Steuertipps für Musiker

Bis zum 31. Juli 2019 muss die Einkommenssteuererklärung für das Jahr 2018 beim Finanzamt eingereicht werden. Wer dieses lästige Unterfangen (wie wir ;)) bisher vor sich hergeschoben hat, dem könnten nachfolgende Tipps helfen. Denn viele MusikerInnen (und andere, „normale“ Leute) zahlen mehr Steuern, als sie müssten, weil sie ihre Ausgaben nicht korrekt von der Steuer absetzen.

Die Einkommenssteuer berechnet sich grundsätzlich folgendermaßen: Man rechnet alle Einnahmen zusammen, die man aus seiner beruflichen Tätigkeit erhalten hat, zieht die Ausgaben ab („von der Steuer absetzen“) und meldet den Gewinn dem Finanzamt. Das Finanzamt prüft die Angaben und setzt den Betrag der zu zahlenden Einkommenssteuer fest. Was einfach klingt, hat in der Praxis viele Tücken. Vor allem die Frage, was alles als Ausgabe gilt, ist kompliziert und leider auch in manchen Fällen vom Gesetzgeber nicht eindeutig. Wir möchten in diesem Artikel auf ein paar Punkte eingehen, durch die man vor allem als MusikerIn viel Geld sparen kann.

  • Ein Hinweis vorab: Wir sind keine Steuerberater und schildern lediglich unsere eigenen Erfahrungen mit der Steuererklärung. Es gibt zu jedem Punkt unzählige Ausnahmen und Sonderregelungen, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden. Wir übernehmen keine Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Wer sich unsicher bei seiner eigenen Steuererklärung ist, der sollte beim Finanzamt oder einem Steuerberater nachfragen. Wenn wir in diesem Beitrag etwas falsch oder ungenau dargestellt haben, freuen wir uns über Eure Anregungen und Korrekturen!

Fahrtkosten

Wer zum Job fährt, dem entstehen Fahrtkosten. Diese Fahrtkosten kann man von der Steuer absetzen, was eigentlich jedem bekannt sein sollte. Dabei spielt es keine Rolle, welches Verkehrsmittel man nutzt: Egal ob zu Fuß, per Fahrrad, per Bus oder per Auto: Berufsbedingte Wege kann man immer steuerlich geltend machen. Man hat hier zwei Möglichkeiten: Entweder man rechnet die tatsächlichen Kosten zusammen (z.B. Bahntickets) oder man nutzt die Kilometerpauschale. Diese beträgt aktuell 0,15 € pro Kilometer. Wichtig ist dabei, dass man auch wirklich nur die Kilometer berechnet, die für den Weg zur Arbeit angefallen sind.

  • Ich wohne in Berlin und habe ein Konzert in München. Auf dem Weg dorthin mache ich einen Umweg über Augsburg, um dort Freunde zu besuchen. Dann kann ich mir nicht den Weg nach Augsburg anrechnen, sehr wohl aber den nach München. Für die Steuerklärung berechne ich also die Fahrtkosten für die Strecke Berlin – München – Berlin.

Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, der sollte die Kilometerpauschale nutzen. Es gibt auch die Möglichkeit, seine Autofahrten komplett von der Steuer abzusetzen, quasi als Dienstwagen. Das ist allerdings kompliziert und lohnt sich nicht immer. Die Kilometerpauschale ist einfacher und weniger fehleranfällig. Außerdem hat das Finanzamt hier weniger Möglichkeiten, einzelne Posten zu beanstanden, weil in der Regel keine Nachweise wie z.B. Tankquittungen notwendig sind.

Wer mit der Bahn fährt, kann sich aussuchen, ob er die Kilometerpauschale abrechnen will. Vor allem für diejenigen, die keine BahnCard besitzen, kostet das Zugticket oft mehr. Dann ist man nicht verpflichtet, die „billigere“ Variante der Kilometerpauschale zu nutzen, sondern kann das Bahnticket von der Steuer absetzen. Andersherum gilt natürlich: Ergibt die Kilometerpauschale einen höheren Betrag als das Bahnticket, kann man diesen von der Steuer absetzen.

  • Ich wohne in Berlin und fahre zum Konzert nach München mit der Bahn. Auf der Hinfahrt zahle ich den Normalpreis von 153 €, auf der Rückfahrt habe ich einen Sparpreis von 39 € bekommen. Die Autostrecke würde 584 km betragen, die Fahrtkosten mit Kilometerpauschale also 87,60 € pro Fahrt. Für die Hinfahrt gebe ich nun den Preis des Bahntickets bei der Steuererklärung an, für die Rückfahrt die Kilometerpauschale. So komme ich auf 240,60 €, die ich als Fahrtkosten von der Steuer absetzen kann.

Wenn man mit mehr als einer Person eine Fahrt unternimmt, darf sich trotzdem jeder die volle Kilometerpauschale berechnen. Daher lohnen sich Auto-Fahrgemeinschaften vor der Steuer noch einmal extra. Daran sollte man aber auch denken, wenn man Gruppentarife beim Bahnfahren nutzt. Dann ist die Kilometerpauschalen-Variante steuerlich oft deutlich besser.

Diese ganzen Überlegungen und Berechnungen haben übrigens nichts damit zu tun, ob vom Veranstalter oder Arbeitgeber Fahrtkosten erstattet werden. Man kann die Kilometerpauschale auch nicht vom Veranstalter einfordern. Hier geht es ausschließlich um die Angaben in der Steuererklärung. Diese können sich von den tatsächlich gezahlten Fahrtkosten erheblich unterscheiden.

  • Für ein Engagement als Orchesteraushilfe zahlt mir das Orchester 1.000 € Gage und 200 € Fahrtkosten. Ich bin aber nur 1.000 km mit dem Auto gefahren, was 150 € Fahrtkosten entsprechen würde. Bei der Steuer muss ich nun 1.200 € als Einnahme angeben und kann nur 150 € Fahrtkosten von der Steuer absetzen. Mein zu versteuernder Gewinn beträgt also 1.050 €!

Verpflegungspauschale

Wer außerhalb seiner Haupt-Arbeitsstätte („erste Tätigkeitsstätte“) beruflich unterwegs ist, dem entsteht ein sogenannter Verpflegungsmehraufwand. Das heißt, er kann sich nicht so günstig versorgen, wie bei seiner Arbeitsstätte oder zu Hause. Diesen Mehraufwand kann man ebenfalls von der Steuer absetzen, und zwar über die Verpflegungspauschale. Diese beträgt 12 € für Tage, an denen man mehr als 8 Stunden unterwegs ist und 24 € für Tage, die man komplett weg ist. Aber aufgepasst: „komplett weg“ bedeutet in diesem Fall wirklich 24 Stunden von 0 bis 24 Uhr – und nicht beispielsweise von morgens früh um 6 Uhr bis abends um 23 Uhr.

  • Eine Musikschullehrerin fährt um 11 Uhr zur Musikschule, um dort zu unterrichten. Um 13 Uhr verlässt sie die Musikschule, um mit ihren SchülerInnen zu einem Wettbewerb zu fahren. Nach dem Wettbewerb fährt sie nach Hause und erreicht ihre Wohnung um 21:30 Uhr. Sie kann eine Verpflegungspauschale von 12 € von der Steuer absetzen, da sie länger als 8 Stunden von ihrer ersten Tätigkeitsstätte (der Musikschule) entfernt gearbeitet hat.

Spannend wird diese Regelung vor allem für Freiberufler. Für sie gilt nämlich der Wohnsitz als erste Tätigkeitsstätte. Der „Timer“ beginnt für sie also immer dann, wenn sie aus beruflichen Gründen ihren Wohnsitz verlassen. Sind sie länger als 8 Stunden unterwegs, können sie die Pauschale berechnen. Das gilt auch für Musikschullehrer mit Honorarvertrag, da sie ja nicht bei der Musikschule angestellt sind und somit steuerlich als Freiberufler gelten!

Besonders bei mehrtägigen Projekten kommen schnell hohe Beträge zusammen, wenn man die Pauschale korrekt berechnet. Wer außer Haus übernachten muss, kann sich die 12 € für den Tag der Anreise sowie den Tag der Abreise berechnen, unabhängig davon, ob die 8 Stunden Abwesenheit erreicht wurden. Bei Übernachtungen spielt es keine Rolle, ob man im Hotel, bei den Eltern oder bei Freunden auf dem Sofa übernachtet. Die Verpflegungspauschale wird immer zusätzlich zu Übernachtungskosten berechnet.

  • Ich habe am Samstag eine Probe und ein Konzert in einer anderen Stadt. Ich fahre am Freitag um 18 Uhr von zu Hause los und komme abends im Hotel an. Ich übernachte von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag im Hotel. Am Sonntag fahre ich morgens los und bin um 11 Uhr wieder zu Hause. Ich berechne mir für Freitag (Anreisetag!) und Sonntag je 12 € und für Samstag 24 € Verpflegungspauschale, also insgesamt 48 €. Diese 48 € kann ich zusätzlich zu den Fahrt- und Hotelkosten von der Steuer absetzen.

Etwas knifflig wird es bei mehrtägigen Projekten, bei denen nicht an jedem Tag gearbeitet wird. Handelt es sich dabei um reine Geschäftsreisen, kann man sich wohl auch für diese Tage die Pauschale berechnen. Unternimmt man an diesen Tagen dagegen Freizeitaktivitäten, sollte man eher davon absehen. Aber auch wenn man nur bei Verwandten oder Freunden übernachtet, sollte man für die Tage, an denen man arbeitet, trotzdem die vollen 24 € berechnen.

  • Ich fahre von Montag bis Sonntag zu meinen Eltern in eine andere Stadt, da ich in dieser Zeit als Aushilfe beim ortsansässigen Orchester engagiert wurde. Am Dienstag und Mittwoch finden Proben statt, am Freitag ein Konzert. Für die Tage der An- und Abreise (Montag und Sonntag) berechne ich nun je 12 €, für die Tage, an denen ich arbeiten muss (Dienstag, Mittwoch und Freitag) je 24 €. Für Donnerstag und Samstag berechne ich nichts. Insgesamt komme ich so auf 96 €, die ich von der Steuer absetzen kann.

Die Absetzung von Fahrtkosten und Verpflegungspauschale sollte man nicht unterschätzen. Wer viel unterwegs ist, bei dem kommen schnell vierstellige Beträge zusammen! Würde man diese nicht von der Steuer absetzen, wäre der zu versteuernde Gewinn dementsprächend höher. Man würde also Steuern auf Gewinn zahlen, den man im Endeffekt gar nicht hatte!

Was kann man sonst noch von der Steuer absetzen?

Konzertkleidung und Reinigung

In der Regel kann man die Kosten für Arbeitskleidung ebenfalls von der Steuer absetzen. Vorausgesetzt natürlich, man hat sie selbst bezahlt und nicht vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen. Bei MusikerInnen sieht die Sache leider nicht ganz so einfach aus. Es hat bereits Gerichtsurteile gegeben, die besagten, dass man Kleidung, die man auch außerhalb der Arbeit nutzen kann, nicht von der Steuer absetzen kann. Bei einer schwarzen Hose sieht die Sache also eher schlecht aus. Bei einem Konzertanzug kann man dagegen darüber streiten, ob es sich um reine Arbeitskleidung handelt. Und einen Frack dürften wohl die wenigsten in ihrer Freizeit tragen. Unser Tipp: Probiert es einfach mal und gebt die Kosten für Konzertkleidung bei der Steuererklärung an. Vielleicht habt ihr Glück und ihr kommt damit durch. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Das Finanzamt streicht den Posten dann einfach eigenmächtig.

Eindeutiger sieht es bei der Reinigung aus, da Eure Kleidung ja durch die berufliche Nutzung schmutzig wird. Die Kosten der Reinigung könnt Ihr also von der Steuer absetzen. Wirklich grotesk wird es hier: Es gibt tatsächlich Berechnungsmethoden, welche Beträge Ihr absetzen könnt, wenn ihr die Kleidung zu Hause wascht und bügelt – selbstverständlich in Anhängigkeit von Waschtemperatur und Bauart des Trockners… Aber das ist eine Wissenschaft für sich und uns zu kompliziert!

Instrumente

Wenn Ihr für Eure berufliche Tätigkeit ein Instrument kauft, könnt Ihr die Kosten von der Steuer absetzen. Es gibt allerdings einen Höchstbetrag pro Jahr. Wenn der Kaufpreis diesen Betrag überschreitet, könnt ihr über einen für jedes Instrument festgelegten Nutzungszeitraum jährlich einen bestimmten Betrag absetzen. Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es auch. Wer so etwas vorhat, sollte sich unbedingt weiter informieren.

Einfacher ist es bei Reparaturen, Ersatzteilen und Instrumentenversicherungen. Diese können ohne Probleme von der Steuer abgesetzt werden. Auch Stimmgeräte, Notenständer, Hocker, Noten etc. sind sogenannte Arbeitsmittel und können abgesetzt werden.

Versicherungen

Die Instrumentenversicherung hatten wir schon angesprochen. Aber auch andere Versicherungen kann man von der Steuer absetzen. Bei uns sind das zum Beispiel die Veranstaltungshaftpflichtversicherung, die wir für alle Konzerte, die wir selbst organisieren abschließen müssen, sowie die berufliche Rechtsschutzversicherung. Eine private Rechtsschutzversicherung könnte man dagegen nicht von der Steuer absetzen.

Krankenversicherungsbeiträge kann man auch steuerlich geltend machen. Viele von Euch dürften bei der Künstlersozialkasse sein (Wenn nicht: Unbedingt informieren und machen!). Da bekommt Ihr jedes Jahr eine Übersicht über die Beträge, die ihr eingezahlt habt und die ihr absetzen könnt. Bei anderen Krankenversicherungen sollte es ähnlich sein.

Unzählige Kleinigkeiten

Es gibt noch viele Dinge, die man von der Steuer absetzen kann. Fragt Euch einfach einmal: Welche Ausgaben hätte ich nicht, wenn ich meinen Beruf nicht ausüben würde? Druck- und Kopierkosten, Porto, Geschäftsessen, … Mit ein wenig Nachdenken kommt man sicherlich auf viele Sachen! Und das schöne am Internet ist ja: Jede Frage, die man hat, wurde irgendwann in irgendeinem Forum schon einmal gestellt und beantwortet. Eine kurze Recherche bringt daher oft Klarheit.

Hoffentlich konnten wir Euch ein paar Tipps geben, die ihr noch nicht kanntet und die Euch dabei helfen, Eure Steuern etwas zu reduzieren. Viel Erfolg bei Eurer Steuererklärung!

Laura & Daniel

2 Comments

  1. Ole sagt:

    Ein super Artikel ohne den ich vergessen hätte, die Verpflegungspauschale mit anzugeben. Vielen Dank!

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