{"id":936,"date":"2018-05-29T19:10:45","date_gmt":"2018-05-29T17:10:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=936"},"modified":"2019-09-14T10:59:50","modified_gmt":"2019-09-14T08:59:50","slug":"metoo-ist-an-den-musikhochschulen-angekommen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/metoo\/metoo-ist-an-den-musikhochschulen-angekommen-teil-2\/","title":{"rendered":"#metoo ist an den Musikhochschulen angekommen \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/politisch-philosophisches\/metoo-ist-an-den-musikhochschulen-angekommen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vor einigen Tagen hatten wir hier \u00fcber den Fall Siegfried Mauser berichtet<\/a>. Wir haben zu dem Beitrag viel positives Feedback bekommen, allerdings weniger durch die Kommentare, als durch pers\u00f6nliche Nachrichten. Das zeigt, dass es immer noch viele Musiker gibt, die sich nicht trauen, sich \u00f6ffentlich zu dem Thema zu \u00e4u\u00dfern. Das liegt wohl auch am Umgang der Musikhochschulen und der Szene allgemein damit: Niemand will gerne als \u201eNestbeschmutzer\u201c gelten. Immer wieder kam auch die Frage auf, wie man bereits stattgefundene Vorf\u00e4lle aufkl\u00e4ren kann und was man tun k\u00f6nne, um solche Vorf\u00e4lle in Zukunft zu vermeiden. Dazu m\u00f6chten wir ein paar Gedanken mit euch teilen.<\/p>\n<h4>Die Reaktionen der Hochschule<\/h4>\n<p>Die Musikhochschule M\u00fcnchen hat schon Ende 2016 angek\u00fcndigt, Ma\u00dfnahmen zur Pr\u00e4vention und der Aufkl\u00e4rung von sexuellem und Machtmissbrauch zu ergreifen. In unserem letzten Beitrag haben wir Moritz Eggert (Professor f\u00fcr Komposition in M\u00fcnchen) zitiert, der nicht der Meinung ist, dass diese Ma\u00dfnahmen etwas bringen w\u00fcrden. Wir haben uns die <a href=\"http:\/\/website.musikhochschule-muenchen.de\/de\/images\/PDFs\/richtlinie%20gegen%20sexuelle%20diskriminierung%20(aktualisierte%20fassung).pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Richtlinie gegen sexuelle Diskriminierung<\/a> der Hochschule selbst durchgelesen. Das klingt eigentlich alles ganz vern\u00fcnftig. Die Richtlinien werden mittlerweile an alle Studenten ausgegeben. Sie umfassen allerdings sieben Seiten Text, daher ist fraglich, wie viele Studenten sie wirklich vollst\u00e4ndig gelesen haben. Das war wohl auch der Hochschule bewusst, daher wurde zus\u00e4tzlich noch der <a href=\"http:\/\/website.musikhochschule-muenchen.de\/de\/images\/PDFs\/Aktuelles\/2016_flyer_nein_heisst_nein_update_aussen_pdf-x3.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Flyer \u201eNein hei\u00dft Nein!\u201c<\/a> kreiert. Dieser Flyer hat dann in uns wieder die gewohnte Ern\u00fcchterung ausgel\u00f6st. Wir fragen uns, ob dieser Flyer wirklich ernst gemeint ist, immerhin kannte selbst die Frauenbeauftrage der Hochschule nicht seinen Inhalt, als sie im Mauser-Prozess dazu befragt wurde.<\/p>\n<p>Im Flyer findet sich zum Beispiel kein Hinweis darauf, dass (sexuelle) Gewalt unter Umst\u00e4nden eine Straftat darstellt. Lediglich auf den Polizei-Notruf 110 wird verwiesen. Das ist besonders verwunderlich, da es sp\u00e4ter hei\u00dft: \u201eSexuelle Bel\u00e4stigung kann sich wie folgt ausdr\u00fccken: [&#8230;] Stalking, sexuelle N\u00f6tigung und Vergewaltigung\u201c Es wird immer nur von den Hochschul-internen Methoden gesprochen, solche Geschehnisse aufzuarbeiten. Ob das blo\u00df ein Vers\u00e4umnis ist oder bewusst darauf verzichtet wurde, l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich nur schwer sagen. Es erinnert aber stark an vergleichbare F\u00e4lle (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sexueller_Missbrauch_in_der_r%C3%B6misch-katholischen_Kirche\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zum Beispiel in der katholischen Kirche<\/a>), bei denen Vorkommnisse auch ganz gerne mal \u201eintern\u201c gekl\u00e4rt wurden.<\/p>\n<p>In dem Flyer ist auch der offizielle Weg aufgezeichnet, den man bei einem Vorfall gehen kann \u2013 leider f\u00fchrt dieser letzten Endes immer \u00fcber die Hochschulleitung. Das ist schon etwas zynisch in Anbetracht der Tatsache, dass der ehemalige Leiter der Hochschule grade wegen sexueller N\u00f6tigung verurteilt wurde. Aber auch, wenn die Hochschulleitung nicht direkt an Vorf\u00e4llen beteiligt ist \u2013 es d\u00fcrfte f\u00fcr betroffene Studenten bei dem engen Geflecht von Freundschaft und Kollegialit\u00e4t an Hochschulen schwer nachvollziehbar sein, wie ein solcher Weg neutral und fair ablaufen soll.<\/p>\n<p>Der Gipfel war f\u00fcr uns aber der Satz \u201eEs gibt aber auch F\u00e4lle, in denen sexuelle Bel\u00e4stigung in umgekehrter Richtung erfolgt: So werden auch Lehrende immer wieder Opfer sexueller Bel\u00e4stigungen durch Studierende.\u201c Es mag sein, dass dies auch ein Thema ist und es stellt f\u00fcr die Betroffenen sicherlich eine besondere Dem\u00fctigung dar. Solche Vorf\u00e4lle sollten selbstverst\u00e4ndlich aufgekl\u00e4rt werden. Trotzdem ist das Kernproblem wohl ziemlich offensichtlich der Machtmissbrauch durch hierarchische Strukturen.<\/p>\n<h4>Was kann man als Student oder direkt Betroffener tun?<\/h4>\n<p>Ganz egal, f\u00fcr welchen Weg man sich entscheidet \u2013 nie waren die Chancen besser als in #metoo-Zeiten, dass Vorf\u00e4lle aufgekl\u00e4rt werden. Die Mauer des Schweigens sollte endlich durchbrochen werden. Es sollte jedem bewusst sein, dass \u00dcbergriffe in vielen F\u00e4llen eine Straftat darstellen. Es ist also keineswegs immer n\u00f6tig (und auch nicht sinnvoll), die Hochschule zu informieren. Man kann sich in diesen F\u00e4llen direkt an die Polizei wenden. Nat\u00fcrlich kann es passieren, dass Vorf\u00e4lle verj\u00e4hrt sind oder Verfahren gegen Beschuldigte eingestellt werden. Aber dass einem keiner glaubt \u2013 das ist an der Hochschule ja eher noch wahrscheinlicher.<\/p>\n<p>Dass dieses \u201eProblem\u201c sich von ganz alleine l\u00f6st und \u00fcber den Fall Mauser bald Gras w\u00e4chst hoffen wahrscheinlich im Moment manche an der M\u00fcnchener Hochschule (und im \u00dcbrigen vermutlich auch an anderen Musikhochschulen). Daher ist es die Aufgabe der Studenten, daf\u00fcr zu sorgen, dass dies nicht passiert. Am besten ist es, wenn sich viele Studenten zusammentun, um Missst\u00e4nde anzusprechen. Aber auch kleine Zusammenschl\u00fcsse \u2013 zum Beispiel innerhalb einer Klasse \u2013 k\u00f6nnen etwas bewirken. Besprecht zum Beispiel gemeinsam, wie ihr den Alltag im Studium erlebt und was ihr euch f\u00fcr Ver\u00e4nderungen w\u00fcnschen w\u00fcrdet. Je mehr Studenten hinter Forderungen stehen, desto schwerer d\u00fcrfte es den Professoren und der Hochschule fallen, sich dagegen zu stellen.<\/p>\n<p>Auch der Weg \u00fcber die Presse kann sinnvoll sein. Im zitierten Spiegel-Artikel wurde berichtet, dass die Journalisten gezielt Studenten angesprochen haben, um noch mehr Berichte zu sammeln. Die Chance ist also gro\u00df, dass eure Geschichte dort Geh\u00f6r findet.<\/p>\n<p>Hoffentlich ist endlich die Zeit gekommen, \u00fcberholte Machtstrukturen aufzul\u00f6sen. Dass Professoren einseitig ihre Studenten duzen und ihrerseits mit \u201eHerr Professor\u201c angesprochen werden, ist heutzutage wohl nur noch an Musikhochschulen m\u00f6glich! Es besteht einiger Erneuerungsbedarf \u2013 nicht nur im Bereich der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch. Nun m\u00fcssen alle aktiv werden \u2013 damit die Aufkl\u00e4rung \u00a0nicht beim Druck eines Flyers stehenbleibt.<\/p>\n<h4>Laura &amp; Daniel<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen hatten wir hier \u00fcber den Fall Siegfried Mauser berichtet. Wir haben zu dem Beitrag viel positives Feedback bekommen, allerdings weniger durch die Kommentare, als durch pers\u00f6nliche Nachrichten. 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