Maurice Ravel (1925)

„Die Überwindung technischer Schwierigkeiten war für Ravel ein eigenständiger künstlerischer Akt“, schreiben wir im Programmheft zu unserer aktuellen Tournee. Und das trifft auf das Introduktion und Allegro ganz genau zu! Aber Ravel wusste (im Gegensatz zu manch anderem Komponisten…), was er tat. Daher gibt es in diesem Stück zwar viel zu üben, aber nicht, weil es ungünstig gesetzt ist, sondern, weil Ravel die Spieltechnik der Harfe komplett ausreizt.

Ich selbst verbinde mit dem Stück ganz besondere Erinnerungen, da ich es 2011 in meiner Diplomprüfung gespielt habe. Allerdings nicht in der ursprünglichen Besetzung (Streichquartett, Flöte und Klarinette), sondern mit der von Ravel selbst verfassten Klavierbegleitung. Auf der einen Seite war das natürlich schade, weil so kaum das richtige „Kammermusik-Feeling“ aufkam, auf der anderen Seite war ich aber auch froh, mich in der stressigen Prüfungsvorbereitung nicht auch noch mit sechs anderen Musikern auseinandersetzen musste.
(Dazu eine kleine Geschichte am Rande: Ein Kommilitone von mir spielte in seiner Prüfung ein Stück mit Streichquartett. Die Streicher waren allesamt Spitzenmusiker, was für die musikalische Qualität zwar förderlich war, für die Probenatmosphäre dagegen weniger: Ständig wurde rumgenörgelt, warum man denn soviel bzw. überhaupt proben müsse. Zur Generalprobe erschien dann schließlich einer der vier – seines Zeichens immerhin ARD-Preisträger – in sichtlich übernächtigtem und noch restalkoholisiertem Zustand. Ich glaube, dieses Stück hat meinen Kommilitonen sehr viele Nerven gekostet…)

Die Version für zwei Harfen, die wir in unseren Konzerten spielen, erfüllt für mich beides: Den kammermusikalischen Aspekt und die Freiheit, sich ganz auf die Solostimme konzentrieren zu können. Damit man trotzdem einen Eindruck davon bekommt, wie das ganze im Original klingt, habe ich hier eine hervoragende Aufnahme mit einem der besten Harfenisten unserer Zeit herausgesucht. Im Rahmen des Israeli Chamber Projects spielen Sivan Magen (Harfe), Daniel Bard & Itamar Zorman (Violinen), Katya Polin (Viola), Ira Givol (Cello), Eyal Ein-Habar (Flöte) und Tibi Cziger (Klarinette). Viel Spaß beim hören!

Daniel

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