{"id":969,"date":"2018-06-13T10:52:19","date_gmt":"2018-06-13T08:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/?p=969"},"modified":"2019-09-14T10:59:06","modified_gmt":"2019-09-14T08:59:06","slug":"metoo-ist-an-den-musikhochschulen-angekommen-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/musik-und-gesellschaft\/metoo\/metoo-ist-an-den-musikhochschulen-angekommen-teil-3\/","title":{"rendered":"#metoo ist an den Musikhochschulen angekommen &#8211; Teil 3"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Blog haben wir k\u00fcrzlich \u00fcber den Fall Siegfried Mauser berichtet (<a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/politisch-philosophisches\/metoo-ist-an-den-musikhochschulen-angekommen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.dasharfenduo.de\/wordpress\/politisch-philosophisches\/metoo-ist-an-den-musikhochschulen-angekommen-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> nachzulesen). Was war passiert? Der ehemalige Pr\u00e4sident der Musikhochschule M\u00fcnchen wurde im Mai 2018 zum zweiten Mal wegen sexueller N\u00f6tigung verurteilt. Die Urteile sind noch nicht rechtskr\u00e4ftig, aber der Fall hat an der Hochschule hohe Wellen geschlagen. Auf Druck der Medien wurden von der aktuellen Hochschulleitung verschiedene Ma\u00dfnahmen angek\u00fcndigt, die in Zukunft Gewalt und Missbrauch an Hochschulen verhindern sollen. Deren Wirksamkeit ist umstritten. Im Rahmen des Prozesses gab es umfangreiche Recherchen der SPIEGEL-Journalisten Martin Knobbe und Jan-Philipp M\u00f6ller, die herausfanden, dass der Fall Mauser nur die Spitze des Eisbergs ist. Unter anderem konnten sie die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Jahr 2016 einsehen, die die Musikhochschule M\u00fcnchen bis dahin unter Verschluss gehalten hatte. Daraus ging hervor, dass es viele weitere F\u00e4lle von (sexueller) Gewalt und Machtmissbrauch an der M\u00fcnchener Musikhochschule gab und gibt. An anderen Musikhochschulen sieht die Situation vermutlich nicht viel anders aus.<\/p>\n<div style=\"width: 347px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/09\/M%C3%BCnchen_-_HS_f%C3%BCr_Musik_und_Theater.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/09\/M%C3%BCnchen_-_HS_f%C3%BCr_Musik_und_Theater.jpg\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"253\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Hochschule f\u00fcr Musik und Theater M\u00fcnchen (Foto: Maximilian D\u00f6rrbecker, Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic Lizenz)<\/p><\/div>\n<p>Und damit nicht genug: Die Musikhochschule M\u00fcnchen hat sich bisher nicht dazu ge\u00e4u\u00dfert, dass Siegfried Mauser ab dem n\u00e4chsten Semester wieder unterrichten m\u00f6chte, trotz der erst- und zweitinstanzlichen Urteile. Ein solches Vorgehen w\u00e4re bei anderen Arbeitgebern undenkbar. Es ist mehr als deutlich, auf wessen Seite die Hochschule steht \u2013 zu einer Solidarit\u00e4tsbekundung oder gar einer Entschuldigung f\u00fcr die Opfer konnte sie sich bisher nicht durchringen.<\/p>\n<p><em>Pr\u00e4zisierung vom 19.06.2018: Uns ist nicht bekannt, ob die HMT M\u00fcnchen sich <strong>aktiv<\/strong> um die Wiederbesch\u00e4ftigung Siegfried Mausers bem\u00fcht oder sein Bestreben, wieder an der Hochschule zu unterrichten, unterst\u00fctzt. Falls jemand dies so verstanden hat, war das nicht unsere Absicht. Fakt ist aber, dass Mauser davon ausgeht, im n\u00e4chsten Semester wieder in M\u00fcnchen zu unterrichten, da er bisher nur beurlaubt ist. Das Arbeitsrecht w\u00e4re in diesem Fall auch auf seiner Seite, da er bisher nicht von seinem Arbeitgeber, der HMT M\u00fcnchen, suspendiert oder abgemahnt wurde. Anders sieht die Situation in Salzburg aus, wo sein Arbeitsvertrag aufgel\u00f6st wurde.<\/em><br \/>\n<em>Unser Unmut \u00fcber die Situation st\u00fctzt sich vor allem darauf, dass nach unserem aktuellen Kenntnisstand von der Hochschule bisher keine Solidarisierung mit den Betroffenen und unserer Meinung nach auch keine ausreichende Distanzierung von der Person Siegfried Mausers erfolgte.<\/em><\/p>\n<h4>Die Reaktionen auf den Fall<\/h4>\n<p>Es ist aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht zu erwarten, dass die Musikhochschulen das Problem von selbst in den Griff bekommen. Zu starr sind die Hierarchie- und Machtstrukturen, um gegen einzelne Dozenten, die gegen Regeln und Gesetze versto\u00dfen, vorzugehen. F\u00fcr uns liegt die einzige Hoffnung daher im Engagement der Studenten selbst. Doch das stellt ein erhebliches Problem dar: Viele Studenten haben gro\u00dfe Angst, dass sie dadurch Repressalien durch ihre Dozenten erleiden werden oder ihre Karriere gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Als wir in unserem Blog \u00fcber den Fall berichteten, rechneten wir nicht ernsthaft damit, dass wir irgendeine Aufmerksamkeit erreichen w\u00fcrden. Die Reichweite unseres Blogs ist nicht sehr gro\u00df und unsere Social-Media-Aktivit\u00e4ten halten sich in Grenzen. Umso \u00fcberraschter waren wir, als ein paar Tage sp\u00e4ter der SPIEGEL-Journalist Jan-Philipp M\u00f6ller bei uns anrief \u2013 und dass nur, weil wir die aktuelle Berichterstattung auf unserem Blog zusammengefasst hatten. Zwischen den Zeilen h\u00f6rten wir, dass es offenbar mit gro\u00dfen Schwierigkeiten verbunden ist, aktive Mitglieder der Musikszene zu finden, die bereit sind, sich \u00f6ffentlich zu dem Thema zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Immerhin ist das Thema inzwischen in der \u00f6ffentlichen Debatte angekommen. Es gibt Politikerinnen (z.B. Claudia Stamm von \u201eMut\u201c, Verena Osgyan von den Gr\u00fcnen oder Isabell Zacharias von der SPD), die sich des Themas annehmen. Es ist demn\u00e4chst eine Podiumsdiskussion zum Thema \u201eSexualisierte Gewalt\u201c in M\u00fcnchen geplant, an der neben Claudia Stamm auch Moritz Eggert, Professor f\u00fcr Komposition an der HMT M\u00fcnchen, teilnehmen soll. Er setzt sich schon seit Bekanntwerden der ersten Vorw\u00fcrfe unerm\u00fcdlich f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung aller Vorf\u00e4lle an seiner Hochschule ein.<\/p>\n<h4>Was k\u00f6nnen <strong>wir<\/strong> tun?<\/h4>\n<p>Das kann so nicht weitergehen! Die v\u00f6llig veralteten Machtstrukturen an Musikhochschulen m\u00fcssen endlich an die moderne P\u00e4dagogik angepasst werden. Es kann nicht sein, dass Gewalt und Missbrauch geduldet werden, nur weil die T\u00e4ter einen \u201egro\u00dfen Namen\u201c haben! Um das zu \u00e4ndern, m\u00fcssen wir alle aktiv werden!<\/p>\n<p>Daher werden wir bald eine Seite auf diesem Blog erstellen, wo MusikerInnen Ihre Erfahrungen schildern k\u00f6nnen. Wir werden die Berichte so anonymisieren, dass keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf beteiligte Personen (T\u00e4terInnen und Opfer!) oder Hochschulen m\u00f6glich sind. Um dies vorzubereiten, m\u00fcssen wir ein paar technische \u00c4nderungen an diesem Blog vornehmen. Habt also bitte noch ein paar Tage Geduld! Es w\u00fcrde uns sehr freuen, wenn sich m\u00f6glichst viele aktuelle und ehemalige StudentInnen, aber vielleicht auch DozentInnen oder Mitglieder der Hochschulverwaltungen melden. Durch unsere Erfahrung mit Musikhochschulen wissen wir, wie leicht sich Personen anhand von einzelnen Angaben wie dem Instrument oder dem Alter identifizieren lassen. Ihr braucht also keine Sorge zu haben, dass Eure Identit\u00e4t \u201eversehentlich\u201c herauskommt. Ihr braucht auch keine Angst haben, dass Eure Erlebnisse zu unbedeutend sind oder ihr daf\u00fcr pers\u00f6nlich angefeindet werdet. Der einzige Sinn der Berichte ist das Aufdecken von gravierenden Missst\u00e4nden und die Verbesserung der Situation f\u00fcr alle Musiker. Da ist jeder Beitrag willkommen!<\/p>\n<p>Auch andere haben bereits M\u00f6glichkeiten geschaffen, sich anonym auszusprechen: Der Komponist Moritz Eggert, der sich in der Aufkl\u00e4rung der Vorf\u00e4lle an der HMT M\u00fcnchen engagiert, ruft auf Facebook dazu auf, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=10155649423603325&amp;set=a.485918063324.267002.622958324&amp;type=3&amp;theater\">ihn zu kontaktieren<\/a>.<\/p>\n<p>Die Recherche der SPIEGEL-Journalisten Martin Knobbe und Jan-Philipp M\u00f6ller zum Thema ist ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Nach wie vor suchen sie Musiker, die F\u00e4lle von k\u00f6rperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt, Bel\u00e4stigungen oder sonstige Formen des Machtmissbrauchs erlebt haben und bereit sind, dar\u00fcber zu sprechen. Ihr k\u00f6nnt sie gerne per Mail unter martin.knobbe@spiegel.de kontaktieren, die Telefonnummer erfahrt Ihr von uns. <strong>Auch hier sind Diskretion und Anonymit\u00e4t das oberste Gebot!<\/strong> Das bedeutet konkret, dass niemand f\u00fcrchten muss, seinen oder ihren Namen irgendwann in der Zeitung zu lesen, ohne dass er bzw. sie dem zugestimmt hat. Welche weiteren Schritte im einzelnen unternommen werden, wird dann zu kl\u00e4ren sein. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es optimal, wenn sich auch Leute finden w\u00fcrden, die bereit w\u00e4ren, sich \u00f6ffentlich zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<h4>Sprecht dar\u00fcber!<\/h4>\n<p>Toll w\u00e4re es auch, wenn Ihr untereinander \u2013 entweder in der Klasse mit anderen Studenten oder mit Euren Freunden und Bekannten \u2013 \u00fcber das Thema redet und andere animiert, uns ihre Erfahrungen zu schreiben. Nur so kann die Mauer des Schweigens durchbrochen werden. Wir versuchen, unseren Teil dazu beizutragen und so ein Klima des Austauschs zu schaffen. Wir hoffen, dass es irgendwann m\u00f6glich sein wird, sich unter seinem richtigen Namen zu \u00e4u\u00dfern, ohne negative Konsequenzen f\u00fcrchten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Liebe Musikerinnen und Musiker, wenn Ihr etwas zur Erneuerung der Unterrichtskultur an unseren Hochschulen beitragen wollt, tut es jetzt! Noch nie war die Chance gr\u00f6\u00dfer, dass Vorf\u00e4lle aufgekl\u00e4rt werden und sich das Klima an Musikhochschulen nachhaltig \u00e4ndert \u2013 lasst sie nicht ungenutzt verstreichen!<\/p>\n<h4>Laura &amp; Daniel<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Blog haben wir k\u00fcrzlich \u00fcber den Fall Siegfried Mauser berichtet (hier und hier nachzulesen). Was war passiert? Der ehemalige Pr\u00e4sident der Musikhochschule M\u00fcnchen wurde im Mai 2018 zum zweiten Mal wegen sexueller N\u00f6tigung verurteilt. 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