop\u00e4ischen Stra\u00dfenmusiker*innen in Verbindung gebracht, unabh\u00e4ngig davon, was deren musikalische Leistung ist. Das fand ich schon sehr spannend. Es gab einen Musiker aus Osteuropa, der im Interview darauf hingewiesen hat, er habe das Gef\u00fchl, dass er viel schneller den Platz r\u00e4umen m\u00fcsse als Musiker*innen, die beispielsweise spanische Musik mit Stereotypen aus s\u00fcdeurop\u00e4ischen Regionen machen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Den Platz wechseln? Ich kann nicht einfach so mein Instrument nehmen und mich dann in die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone stellen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Offiziell nicht. In den meisten St\u00e4dten braucht man eine Genehmigung, die zum Beispiel vom Ordnungsamt erteilt wird. Viele St\u00e4dte haben auch eine maximale Anzahl an Genehmigungen, die sie pro Tag verteilen, und in einigen St\u00e4dten muss man tats\u00e4chlich f\u00fcr diese Genehmigung zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das hei\u00dft, ich muss da morgens zum Ordnungsamt hingehen und mir eine Genehmigung holen, die dann auch nur f\u00fcr den einen Tag gilt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Genau! Die Genehmigung m\u00fcsste man im Fall der F\u00e4lle vorweisen k\u00f6nnen, wenn man vom Ordnungsamt angesprochen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Passiert das?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Stra\u00dfenmusiker*innen, auf die ich f\u00fcr ein Interview zugegangen bin, Angst hatten, dass ich sie kontrollieren will. Insbesondere die, die der deutschen Sprache nicht m\u00e4chtig waren, sind den Gespr\u00e4chen zu Beginn ausgewichen. Ich kam auf sie zu und habe gefragt, ob ich ihnen Fragen stellen d\u00fcrfte, und dann haben sie ihre Sachen zusammengepackt und waren weg. Irgendwann wurde es dann leichter. Vielleicht haben sie mich mit anderen Stra\u00dfenmusiker*innen im Gespr\u00e4ch gesehen. Aber da war offenbar die Sorge vorhanden, dass ich jetzt irgendwas kontrollieren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gibt es denn eine Stra\u00dfenmusik-Szene, wo man sich untereinander trifft, wo man sich auch austauscht? Vielleicht haben die den anderen ja erz\u00e4hlt, dass Du \u201eharmlos\u201c bist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest hier kam von den meisten Stra\u00dfenmusiker*innen die Aussage, dass sie eigentlich nicht so gut miteinander vernetzt sind. Man sieht sich teilweise eher in Konkurrenz. Vielleicht ist das in Gro\u00dfst\u00e4dten anders. Der Musikethnologe Mark Nowakowski hat ein sehr spannendes <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-3385-6\/strassenmusik-in-berlin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Buch \u00fcber Stra\u00dfenmusik in Berlin<\/a> mit sehr vielen Fallbeispielen geschrieben. Darin thematisiert er auch die Vernetzung unter den Musiker*innen. Hier in W\u00fcrzburg sind jetzt nat\u00fcrlich auch nicht ganz so viele Stra\u00dfenmusiker*innen unterwegs wie in Berlin. Daher l\u00e4uft alles etwas ruhiger ab.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber \u00c4rger gibt es bestimmt trotzdem gelegentlich, oder?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es kann nat\u00fcrlich immer mal passieren, dass sich Anwohner*innen oder Gesch\u00e4ftsinhaber*innen gest\u00f6rt f\u00fchlen und dann irgendwann auch dem Ordnungsamt Bescheid geben. In W\u00fcrzburg m\u00fcssen die Musiker*innen zum Beispiel alle halbe Stunde weiterziehen. Es gibt welche, die das machen, aber es gibt auch solche, die zwei oder drei Stunden am selben Platz stehen und drei Lieder in Dauerschleife spielen. Das Ordnungsamt meinte aber, dass es nur ganz selten vorkommt, dass eine Verwarnung nicht ausreicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was m\u00f6gen die Leute an Stra\u00dfenmusik? Was finden sie vielleicht nicht so gut?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da kommt es immer darauf an, in welcher Situation das Publikum gerade ist. Ist es Publikum, was stehenbleibt? Oder sind es ein Passant*innen, die den Weg nur nutzen, um irgendwo hinzukommen? Dann kann Stra\u00dfenmusik nat\u00fcrlich auch nervig sein. Es bilden sich zum Beispiel Menschentrauben und man kommt mit dem Fahrrad nicht durch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich pers\u00f6nlich finde es immer schwierig, wenn Leute in der Stra\u00dfenbahn Musik machen, weil man der Situation dann ja nicht ausweichen kann. Es ist eng, es ist laut. Das kann dann schon ein bisschen unangenehm sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese R\u00fcckmeldung habe ich auch oft bekommen: Stra\u00dfenmusik ist sch\u00f6n, wenn man selbst entscheiden kann, ob und wie lange man zuh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das ist ja meistens so bei Musik\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber zu einem Konzert geht man ja hin, um sich sch\u00f6ne Musik anzuh\u00f6ren. Auf der Stra\u00dfe wird man einfach damit konfrontiert. Das bringt nat\u00fcrlich wahnsinnig viele Vorteile im Bereich Kulturvermittlung und dergleichen mit sich, weil so ein sehr niedrigschwelliges Angebot entsteht. Aber wenn man vielleicht nicht entspannt durch die Stadt bummelt und sagt, man hat jetzt Zeit, f\u00fcnf bis zehn Minuten zuzuh\u00f6ren, sondern in Eile ist, dann verliert es diesen Freiwilligkeitscharakter. Oft stehen Stra\u00dfenmusiker*innen vor Caf\u00e9s, und wenn man da dann seinen Kaffee trinken will oder sich nicht mehr so gut unterhalten kann, wird das schnell als unangenehm empfunden. Manche Musiker*innen gehen anschlie\u00dfend zu den Leuten und bitten aktiv um Spenden. Auch das st\u00f6rt manche Leute.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Apropos Geld: Was kann man denn mit Stra\u00dfenmusik verdienen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt stark drauf an, wo man spielt und was man spielt. Ich habe hier Stra\u00dfenmusiker*innen kennengelernt, die davon leben konnten. Aber letztendlich ist es auch immer so ein bisschen die Frage, was deren Intention ist. Ist es die Intention, Geld zu verdienen? Ist man darauf angewiesen, oder ist es ein ein netter Zusatzverdienst?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im letzten Fall ist dann vielleicht der Druck nicht so hoch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach kann man das den Musiker*innen auch anmerken, ob der finanzielle Aspekt im Vordergrund steht. Das erkennt man zum Beispiel an diesem aktiven Geldsammeln. Aber auch die Art und Weise, wie sie sich pr\u00e4sentieren, spielt eine Rolle. Es gab Stra\u00dfenmusiker*innen, die darauf hingewiesen haben, dass sie in \u201eVerkleidung\u201c spielen, weil es authentischer wirkt und damit finanziell mehr einbringt. Da war zum Beispiel ein Hand Drum Spieler, der hat mir gesagt, sein Arbeitsoutfit f\u00fcr die Stra\u00dfe sei eine wei\u00dfe Leinenhose und ein wei\u00dfes Leinenhemd. Dazu sa\u00df er barfu\u00df da. Er habe die Erfahrung gemacht hat, dass das richtig gut ankomme. Die Leute halten das f\u00fcr authentisch: Er sei da so in seiner Musik gefangen und die optische Erscheinung passe perfekt dazu. Da gibt es schon Stra\u00dfenmusiker*innen, die richtige Shows abziehen, um mehr Aufmerksamkeit zu generieren und damit auch mehr einzunehmen. Je gr\u00f6\u00dfer die Show, desto weniger wird am Ende auf die Musik geachtet. Manche Stra\u00dfenmusiker*innen gucken, was f\u00fcr ein Publikum gerade unterwegs ist, um daran ihre St\u00fcckauswahl danach zu richten. Sie spielen dann nicht, was sie vielleicht gerade gerne spielen m\u00f6chten, also was sie selber an Bed\u00fcrfnissen haben, sondern zum Beispiel Filmmusik, wenn junge Leute vorbeigehen. Man versucht dann, die so \u201eeinzufangen\u201c. Wenn es \u00e4lteres Publikum ist, dann kann es auch mal was von Mozart sein, damit sie stehenbleiben. Das fand ich sehr spannend, weil man ja eigentlich davon ausgeht, dass die Stra\u00dfenmusiker*innen in dieser Frage frei sind. In Wahrheit sind sie eigentlich doch diesen Abh\u00e4ngigkeiten unterworfen.<\/p>\n\n\n\n<p><iframe allow=\"autoplay *; encrypted-media *; fullscreen *; clipboard-write\" frameborder=\"0\" height=\"175\" style=\"width:100%;max-width:1980px;overflow:hidden;border-radius:10px;\" sandbox=\"allow-forms allow-popups allow-same-origin allow-scripts allow-storage-access-by-user-activation allow-top-navigation-by-user-activation\" src=\"https:\/\/embed.podcasts.apple.com\/de\/podcast\/interview-mit-jeffrey-amankwa-s%C3%A4nger\/id1653116132?i=1000631178902\"><\/iframe><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich finde, das klingt nach einem ziemlich harten Gesch\u00e4ft. Wir haben mal einen Podcast mit Jeffrey Amankwa gemacht, der in Soul- und Funk-Bands singt. Er meinte, dass er oft Anfragen bekommt wie: Wir brauchen einen S\u00e4nger, der muss aber schwarz sein, weil das authentischer ist. Er hat erz\u00e4hlt, dass er vor allem am Anfang seiner Karriere mehr Anfragen bekommen habe, weil er eine person of color ist, als wegen seiner sch\u00f6nen Soul-Stimme. Ich finde das irgendwie krass, dass das selbst in der Stra\u00dfenmusik so ist. Man setzt sich eine lustige Per\u00fccke auf oder zieht eine wei\u00dfe Leinenhose an, und schon denken die Leute: Ah ja, das passt so f\u00fcr mich. Das sagt auch was \u00fcber das Publikum aus\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist auf jeden Fall so! Wenn das Publikum das Gef\u00fchl hat, es sei authentisch, dann ist es oft v\u00f6llig ausreichend. Der spanische Musiker, der Flamenco spielt und sich dementsprechend pr\u00e4sentiert, wird in den h\u00f6chsten T\u00f6nen gelobt. Noch Jahre sp\u00e4ter wird von dem berichtet. Die Leute haben mir erz\u00e4hlt: Vor zwei Jahren war der hier, der sah so authentisch aus, das war ein Spanier durch und durch. Wenn ich dann frage: Ja, und wie finden sie die Musik jetzt im Moment? Dann hei\u00dft es: Das ist ein osteurop\u00e4ischer Musiker, und das sieht man ihm ja auch an.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das w\u00e4re jetzt gut, wenn der Spanier eigentlich aus der Ukraine kam\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kann durchaus sein! Aber wie auch immer: Diese Wahrnehmung spielt einfach eine wahnsinnig gro\u00dfe Rolle: Wie wirkt der Stra\u00dfenmusiker oder die Stra\u00dfenmusikerin?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du sagst jetzt Stra\u00dfenmusikerin, aber es sind fast \u00fcberwiegend M\u00e4nner, oder?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In dem Jahr, in dem ich die Interviews gef\u00fchrt habe, sind mir nur zwei Frauen begegnet. Auch sonst bin ich ja immer wieder in der Stadt und halte nach Stra\u00dfenmusik Ausschau. Es ist schon sehr auffallend, dass es \u00fcberwiegend m\u00e4nnliche Musiker sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Woran liegt das?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine richtige Erkl\u00e4rung habe ich dazu auch nicht. In der Forschung von Mark Nowakowski war das auch auffallend. Er vermutet, dass es vielleicht daran liegt, dass die Stra\u00dfe einfach ein hartes Pflaster ist. Letztendlich bleibt die Frage bei mir aber noch offen. Ich w\u00fcrde gerne noch mal mit dieser Frage auf die Stra\u00dfe gehen und schauen, warum die Szene so m\u00e4nnlich dominiert ist. Es w\u00e4re auch spannend zu erfahren, ob das tats\u00e4chlich \u00fcberall so ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Forschung ist also noch nicht beendet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema Stra\u00dfenmusik gibt so viel her! Ich fand es ganz schwer, mich zu beschr\u00e4nken. Ich habe so viel Interessantes erfahren! Man spricht dann ja auch mit Personen, die ganz unterschiedliche kulturelle Kontexte haben. Ich hatte in den ersten Interviews Stra\u00dfenmusiker, die sich selber als Kulturvermittler bezeichnet haben oder sogar von einer Kultur der Stra\u00dfe gesprochen haben. Das fand ich spannend und habe es in meinen Fragenkatalog aufgenommen. Dann hatte ich einen Stra\u00dfenmusiker aus Mexiko, der bei der Frage, ob Stra\u00dfenmusik Teil einer Kultur der Stra\u00dfe sei, v\u00f6llig entsetzt war. Er meinte, nein, in Deutschland g\u00e4be es keine \u201eKultur der Stra\u00dfe\u201c; hier tanzt man nicht zusammen auf der Stra\u00dfe, hier lacht man nicht zusammen auf der Stra\u00dfe, hier isst man nicht zusammen auf der Stra\u00dfe. Durch diese kulturellen Kontexte wurde ganz unterschiedlich auf die Fragen reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das hei\u00dft, du hattest einen Fragenkatalog, mit denen du an die Leute heran getreten bist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Genau. Ich hatte einen Leitfaden vorbereitet, der dann aber flexibel nutzbar war. Es gab Stra\u00dfenmusiker*innen, die von sich aus so viel erz\u00e4hlt haben, dass ich gar nicht mehr dazu kam, meine Fragen zu stellen. Es gab auch Fragen, die bei einzelnen Musiker*innen weniger passten. Generell gab es nat\u00fcrlich oft eine gewisse Sprachbarriere. Ich hatte Frageb\u00f6gen auf Deutsch, Englisch und Russisch. Aber es sind schon viele Stra\u00dfenmusiker*innen meinen Fragen wegen der Sprachbarriere \u201eentkommen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Okay, die spannendste Frage zum Schluss: Hast du selber auch schon mal Stra\u00dfenmusik gemacht?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Leider nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das hei\u00dft, diese Perspektive fehlt dir noch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das ist super schade! Meine Geschwister machen auch Musik, und wir hatten als Kinder immer vor, uns auch mal auf die Stra\u00dfe zu stellen. Meine j\u00fcngere Schwester spielt Kontrabass, sie hat mit acht Jahren angefangen. Zu Beginn war das ganz s\u00fc\u00df, weil man sie hinter dem Kontrabass praktisch nicht sah.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Da h\u00e4ttet ihr bestimmt viel Geld mit verdient.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da h\u00e4tte es auf jeden Fall einen gewissen Niedlichkeits-Bonus gegeben. Aber irgendwie haben wir es immer nicht geschafft. Als ich im Zuge meiner Forschung das Thema wieder aufgenommen habe, habe gedacht, jetzt m\u00fcsse ich mich einfach mal trauen. Als ich mich dann endlich dazu durchgerungen hatte, kam leider Corona. Damit war erst mal nichts mehr m\u00f6glich. Ich muss gestehen, dass ich es danach dann auch wieder habe schleifen lassen. Die Arbeit musste fertig gestellt werden, und so hatte ich diese Perspektive leider nicht mit drin. Als die Arbeit fertig war, konnte ich wieder entspannt den Stra\u00dfenmusikern zuh\u00f6ren und habe diese Idee nicht weiter verfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das ist ja auch mal ganz sch\u00f6n, wenn man nur zuh\u00f6ren darf! Aber wie gesagt: Da ist noch Raum f\u00fcr weitere Forschung! Liebe Lena, ich bedanke mich ganz herzlich bei Dir f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel hat die Musikethnologin Lena Meiertoberend in W\u00fcrzburg interviewt. 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